Paukenschlag in Schwandorf: Andreas Feller will parteilos als Oberbürgermeister kandidieren

Von Johannes Hartl, Martin Kellermeier · 29. August 2025 um 15:30

Lange war in der Stadt spekuliert worden, nun ist die Bombe geplatzt: Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (56) will bei der Kommunalwahl 2026 erneut antreten. Er will parteilos ins Rennen gehen. Damit fordert er seine langjährige Partei, die CSU, heraus.

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Der amtierende Rathauschef machte am Freitagnachmittag seine Entscheidung öffentlich. „Meine politische Heimat ist und bleibt die CSU. Doch die innerparteilichen Differenzen des vergangenen Jahres haben mich dazu bewogen, bei der kommenden Kommunalwahl als parteiloser Kandidat anzutreten“, teilte Feller schriftlich mit. Mitglied bei der CSU wolle er dennoch bleiben.

Der Weg zur eigenen Kandidatur sei ihm nicht leichtgefallen, betonte er. „Aber ich gehe ihn mit Überzeugung – im Sinne eines offenen, fairen und sachorientierten Miteinanders.“ Ein gutes Verhältnis zur CSU – wie auch zu allen anderen demokratischen Kräften – liege ihm weiterhin am Herzen, so der 56-Jährige.

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Nachdem Feller bei der Nominierungsversammlung der CSU im vergangenen Mai durchgefallen war und die Partei lieber auf ihren Fraktionschef Andreas Wopperer als OB-Kandidaten setzte, blieben Schwandorfs Rathauschef zwei Möglichkeiten, um erneut antreten zu können. Theoretisch hätte er einfach für eine andere Partei oder Wählergruppe ins Rennen gehen können. Zeitweise wurde gar spekuliert, ob nicht die Freien Wähler Fellers neue politische Heimat werden könnten. Doch diesem Schritt hatte der OB schon vor Wochen eine klare Absage erteilt.

Feller braucht die Unterschriften von 190 Schwandorfern

Es blieb also nur Möglichkeit zwei, um erneut auf dem Wahlzettel stehen zu können. Mit 190 Unterstützerunterschriften kann er als parteiloser Bewerber kandidieren. Für diesen Schritt hat sich Andreas Feller nun entschieden. „Die entsprechende Liste wird schon bald im Rathaus Schwandorf ausliegen“, berichtete er gegenüber der MZ. Den genauen Termin werde er rechtzeitig bekannt geben. „Ich freue mich über jede einzelne Unterschrift als Zeichen des Vertrauens und der gemeinsamen Verbundenheit mit unserer Stadt“, erklärte der OB.

Auch zu den Gründen für seine erneute Kandidatur äußerte sich der 56-Jährige. „Schwandorf hat noch mehr Potenzial“, sagte Feller. Er wolle die Große Kreisstadt auch künftig „mit Hingabe, mit Stolz und als Teamplayer an der Seite unserer Bürgerinnen und Bürger gestalten“. Mehr noch, er wolle anpacken und Schwandorf weiter voranbringen. „Dabei ist mir eines besonders wichtig: ein faires Miteinander, auch im Wahlkampf. Denn Politik sollte verbinden, nicht spalten“, konstatierte der OB.

Ich verstecke mich nicht. Ich stehe ein für eine bürgernahe Politik, für ehrlichen Dialog und verlässliche Entscheidungen.

Andreas Feller, Oberbürgermeister von Schwandorf

Feller ist seit elf Jahren Schwandorfs Rathauschef. Nach sechs Jahren im Amt musste er 2020 in die Stichwahl gegen Kurt Mieschala (UW). Dabei konnte der Amtsinhaber 54,86 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen. In den vergangenen elf Jahren sei er stets „mit Leidenschaft und Herzblut“ an der Spitze des Rathauses gestanden. „Diese Aufgabe ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Herzensangelegenheit“, so Feller wörtlich.

In der CSU hatte Andreas Feller den politischen Rückhalt verloren

Gemeinsam mit seinem Team habe er einige Projekte umgesetzt, „die das Gesicht unserer Stadt verändert und weiterentwickelt haben“. Es habe Erfolge, aber auch Herausforderungen gegeben. Der OB betonte, dass er bei seiner Arbeit auch schwierige Themen nicht außer Acht gelassen habe. „Ich verstecke mich nicht. Ich stehe ein für eine bürgernahe Politik, für ehrlichen Dialog und verlässliche Entscheidungen“, erklärte Feller.

Bereits in seiner Bewerbungsrede bei der CSU-Nominierungsversammlung hatte Feller versucht, die Erfolge seiner Arbeit herauszustellen. Doch seine Parteifreunde konnte er damit nicht überzeugen. Zu groß war für die Anwesenden die Kritik an seiner Person in der jüngeren Vergangenheit gewesen, auch innerhalb der CSU.

Einst Parteifreunde, nun vielleicht bald Konkurrenten: Andreas Feller (l.) und Andreas Wopperer bei der Nominierungsversammlung der CSU im vergangenen Mai. - Foto: Martin Kellermeier, Archiv

Gründe, dass die Delegierten der Stadtversammlung mehrheitlich für Fraktionschef Andreas Wopperer als OB-Kandidaten stimmten, dürften unter anderem die rechtswidrigen Baugenehmigungen in Irlaching Siedlung gewesen sein, die Feller mit seiner Unterschrift erteilt hatte. Aber auch das drohende Förderdebakel in Millionenhöhe beim Ausbau der Schwellenwerksunterführung oder die Genehmigung des Hotelprojekts am Klausensee hatten wohl weitere Kerben in das Vertrauensverhältnis zwischen Feller und seiner Partei geschlagen.

Sollte Andreas Feller die 190 Unterstützerunterschriften sammeln können, kämpft er mit seinem langjährigen Parteifreund Wopperer um den Chefsessel im Rathaus. Wopperer war aufgrund einer Urlaubsreise am Freitag für die MZ nicht erreichbar. In seiner Vertretung kommentierte CSU-Stadtverbandsvorsitzender Christoph Götz Fellers Entscheidung. „Es ist sein gutes Recht, antreten zu wollen“, sagte er. Seine Partei lasse sich davon aber nicht weiter beeindrucken. „Wir machen unseren Wahlkampf ungeachtet dieser Nachricht weiter“, sagte Götz gegenüber der MZ.