Kampfabstimmung bei der Schwandorfer CSU: Wopperer ist nun OB-Kandidat – Schlappe für Andreas Feller

Von Martin Kellermeier, Philipp Breu · 8. Mai 2025 um 20:17

Oberbürgermeister Andreas Feller (56) hat nicht mehr das Vertrauen seiner CSU. Bei der Delegiertenversammlung am Donnerstagabend im Tierzuchtzentrum in Schwandorf haben die Anwesenden mit 77 Prozent der Stimmen den 2. Bürgermeister und Fraktionschef Andreas Wopperer (51) zu ihrem OB-Kandidaten für die Wahl 2026 bestimmt.

Auch wenn die Nachricht eine große Tragweite hat, angedeutet hat sich diese Entwicklung seit Monaten. In der Partei mehrten sich längst Zweifel, ob Feller der richtige Kandidat für 2026 ist.

Anlass dafür waren unter anderem die rechtswidrigen Baugenehmigungen in Irlaching Siedlung, die Feller mit seiner Unterschrift erteilt hatte. Aber auch das drohende Förderdebakel in Millionenhöhe beim Ausbau der Schwellenwerksunterführung oder die Genehmigung des Hotelprojekts am Klausensee dürften das Verhältnis zwischen Feller und seiner CSU arg belastet haben.

Schwandorfs OB Andreas Feller hatte eine dritte Amtszeit angestrebt

Feller, seit 2014 der Chef in Schwandorfs Rathaus, strebte dennoch eine weitere Amtszeit an. Noch beim Stadtball am vergangenen Wochenende hatte er angekündigt, sich dem Votum der Delegierten stellen zu wollen.

Und so war es wenig überraschend, dass er am Donnerstagabend auf der Kandidatenliste stand. Stadtrat Robert Koller, stellvertretender Vorsitzender von Fellers Ortsverband Dachelhofen, schlug den amtierenden OB vor.

Doch auch Michael Kaplitz, Ehrenvorsitzender der CSU Schwandorf, trat ans Rednerpult. Er nannte auch im Namen der terminlich verhinderten neuen Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf den Fraktionschef Andreas Wopperer als Kandidaten. „Der amtierende OB hat sich in der Vergangenheit einige Fehlleistungen erlaubt, die dazu führen, dass wir den Wählern den OB nicht ein weiteres Mal zur Wahl vorschlagen sollten“, urteilte Kaplitz. Wopperer habe dagegen längst bewiesen, „dass er das Geschäft beherrscht“.

Es lief also tatsächlich auf die Kampfabstimmung hinaus, die Beobachter schon im Vorfeld der Versammlung vermutet hatten. Das Ergebnis war deutlich. 54 der 70 Delegierten stimmten für Wopperer, 16 für Feller.

Waren mehr als bedient: OB Feller und seine Gattin Susanne. - Foto: Martin Kellermeier

Vor dem Urnengang hatten sich die beiden Bewerber vorgestellt. Sowohl Feller als auch Wopperer machten klar, dass sie das Ergebnis akzeptieren würden. Der amtierende OB blickte in seiner Rede auf seine bisherigen elf Amtsjahre zurück. Es sei vieles unter seiner Führung in die richtige Richtung gegangen. „Insgesamt lagen bis jetzt etwa eine Milliarde Euro in meiner Verantwortung“, bilanzierte der OB.

Als Teamplayer habe ich mich noch nie nach vorne gespielt.

Andreas Feller, Oberbürgermeister

Als Erfolg nannte er beispielsweise die Pocketparks, die Bürgerfreifläche oder die Spielplatzoffensive. „Als Teamplayer habe ich mich noch nie nach vorne gespielt, mehr mit Ideen unterstützt und einfach gearbeitet“, fand Feller. Er arbeite „quasi acht Tage die Woche für die Stadt“ und gehe dort hin, „wo es brodelt“. Er habe „stets uneigennützig und zum Wohl der Petenten gehandelt“ und wolle dies auch weiter tun.

Feller und Wopperer seit 2002 gemeinsam im Schwandorfer Stadtrat

2. Bürgermeister Andreas Wopperer sprach von einer großen Ehre, „von zwei so großartigen Persönlichkeiten“ als OB-Kandidat vorgeschlagen zu werden. „Dass Andreas Feller und ich in diesem Augenblick nicht auf derselben Seite stehen, macht mir hingegen nicht die geringste Freude“, erklärte der Schwandorfer. Schließlich seien Feller und er 2002 gemeinsam in den Stadtrat gewählt worden und hätten neun Jahre lang die Fraktion gemeinsam geführt. Man habe bei „zig Wahlen gemeinsam für die CSU gekämpft“.

So und mit ihm kann es nicht weitergehen.

Andreas Wopperer, OB-Kandidat der CSU, in Richtung des Amtsinhabers

Doch es sei leider zu viel passiert, konstatierte Wopperer. Nun müsse man persönliche Verbundenheit und das Amt trennen. „So und mit ihm kann es nicht weitergehen“, sagte der Fraktionschef in Richtung des amtierenden OB. Bei den vielen Problemen und Pannen, die in der Vergangenheit aufgetaucht seien, habe man „nicht mal intern halbwegs befriedigende Antworten“ vom Rathauschef erhalten. Man habe bislang tapfer geschluckt, die Zeit sei nun vorbei.

Wopperer ging auch auf die Causa Irlaching Siedlung ein. Manche würden ihm hier „die Rolle des Bösen“ zuschieben wollen. Doch das sei falsch. Chronologisch listete er wichtige Punkte das Verfahrens wie die Fachaufsichtsbeschwerde bei der Regierung der Oberpfalz auf – und immer wieder sagte er: „Auch das war ich nicht.“

Diese Ziele nannte OB-Kandidat Wopperer in seiner Bewerbungsrede

Der 2. Bürgermeister blickte in seiner Bewerbungsrede aber auch nach vorne. Er wolle für „den nötigen Neustart“ in der Stadtpolitik sorgen. Als Ziele nannte er beispielsweise eine gesicherte Kinderbetreuung, Schulen in zeitgemäßem Zustand, neue Baugebiete oder die Ansiedlung weiterer Firmen. Auch wolle er schnell eine Antwort darauf geben, wo denn nun künftig die Schwandorfer Hauptfeuerwache stehe.

Sie wollen die OB-Wahl 2026 gewinnen: CSU-Kandidat Wopperer (5. v. l.) mit seiner Frau Daniela (4. v. l.) und den Ortsvorsitzenden der Partei sowie Ehrenvorsitzendem Michael Kaplitz (3. v. l.). - Foto: Martin Kellermeier

Wie es mit Oberbürgermeister Feller weitergeht, ist indes offen. Seine Amtszeit geht noch bis zum 30. April 2026. Theoretisch könnte er auch von einer anderen Partei als OB-Kandidat nominiert werden oder eine parteilose Kandidatur anstreben.

Ob er einen der beiden Schritte für sich in Erwägung zieht, ist unklar. Erst kürzlich erklärte er, dass es immer seine persönliche Strategie gewesen sei, einen Schritt nach dem anderen zu machen. „Freude schaut anders aus“, sagte er jedenfalls beim Verlassen der Versammlung am Donnerstagabend. Während Wopperer die Glückwünsche entgegennahm, ging Feller als einer der Ersten nach Hause.