Zu viele Unfälle: Aus der Norma-Kreuzung in Neunburg wird ein Kreisverkehr

Von Jan Lange · 24. November 2023 um 17:00

Eigentlich ist die Norma-Kreuzung in Neunburg gut einsehbar. Es gibt Abbiegespuren, Mittelinseln und die Geschwindigkeit ist auf 50km/h reduziert. Trotzdem gibt es an der Kreuzung von Industriestraße (St2151) und Neukirchner Straße (St2040) immer wieder Unfälle. Deshalb wird über einen Umbau nachgedacht.

Am Donnerstag wurde die geplante Maßnahme im Stadtrat vorgestellt.

Wie stark frequentiert ist die Kreuzung?

Auf der Industriestraße sind nach Angaben des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach im Schnitt 8000 Fahrzeuge täglich unterwegs. Die Neukirchner Straße hat ein Verkehrsaufkommen von 4000Fahrzeugen pro Tag. Beide Straßen gelten als stark frequentierte Verkehrswege. Und der Verkehrsstrom hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Vor allem zu den Stoßzeiten kommt es an der Kreuzung oft zu längeren Wartephasen – und eben auch immer wieder zu Abbiegeunfällen.

Wie oft kracht es an dieser Stelle?

Laut den Untersuchungen des Staatlichen Bauamtes gab es in den Jahren 2018 bis 2020 zwei Unfälle mit schweren Personenschäden, vier Kollisionen mit Leichtverletzten und fünf, bei denen nur Sachschaden entstand. Fehler beim Einbiegen führten oft zu Unfällen.

Der Trend setzt sich danach fort: In den Jahren 2021 und 2022 sowie den ersten neun Monaten des Jahres 2023 ereigneten sich an dieser Stelle drei Unfälle mit Leichtverletzten. Schwer verletzt wurde in diesem Zeitraum niemand. Es gab aber auch drei Zusammenstöße, bei denen lediglich Sachschaden entstanden ist. Auch bei den jüngeren Kollisionen handelte es sich wiederholt um Abbiegeunfälle. Diese Zahlen bestätigten eine Unfallhäufung, woraufhin die Planungen zum Kreuzungsumbau aufgenommen wurden.

Wie soll der Umbau aussehen?

Geplant ist, an der Stelle einen Kreisverkehr zu errichten. Den Anstoß dazu gab die CSU-Fraktion im Neunburger Stadtrat. Sie brachte im September 2021 einen Beschlussvorschlag ein, einen Antrag beim Staatlichen Bauamt zu stellen, die Kreuzung zu einem Kreisverkehr umzubauen. Ein solcher würde aus ihrer Sicht die Verkehrssicherheit erhöhen, die Wartezeiten verkürzen und damit insgesamt die Verkehrssituation an dieser vielbefahrenen Kreuzung deutlich verbessern.

Nach der Prüfung durch das Staatliche Bauamt wird der Umbau zum Kreisverkehr angegangen. Da Schwerlaster einen hohen Anteil des Verkehrs ausmachen, habe man sich für einen großen Kreisverkehr entschieden, erklärte Björn Letz vom Staatlichen Bauamt. Er soll einen Durchmesser von 38 Metern haben. Die Kreisinsel wird 23 Meter breit sein, für die Fahrbahn im Kreisel sind 7,50Meter vorgesehen. Die Zufahrten werden 4,75 Meter und die Ausfahrten 5,25 Meter breit sein.

Ist der Platz dafür vorhanden?

Der Kreisverkehr würde mehr Platz als die bisherige Kreuzung benötigen. Das Staatliche Bauamt muss deshalb zusätzlichen Grund erwerben. Davon ist die Umsetzung abhängig. Mit der Firma Lober, deren Grundstück südöstlich an die Kreuzung angrenzt, konnte sich der Bauherr bereits einigen. „Das war eine Voraussetzung, um in die weiteren Planungen einsteigen zu können“, informierte Letz.

Hat der Umbau Auswirkungen auf Anlieger?

Ja, die Zu- und Ausfahrt zur Firma Lober erfolgt derzeit über die Industriestraße. Sie würde sich künftig mitten im Bereich des Kreisverkehrs befinden und muss deshalb umgestaltet werden. So soll die Zu- und Ausfahrt nach dem Umbau der Kreuzung über die Äußere Neukirchner Straße erfolgen. Im Stadtrat wurde darauf hingewiesen, die Sichtachsen zu überprüfen und gegebenenfalls Böschungen abzutragen oder das Ortseingangsschild zu versetzen. Björn Letz erklärte darauf, dass die Verkehrssituation bezüglich der Firma Lober noch untersucht werde.

Würde es Alternativen zum Kreisverkehr geben?

Der Verkehr im Kreuzungsbereich könnte auch mit einer Lichtsignalanlage geregelt werden. Dies würde umfangreiche Tiefbaumaßnahmen erfordern. Auch aus diesem Grund wurde der Umbau zu einem Kreisverkehr empfohlen.

Wer trägt die Kosten der Maßnahme?

Die Kosten für den Umbau trägt komplett das Staatliche Bauamt mit Ausnahme der Kosten für den Bau eines Gehweges westlich der Neukirchner Straße.

Ist der Neubau von Gehwegen geplant?

Der vorhandene Gehweg an der nordöstlichen Seite wird neu an den Kreisverkehr angebunden. Untersucht wurde auch der Bau eines Gehweges entlang der Industriestraße bis auf Höhe des Aldi-Marktes. Dessen Errichtung wird aufgrund der vorhandenen Topografie und der Grundstücksgrenzen erschwert. Auf Höhe des Aldi-Marktes ist ein Höhenunterschied von bis zu drei Metern vorhanden. Diesen Höhenunterschied aufzufangen, sei nur mit einer Stützmauer oder weiterem Grunderwerb möglich. Die Planung und Abstimmung würde demnach deutlich aufwendiger ausfallen als zunächst angenommen und den ohnehin schon straffen Zeitplan verzögern. Auch die Kosten für die Anlage eines solchen Gehweges würden relativ hoch ausfallen und wahrscheinlich Fragen zur Notwendigkeit aufwerfen. Der Bau dieses Gehweges wird in den weiteren Planungen nicht mehr verfolgt, erklärte Letz.

Möglich wäre auch ein Gehweg westlich der Neukirchner Straße bis zur Einmündung der Heinz-Flessner-Straße. Das Planungsbüro hat die Kosten für diesen Gehwegbau grob auf 38000 Euro geschätzt. Diese Summe müsste die Stadt Neunburg tragen. Die Sprecher der Stadtratsfraktionen favorisieren allerdings einen direkten Zugang zum Marktgelände im Kreuzungsbereich. Dies würde die Stadt deutlich weniger kosten. Eine Mittelinsel soll Fußgängern die Querung der Neukirchner Straße ermöglichen.

Wie sieht der Zeitplan für den Umbau aus?

Die Maßnahme ist im Haushalt 2024 eingeplant, erklärte Letz. Das Staatliche Bauamt wolle die Planung bis Mitte nächsten Jahres abschließen. Ob danach auch mit der Ausführung begonnen werden kann, werde sich Anfang 2024 entscheiden, so Letz. Der Bau des Kreisverkehrs unter Vollsperrung sei zwar schneller zu realisieren, in diesem Fall aber schwer umzusetzen. Das Staatliche Bauamt denkt laut dem Abteilungsleiter über eine halbseitige Sperrung während der Bauphase nach. Der Bau würde dann wahrscheinlich fünf Monate dauern, meinte Letz. Die Neunburger Stadträte haben der Maßnahme einstimmig ihr Okay gegeben.