Mehr Unfälle durch Wildwechsel: Neunburgs Polizei verzeichnete 2024 einen Anstieg von sieben Prozent

Wenn sich im Herbst die Blätter bunt färben, steigt auch die Gefahr von Wildunfällen. Denn morgens ist es später hell und abends früher dunkel. Die Dämmerstunden verschieben sich damit in die Zeit des Berufsverkehrs. Auch rund um Neunburg werden Rehe, Füchse oder Hasen wieder plötzlich die Straßen queren – und so für den einen oder anderen Crash sorgen.
Im Dienstbereich der Polizei Neunburg, die neben der Pfalzgrafenstadt ebenso für Bodenwöhr, Neukirchen-Balbini, Dieterskirchen, Schwarzhofen und Thanstein zuständig ist, werden seit Jahren zahlreiche Wildunfälle registriert. Im Vorjahr ist deren Zahl um gut sieben Prozent auf 320 angestiegen. Betroffen waren bei der Mehrzahl der Unfälle Rot- und Damwild (insgesamt 276). Das sind immerhin 86 Prozent der Wildunfälle rund um Neunburg. 20 Mal waren Hasen involviert, elf Mal Füchse und sechs Mal Dachse. Diese Wildarten rangierten auch in den Vorjahren auf den vorderen Rängen.
Zahlen nicht beunruhigend
Der Anstieg im Vorjahr sei nicht beunruhigend, betont Polizeihauptkommissar Markus Schlegel, der innerhalb der Neunburger Dienststelle den Verkehrsbereich verantwortet. „Die Zahlen sind nicht exorbitant in die Höhe geschossen. Sie pendeln in einem Spektrum. In einem Jahr hatten wir weniger Wildunfälle, im anderen hatten wir mehr“, erklärt Schlegel.
Heuer könnten die Zahlen wieder etwas sinken, glaubt der Polizeihauptkommissar. Denn aktuell würde die Zahl unter dem Vorjahreswert liegen. Ende August sind es 220 Wildunfälle gewesen, derzeit liegt die Zahl bei 253. „Wenn es keine Ausreißer mehr gibt, dann kommen wir dieses Jahr auf um die 300 Wildunfälle“, schätzt Schlegel.
Der Herbst steht aber noch bevor, in dem viele Wildunfälle passieren, meint Schlegel. Der Herbst und das Frühjahr seien auch in Neunburg Schwerpunktzeiten für Kollisionen mit Wild.
Wechsel der Futterplätze
Im Vergleich zu benachbarten Polizeidienststellen schneiden die Neunburger gut ab. Auch die PI Oberviechtach verzeichnet jedes Jahr um die 300 Wildunfälle. 455 Zusammenstöße mit Wildtieren registrierte die PI Nabburg im vergangenen Jahr. Dort ging die Zahl um vier Prozent zurück und erreichte den niedrigsten Wert im Fünf-Jahres-Vergleich. 2021 lag die Zahl schon mal bei 547.
Dass es manche Jahre in Neunburg mehr Wildunfälle gibt, könne verschiedene Gründe haben, sagt Markus Schlegel. So könnte eine sanierte Straße das Wild verunsichern. Ein Wechsel der Futterplätze könne ebenfalls zu mehr Wildunfällen führen. Die Zahl der Wildunfälle sei auch der hohen Walddichte im Dienstbereich der Neunburger Polizei geschuldet. Auf der Kreisstraße SAD13 von Neukirchen-Balbini nach Penting sowie auf den Staatsstraßen 2398 nach Bodenwöhr und 2040 in Richtung Meißenberg und Hansenried scheppert es öfter mal. „Die meisten Wildunfälle ereignen sich auf Staats- und Kreisstraßen. Bundes- und Gemeindestraßen sind weniger betroffen“, berichtet Schlegel. Im Vorjahr waren es 146 Wildunfälle auf Staatsstraßen und 108 auf Kreisstraßen.
Warnschilder aufgestellt und blaue Reflektoren angebracht
Deutlich absenken lasse sich die Zahl der Wildunfälle kaum, glaubt Schlegel. In der Vergangenheit wurden an Schwerpunkten bereits Warnschilder aufgestellt. Auch Leitpfosten seien mit blauen Reflektoren ausgestattet worden, um das Wild von einem Straßenwechsel abzuhalten. Darüber hinaus wurden CDs in den Bäumen aufgehängt, die durch die Spiegelung der Oberfläche ebenfalls das Wild abschrecken sollen. Die Zahl der Wildunfälle sei dadurch kaum gesunken, so Schlegel. „Wir haben wohl den Musikgeschmack noch nicht getroffen“, scherzt der Polizeihauptkommissar in Bezug auf die CDs in den Bäumen.
Mit der Jägerschaft bleibe die Neunburger Polizei aber im Gespräch über mögliche Lösungen des Problems, denn auch die Jäger ärgern sich über die Wildverluste.
Positives lässt sich dennoch in der Polizeistatistik in Bezug auf Wildunfälle finden: 2024 wurde dabei nur eine Person leicht verletzt, im Jahr zuvor waren es noch zwei leicht verletzte Personen.