Wie aus Fremden Chamer werden: Integrations-Geschichten aus der Josef Rädlinger-Unternehmensgruppe

Von Johannes Schiedermeier · 12. August 2025 um 11:00

Sahrab und Mamadou wohnen in Cham. Sie sind vor Jahren hierher gekommen aus Afghanistan und Guinea. Nach Praktikas haben sie in der Unternehmensgruppe Josef Rädlinger Fuß gefasst. „Stressig war’s scho“, sagt Sahrab Maradi in bestem Bayrisch. Nun haben sie ihre Geschichte erzählt – eine Geschichte vom Gelingen einer Integration.

Eine, die maßgeblich für das Gelingen verantwortlich ist: Nathalie Hirmer. Die Ausbildungsbetreuerin der Josef Rädlinger Unternehmensgruppe ist der Dreh- und Angelpunkt für alle Azubis im Unternehmen und versucht, alle gleich zu behandeln, deutsch oder nicht.

Mechatroniker und Tiefbauer

An diesem Tag ist Landrat Franz Löffler zu Gast, um sich die Geschichten der beiden anzuhören. Sahrab Maradi (21) aus Afghanistan ist seit sieben Jahren in Deutschland. Zwei Jahre lang hat er die Integrationsklasse besucht. „Irgendwann habe ich meiner Betreuerin gesagt: Ich brauche einen Beruf. So bin ich zu einem Praktikum bei Rädlinger gekommen.“ Heute ist er Land- und Baumaschinen-Mechatroniker und will im Januar seine Gesellenprüfung ablegen.

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Einfach war das alles nicht. Es hat auch Tiefpunkte gegeben. Vor allem am Anfang. „Wenn man in eine Prüfung geht, dann muss man halt auch die Fragen gut verstehen. Irgendwann hat sie zu mir gesagt: Gib Gas, sonst wird das nichts“, sagt Maradi und deutet auf Nathalie Hirmer. Die lacht und bestätigt, dass es vor allem am Anfang schwer war: „Das wurde aber von Jahr zu Jahr besser und jetzt stimmen auch die Noten.“ Und auch der künftige Geselle sieht das Bestehen seiner Prüfung alternativlos: „Schau ma, was rauskommt. Aber es muss ja, sonst geht es nicht weiter.“

Riesige Führerschein-Freude

Mamadou Dian Keita (24) ist mit 17 aus Guinea nach Cham gekommen. Auch er hat ein Praktikum bei Rädlinger gemacht und ist jetzt Tiefbau-Facharbeiter. Letztes Jahr hat er seine Prüfungen bestanden. Das Zeugnis war gut, obwohl er damals noch mit der Sprache gekämpft hat.

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Ein Höhepunkt: die Fahrschulprüfung. Beim ersten Anlauf scheiterte er. Auch, weil das Geld ausging. Bei Rädlinger schaffte er in der hauseigenen Fahrschule den Sprung zum Führerschein. Daran erinnert sich Ausbildungsberaterin Nathalie Hirmer noch sehr genau: „Da haben sie aus der Fahrschule bei mir angerufen, weil sich dort noch nie jemand so über den Führerschein gefreut hat.“

Landrat: Die Zahlen im Zaum halten

Landrat Franz Löffler ist beeindruckt von der Integrationsleistung. Dazu müsse sich eine Firma nicht nur öffnen, sondern auch eine persönliche und vertrauensvolle Betreuung sicherstellen. Die Firma bekomme dadurch Leute und das Land könne den Anspruch auf Asyl verwirklichen.

Unabdingbar sei aber dabei, dass sich die Zahlen in einem Rahmen halten, der die Gesellschaft nicht überfordert, so Löffler. Das sei nicht immer der Fall gewesen und deswegen habe man nun Integrations-Probleme. Allerdings sei man in den letzten Monaten mit den stark rückläufigen Zahlen auf einem guten Weg. Der Landkreis habe ohnehin mit Integrationsquoten von bis zu zwei Dritteln der Eingewanderten eine sehr gute Basis. Dabei müsse man Asyl und kontrollierte Zuwanderung aber auseinanderhalten, so Löffler.

Erfolg oder Abschiebung

Rüdiger Altmann, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Josef Rädlinger, betont, dass Asylsuchende ihre Ausbildung schaffen müssen, weil sie sonst nach einer Karenzzeit abgeschoben werden. „Das ist für uns schwierig, weil eine nicht bestandene Prüfung ja nicht heißt, dass der Arbeiter unbrauchar ist“, sagt Altmann.

Landrat Franz Löffler stellt klar, dass das nicht für Schutzsuchende mit Asylgrund gilt, sondern nur für solche, die keinen vorweisen können. Drei Jahre Ausbildung seien geschützt mit weiteren zwei Jahren Kulanz.

Ein Betreuungsnetz, das trägt

Betreuerin Nathalie Hirmer erzählt: „Die Kommunikation mit den beiden war oft besser als mit den deutschen Azubis. Dann hieß es: Nathalie, wir müssen reden.“ Herausgekommen sei dabei zum Beispiel eine Prüfungsverlängerung für Maradi um einige Minuten, damit dieser mehr Zeit für das Verstehen der Fragen zur Verfügung gehabt habe.

Isabella Bauer, Leiterin der Wirtschaftsförderung im Landkreis Cham, verwies auf das Netzwerk, das die Auszubildenden hier trägt: Berufsintegrationsklassen, Berufsförderzentrum, Praktika, Unternehmensbetreuung...

„Wir brauchen diese Leute“

Geschäftsführer Rüdiger Altmann stellt den Wert der ausländischen Arbeiter für seine Unternehmensgruppe klar: Von 2200 Mitarbeitern sind 450 Ausländer aus 21 Nationen. Das sind rund 22 Prozent. „Ideen wie Remigration sind für uns ein Schreckgespenst. Es ist nicht nachvollziehbar, wie jemand darüber nachdenken kann, diese Menschen abzuschieben. Wir brauchen sie. Ohne sie würde das alles hier nicht gehen!“