Unfallfluchten in Neunburg nehmen deutlich zu – Mehr Delikte aufgeklärt

Wenn ein Trend nach oben zeigt, ist das meist positiv. Nicht so in der Unfallstatistik: Hier sind steigende Zahlen ein Alarmsignal. Zugenommen haben 2023 im Bereich der Polizei Neunburg die Unfallfluchten. 65 Anzeigen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort gab es. Mehr als die Hälfte konnte aber aufgeklärt werden.
Im Jahr zuvor, 2022, waren es nur 51. Dies entspricht einem Plus von knapp 28 Prozent. Auch von 2021 auf 2022 gab es einen deutlichen Anstieg der Unfallfluchten um circa 25 Prozent. Der Wert des Vorjahres ist der höchste seit 2018.
Eine Erklärung für die deutliche Zunahme hat Polizeihauptkommissar Markus Schlegel nicht. Bei den Unfallfluchten würde es sich oft um Parkrempler oder Spiegelstreifer handeln. Dabei sind die Neunburger keine Ausnahme: Auch im Dienstbereich der Polizeiinspektion Schwandorf gab es 2023 eine deutliche Zunahme von Unfallfluchten. Waren es 2022 noch 171, lag die Zahl voriges Jahr bei 209. Das ist eine Zunahme um rund 22Prozent. Davon konnten gut 42 Prozent (88 Fälle) aufgeklärt werden. Auch in Schwandorf handelt es sich in vielen Fällen um Parkrempler, wie Deniz Birol erklärt.
Ein Auto anzufahren, könne immer mal passieren, sagt Markus Schlegel von der PI Neunburg. Aber jeder Verursacher sollte es auch melden, findet er. Für ihn sei das eine Anstandsfrage.
Schlegel kann sich an einen Unfallverursacher erinnern, der in der Zeitung von einer Unfallflucht gelesen hatte und sich danach bei der Polizei meldete, dass es ihm leidtue und er den Zusammenstoß nicht bemerkt habe. So viel Reue zeigten die wenigsten Unfallflüchtigen.
Intensive Recherche nötig
Die Beamten der Polizeiinspektion Neunburg konnten im Vorjahr zwar mehr als die Hälfte der angezeigten Unfallfluchten – insgesamt 34 – aufklären, aber die wenigsten gingen darauf zurück, dass sich die Verursacher selbst gestellt haben.
Die Fälle wurden meist durch intensive Recherche der Polizeibeamten und Hinweise aus der Bevölkerung aufgeklärt. Bei Hinweisen von Bürgern, die zur Ermittlung von Unfallflüchtigen beitragen, lässt es sich Dienststellenleiter Erster Polizeihauptkommissar Markus Schmitt übrigens nicht nehmen, ein Dankschreiben an die Mitteiler zu schicken.
Erst im Mai konnte wieder eine Unfallflucht in Neunburg durch eine Zeugin geklärt werden. Eine ältere Frau hatte mit ihrem Fahrzeug Metallpfosten umgefahren, die dadurch an die Fassade eines Geschäftshauses geschleudert wurden. Die aufmerksame Zeugin hatte den Vorfall beobachtet und sich das Kennzeichen notiert. So konnte die flüchtige Unfallverursacherin schnell ermittelt werden. Meist sei es aber eine mühsame Recherche, erklärt Schlegel.
Wichtig sei es, findet der Polizeihauptkommissar, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen, dass es sich bei einer Unfallflucht nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Bereits vor einigen Jahren gab es eine Aktion gegen das unerlaubte Entfernen vom Unfallort. Die Neunburger Polizisten hatten dabei unter anderem auf dem Edeka- und Rewe-Parkplatz Flyer und Postkarten verteilt.
Kein Verständnis
Diesen Bemühungen stünden Überlegungen der Bundesregierung entgegen, Unfallfluchten ohne Personenschaden zu einer Ordnungswidrigkeit herabzustufen, sagt Schlegel. Er und seine Kollegen können derartige Vorschläge nicht verstehen. Selbst wenn entsprechende Beschlüsse gefasst werden sollten, für die Polizisten bleibe die Arbeit die gleiche, meint Schlegel.
Bei den 65 Unfallfluchten im vergangenen Jahr im Dienstbereich der Polizei Neunburg wurden übrigens drei Personen leicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 217.000 Euro. Im Jahr zuvor lag der entstandene Sachschaden bei circa 190.000 Euro.