Das Gift soll raus aus dem Chamer Boden: Nach Jahrzehnten des Teilsanierens wird nun gearbeitet

Wird in Cham eine Bombe gefunden, muss alles ganz schnell gehen – zur Sicherheit der Bürger, wie vor kurzem zu beobachten war. Ist es jedoch eine tickende Zeitbombe aus krebserregenden Stoffen, kann es hier schon einmal ein Vierteljahrhundert dauern, bis etwas Konkretes passiert.
Bagger haben Anfang Juli im Auftrag des Landratsamtes begonnen, das ehemalige Gelände eines Reinigungsbetriebs an der Frühlingstraße, der ehemaligen „Josef Christl Nachfolger“ Reinigung, auszubaggern, um es zu sanieren. Bereits Mitte /Ende der 90er Jahre war die Belastung durch Fluorkohlenwasserstoffe bekannt, die ins Tausendfache des Erlaubten ging, wie Gutachten damals belegten.
Mehrere Gutachten bereits erstellt, doch in Sachen Sanierung ist wenig passiert
Die kurz unter PER oder auch PFAS zusammengefassten synthetischen Chemikalien, die in Cham als Reinigungsmittel und aufgrund ihrer wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften etwa für Uniformen der Bundeswehr in Masse eingesetzt wurden, gehören zu den leichtflüchtigen Chlorkohlenwasserstoffen, belasten vor allem das Grundwasser. Die Stoffe sind langlebig und gesundheitsgefährdend. Erste Sanierungen wurden Mitte der 90er Jahren angestrengt, nachdem die Belastung des Geländes offenbar wurde, wo ab 1960 die Reinigung arbeitete.
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Das Unternehmen war zwischenzeitlich an einen neuen Besitzer verkauft worden, der durch die teure Sanierung insolvent ging. Weitere Besitzerwechsel wie auch geringe Anstrengungen vonseiten der Behörden, hier die Altlastenbeseitigung vorwärts zu bringen, ließen Zeit vergehen.
Diverse Gutachten wurden zur Belastung des Bodens erstellt, doch in Sachen Sanierung passierte wenig. Zwischendurch gab es noch einmal einen privaten Versuch, hier durch Abpumpen des Wassers aus dem Boden eine Reinigung vorzunehmen. Das hätte Jahre in Anspruch genommen – doch auch hier scheiterten die Bemühungen am Geld des Besitzers.
Schließlich ordnete das Landratsamt die Sanierung an und übernahm selbst die Vergabe der Vorarbeiten wie auch die Erstellung erneuter Gutachten. Nach Jahren mit einigen Hochwässern, die wohl ein Teil des Giftes flussabwärts mitnahmen, sank die Belastung, blieb jedoch immer über dem Grenzwert. Und jetzt, nach über 25 Jahren, startet die Säuberung von dem Gift. „In Zusammenarbeit mit dem beauftragten Ingenieurbüro TAUW werden derzeit noch abschließende Untersuchungen durchgeführt. Geplanter Start für die Sanierungsarbeiten ist Anfang Juli“, ergab eine Anfrage im Juni beim Landratsamt.
In einem ersten Schritt wird derzeit der nordöstliche Bereich der ehemaligen Wäscherei – Sanierungszone 1 – saniert. Oberflächennahe Verunreinigungen bis in eine Tiefe von zwei bis drei Metern durch die leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffe (LHKW), insbesondere Tetrachlorethen (sogenanntes „Per“), werden hierbei mittels konventionellem Bodenaushub entfernt. „Tieferliegende Bodenverunreinigungen (bis zu maximal acht Meter Tiefe) werden mittels Wabenverbau ausgehoben. Die dekontaminierten Bereiche werden anschließend mit sauberem Bodenmaterial aufgefüllt“, erläutert das Landratsamt das Vorgehen. Das ausgehobene Bodenmaterial werde abfalltechnisch deklariert und fachgerecht entsorgt beziehungsweise in einer externen Bodenbehandlungsanlage behandelt. „Anschließend wird entschieden, in welchem Umfang auch in den Sanierungszonen 2 und 3 Sanierungsarbeiten durchgeführt werden müssen“, so der Behördensprecher. Die geplante Fertigstellung der Sanierungsarbeiten für die Sanierungszone 1 sei im September 2025 vorgesehen.
Landkreis Cham an Kosten mit 25 Prozent beteiligt
Normalerweise muss der Verursacher oder der Grundstückseigentümer diese Kosten tragen. Weil diese aber nicht greifbar sind, trägt die Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) 75 Prozent der Gesamtkosten und der Landkreis 25 Prozent. Die GAB ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Freistaats Bayern, des Bayerischen Gemeindetags und des Bayerischen Städtetags. Für die Sanierung werden die Gesamtkosten derzeit auf rund eine Million Euro geschätzt.
Im April 2024 hatten die Kreistagsmitglieder des Ausschusses für Bau und Verkehr in ihrer Sitzung das Ingenieurbüro TAUW mit der Erstellung eines Sanierungsfahrplans für das Grundstück der ehemaligen Wäscherei und chemischen Reinigung „Josef Christl Nachfolger GmbH“ beauftragt. Im Oktober erfolgten dann erste Aufträge für die Sanierungsmaßnahmen des Grundstücks an der Frühlingsstraße 14 in Cham. Das Grundwasser-Begleitmonitoring wurde an das Ingenieurbüro IFB Eigenschenk aus Deggendorf vergeben – dabei soll die Wirksamkeit der Sanierung bewiesen werden. Landrat Franz Löffler wurde ermächtigt, entsprechend der Ausschreibung eine Firma für den Bodenaustausch zu beauftragen. Für das Begleitmonitoring sind zwei Immissionspumpversuche – vor und nach der Sanierung – an den fünf Kombinationsbrunnen sowie sechs Stichtagsmessungen an allen bestehenden Grundwassermessstellen vorgesehen.
Landrat Franz Löffler wurde ermächtigt, entsprechend der Ausschreibung eine Firma für den Bodenaustausch zu beauftragen. Ob ein Teil des Erdaushubs wieder vor Ort eingebaut werden kann, wird noch geprüft. Insgesamt wird allein mit 2000 Tonnen Bodenaushub gerechnet.
Altlasten – das ist bekannt
Zwei Altlastenflächen sind heute im Stadtbereich Cham bekannt. Zum einen die 2500 Quadratmeter an der Frühlingstraße, die seit 1995 beim Landratsamt als belasteter Grund gelistet sind und nun saniert werden. Zum anderen ein Grund am Spitalplatz 5, wo früher eine Gerberei und Färberei über Jahrzehnte zuhause war, der als belastet gilt.