Untreue-Skandal in Regensburger Tafel: So gehen andere Hilfsvereine mit Spenden um

Ein Skandal erschüttert die Regensburger Hilfslandschaft: Die Chefin der Tafel hat zugegeben, rund 200.000 Euro veruntreut zu haben – darunter auch Spendengelder. Andere Organisationen in der Domstadt haben Mechanismen, um solche Fälle zu verhindern. Dennoch geht bei ihnen die Angst um.
Siegfried Pislor ist der zweite Vorsitzende im Strohhalm. Der Verein hilft Menschen in Notlage. Immer wieder sei er auf die Tafel angesprochen worden – dabei nahm er auch ein Misstrauen gegen andere Hilfsvereine wahr. Dabei betont er: „Wir sind natürlich sehr daran interessiert, dass alles seine Ordnung hat. Jeder weiß, was passiert, wenn Vertrauen verloren geht.“ Der Verein sei elementar auf Spenden angewiesen, sonst habe er keine Einnahmen. Dabei gelte ein Vier-Augen-Prinzip, mindestens. Pislor betont, dass alle vier Wochen, wenn sich der Vorstand trifft, über die Spendeneingänge gesprochen wird. So soll sichergestellt werden, was im Strohhalm das oberste Gebot ist: „Jeder Euro geht an die Bedürftigen.“
Chef der Rengschburger Herzen: „Die Tafel ist wichtig“
Auch bei den Rengschburger Herzen gelte ein Vier-Augen-Prinzip, betont Chef Arno Birkenfelder. „Es wird alles dokumentiert, was reinkommt. So sollte das bei jedem Verein laufen.“ Ihm sei wichtig, dass die Spender das Vertrauen nicht verlieren – auch an die Tafel nicht. „Die Tafel ist wichtig.“ Birkenfelders größtes Anliegen ist ein Miteinander der Regensburger Hilfsorganisationen. „Ohne geht es nicht.“
Die Vorgänge bei der Tafel täten allen Ehrenamtlichen in Regensburg weh, sagt Claudia Fritsch, die Vorsitzende des Vereins In Via. Allein der Verdacht, dass mit Spendengeldern unsauber umgegangen würde, könne Zweifel säen. Dabei seien Spenden essenziell, betont Fritsch. „Wir sind darauf angewiesen.“ Der Verein betreibt die Bahnhofsmission. In Kürze möchte In Via zudem ein Projekt für Frauen in Not am Kassians-Platz starten. Das alles kostet Geld. Dabei bekomme der Verein selten größere Spenden, betont Fritsch. Die absolute Regel sind dabei Überweisungen auf das Konto des Vereins. Dieses können drei Leute einsehen. „Es ist ein Sechs-Augen-Prinzip.“ Das oberste Gebot sei, absolut sauber mit dem Geld umzugehen. Wenn sich In Via um Zuschüsse bemüht, muss der Verein zum Teil die Konten offenlegen, es gibt also auch eine Art Kontrolle von außen. „Es muss alles sauber laufen.“
Tafel-Skandal hat „noch keine Auswirkungen auf Spendenbereitschaft“
Harry Landauer vom Caritasverband Regensburg betont, dass Spenden „in der Regel per Überweisung“ eingehen, nur selten bar – etwa nach Sammlungen bei Veranstaltungen. Jede Spende werde nach dem Vier-Augen-Prinzip erfasst, zweckgebundene Mittel fließen ausschließlich in die vorgesehenen Projekte. Allgemeine Spenden unterstützten etwa die soziale Beratung oder die Obdachlosenhilfe. „Alle Einnahmen werden ordnungsgemäß verbucht und kontrolliert“, so Landauer. Haushaltspläne müssten von den Gremien genehmigt werden, zusätzlich schauen sich externe Wirtschaftsprüfer die Mittelverwendung an. Das Vertrauen der Menschen in den sorgsamen Umgang mit Spenden sei groß, betont Landauer. Dazu trügen auch transparente Informationen und die Berichterstattung regionaler Medien bei. Einen Rückgang der Spendenbereitschaft sieht er derzeit nicht.
Melanie Kopp vom Bayerischen Roten Kreuz erklärt, dass die jüngsten Ereignisse rund um die Tafel „noch keine Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft“ gezeigt hätten. Ob sich dies künftig ändern werde, müsse man abwarten. Spenden erreichten das BRK meist per Banküberweisung oder über das Online-Portal. „Die Bearbeitung erfolgt transparent und stets nach dem Vier-Augen-Prinzip“, betont Kopp.
Malteser über Tafel: „Not nur bewältigen, wenn wir zusammenhelfen“
Bei den Johannitern werden Spenden teilautomatisch erfasst. Der Verein ist mit dem DZI-Spendensiegel ausgezeichnet. Tobias Karl, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter in Ostbayern, ergänzt: „Das DZI-Spenden-Siegel ist eine wichtige Orientierungshilfe für alle, die Geld für wohltätige Zwecke spenden wollen, und zeigt den Menschen, dass bei uns die Spenden dort ankommen, wo sie hingehören.“ Dabei gelte auch bei den Johannitern ein Vier-Augen-Prinzip. Karl betont: „Erfreulicherweise konnten wir bisher nicht feststellen, dass weniger Spenden als sonst bei uns ankommen – weder bei freien Spenden noch bei zweckgebundenen Spenden für die beiden Hospize, das Hotel Includio oder unsere ehrenamtlichen Dienste.“
Alexandra Bengler ist bei den Maltesern für Spenden zuständig. Eingehende Gelder erfasse man systematisch in einem Finanzbuchhaltungssystem und zusätzlich in einem Fundraising-Programm. „Damit ist eine transparente Nachverfolgung und Zuordnung der Spenden gewährleistet.“ Dazu kommt, dass der Verein Mitglied beim Deutschen Spendenrat ist, was zu hoher Transparenz und Qualitätsstandards verpflichte. Innerhalb der Malteser haben zahlreiche Menschen Einblick in das, was mit den Geldern passiert. Aber: „Der Zugriff auf Spendenkonten liegt ausschließlich bei autorisierten Mitarbeitenden der Buchhaltung. Für Zahlungen gelten mehrstufige Freigabeprozesse, sodass Einzelpersonen nie allein über Gelder verfügen können.“ Im Moment könne sie keinen Rückgang der Spendenbereitschaft feststellen. Allerdings beobachteten die Malteser die Entwicklungen aufmerksam. Sie selbst kümmere sich seit 16 Jahren um das Thema Spenden, sagt Bengler. Sie beschäftige das Thema sehr. „So viele Helferinnen und Helfer setzen unzählige Stunden ihrer Lebenszeit ein, um Lebensmittel zu retten und Bedürftigen zu helfen. Daher hoffe ich, dass das Vertrauen der Spenderinnen und Spender nicht nachlässt, denn die Not ist groß und wir können sie nur bewältigen, wenn wir alle zusammen helfen.“
Und was ist mit Bargeldspenden?
• Überweisungen: Alle Vereine haben angegeben, die Spenden im Normalfall überwiesen zu bekommen. Sea-Eye bildet da eine Ausnahme, wie Peter Sindl von der Lokalgruppe der Seenotretter erklärt.
• Sea-Eye: Die Ehrenamtlichen sammeln hauptsächlich Bargeld in Spendendosen. Die Gelder werden schnellstmöglich öffentlich einsehbar einbezahlt. Beim Sammeln seien immer mindestens zwei Menschen anwesend. Die Dose werde, so gut es geht, nie alleine gelassen, um Diebstahl zu verhindern. Zudem hat die Schatzmeisterin einen Blick auf die Spenden.
• Aufarbeitung: Eine Änderung der Spendeneinnahmen durch die Tafel-Affäre beobachte man nicht. „Wir hoffen auf eine gute Aufarbeitung der Affäre, um Folgen für uns und andere Organisationen, und die Tafel selbst, zu verhindern.“