Neunburger Polizei erwischt deutlich mehr Alkoholsünder

„Fahrer war erheblich betrunken“, „Alkoholisiert unterwegs“, „Betrunkener Autofahrer verursacht Unfall“ – es vergeht kaum ein Tag, an dem die Polizeiinspektionen im Landkreis Schwandorf nicht derartige Meldungen herausgeben müssen. Auch die Beamten der Neunburger Polizeidienststelle haben im Vorjahr deutlich mehr Alkoholsünder aus dem Verkehr gezogen.
Insgesamt 56 Fahrer saßen laut der vor Kurzem vorgestellten Verkehrsstatistik alkoholisiert hinterm Steuer.
Damit verzeichnete die Neunburger Polizei eine Steigerung um 75 Prozent gegenüber dem Jahr 2023 (32 Alkoholsünder). Es war gleichzeitig der höchste Wert seit Jahren. 2018 war die Zahl der alkoholisierten Fahrer zuletzt ähnlich hoch (52). In den Jahren dazwischen lag sie zwischen 32 (2023) und 46 (2022).
Wir veröffentlichen jedes Alkohol- und Drogendelikt im Polizeibericht. Die Menschen sollen wissen, dass die PI Neunburg scharf kontrolliert.
Markus Schmitt, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion Neunburg
Laut Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt werde jedes Alkohol- und Drogendelikt im Polizeibericht veröffentlicht. Denn die Menschen sollten wissen, dass die PI Neunburg scharf kontrolliere, so der Erste Polizeihauptkommissar.
Von den Alkoholsündern wurden im Bereich der Polizei Neunburg im Vorjahr sechs Unfälle verursacht. Das sind drei weniger als 2023. Das mache die Statistik aber keineswegs besser, findet Polizeihauptkommissar Markus Schlegel, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Neunburg. Denn diese Zahl sage nichts über die Schwere der Unfälle.
Schadensträchtiger Unfall unter Alkoholeinfluss
So entstand beispielsweise bei einem Unfall am 11. August 2024 ein Sachschaden von rund 40.000 Euro. Erheblich alkoholisiert (1,33 Promille) war damals der 21-jährige Fahrer eines Audi A3 mit seinem Wagen ins Schleudern geraten und von der Fahrbahn abgekommen. Das Fahrzeug krachte gegen eine massive Gartenmauer. Dabei wurde der Motorblock herausgerissen und an das gegenüberliegende Haus geschleudert. Auch weitere Autos wurden bei diesem Unfall beschädigt. Die Unfallstelle erstreckte sich laut Polizei über 45 Meter.
Der Fall war so spektakulär, dass ihn die Neunburger Polizei in ihrem Sicherheitsbericht 2024 unter der Rubrik „Herausragende Verkehrsunfälle“ aufgeführt hat. Das trifft nur auf zwei von insgesamt 556 Unfällen zu.
Man darf Auto fahren und man darf trinken, beides zusammen geht gar nicht.
Michaela Frauendorfer, Richterin am Amtsgericht Schwandorf in einer Verhandlung gegen einen betrunkenen Unfallverursacher
Der schadensträchtige Unfall wurde inzwischen auch vor Gericht verhandelt. Richterin Michaela Frauendorfer hatte bei dem Prozess im März betont: „Man darf Auto fahren und man darf trinken, beides zusammen geht gar nicht.“ Genauso sehen es Markus Schlegel und seine Kollegen von der PI Neunburg.
Und dennoch scheint die Hemmschwelle bei den Kraftfahrern zu sinken, sich betrunken hinters Steuer zu setzen. Das verdeutlich auch der Fall eines 52-jährigen Autofahrers, den die Neunburger Polizei mit 3,04 Promille hinterm Steuer erwischt hatte. Der Mann war mit seinem Auto gerade auf dem Weg zu einem Getränkemarkt, als er von den Polizisten kontrolliert wurde.
Das ist aber noch kein Allzeit-Rekordwert. 2023 hatten die Polizisten aus Neunburg einen 31-jährigen Autofahrer mit 3,28 Promille festgestellt. Er wollte gerade aus einer Parklücke fahren und prallte gegen eine Hauswand. Und vor einigen Tagen hatten Polizeibeamte aus Schwandorf einen Mann kontrolliert, der sogar 4,73 Promille intus hatte. Mit einem Auto war der 36-Jährige zwar nicht unterwegs, aber er hatte ein E-Bike bei sich, das von den Beamten sichergestellt wurde.
Alkoholfahrten sind ein Problem aller Generationen
Gerade E-Scooter- oder Radfahrer scheinen die Gefahr, alkoholisiert unterwegs zu sein, zu unterschätzen. Das zeigen die Polizeiberichte der vergangenen Monate, in denen immer wieder von betrunkenen und bekifften E-Scooter- und Radfahrern die Rede ist. Die Polizeimeldungen zeigen auch, dass Alkohol am Steuer kein Problem einer bestimmten Altersgruppe ist. Von der Polizei wurden sowohl junge (zum Beispiel 19 oder 21 Jahre) wie auch ältere Alkoholsünder (54 und 56 Jahre) erwischt. Der traurige Trend vom Vorjahr scheint sich heuer fortzusetzen. Auch das zeichnet sich mit Blick auf die Polizeiberichte der vergangenen Monate ab.
Während den Beamten bei alkoholisierten Fahrern eine „Fahne“ entgegenweht, ist ein Drogenkonsum schwerer festzustellen. Denn einfache Geräte wie den Alkotest gibt es für Drogen noch nicht. Die Polizisten können mit einem Wischtest zwar feststellen, ob ein Verdächtiger mit Drogen in Berührung gekommen ist, ein Beleg für Konsum ist es jedoch nicht. Der kann erst durch eine Urinprobe ermittelt werden.
So sieht die Statistik aus
• Alkoholisierte Fahrer: 56 alkoholisierte Fahrzeugführer wurden von der Neunburger Polizei 2024 festgestellt und mussten ihren Führerschein abgeben. In den Jahren zuvor waren es 35 (2020), 40 (2021), 46 (2022) und 32 (2023).
• Unfälle: Übermäßiger Alkoholkonsum war im Vorjahr die Ursache bei sechs Unfällen – drei weniger als 2023. Das Jahr 2023 stellt einen Ausreißer gegenüber den Vorjahren dar, in denen drei (2020) beziehungsweise fünf Unfälle (2021 und 2022) durch alkoholisierte Fahrer verursacht wurden.
• Drogen: Elf Fahrzeuglenker standen 2024 unter Drogeneinfluss. 2022 und 2023 waren es jeweils zwölf.
• Verhinderte Trunkenheitsfahrten: Neun Verkehrsteilnehmern wurde vor Fahrtantritt der Autoschlüssel abgenommen und damit eine Trunkenheitsfahrt verhindert. 2022 war dies bei 14 Fahrer der Fall, 2023 bei zehn.