Rädlinger gründet in Cham eine Verkehrsakademie: Kostenlose Führerscheine

Von Johannes Schiedermeier · 19. April 2023 um 19:00

Wer Facharbeiter braucht und Mitarbeiter halten will, der muss sich heutzutage etwas einfallen lassen. Die JR Unternehmensgruppe lässt es dabei derzeit richtig krachen: Ihre Mitarbeiter bekommen ab September auch noch ihre Ausbildungen samt Führerschein geschenkt.

Nun gab Josef Rädlinger die Gründung einer Verkehrsakademie bekannt. Mit dem neuen Ausbildungsjahr will Josef Rädlinger ab September in der Akademie in den neuen Räumen der Maschinenhalle in Weiding seinen Azubis die Möglichkeit geben, auf Kosten der Firma und während der Arbeitszeit die notwendigen Führerscheine und Prüfungen zu erlangen.

Geschäftsführer der neuen Verkehrsakademie werden Rüdiger Altmann und Christian Hitzler sein. Dann werden dort für die 250 Lkw-Fahrer der Baufirma alle Module angeboten und alle Führerscheine.

Lkw wird für Rädlingers Verkehrsakademie umgebaut

Das erste Fahrschulauto trägt bereits den Schriftzug und ist unterwegs. Damit können Auszubildende und Mitarbeiter den Pkw- und Hänger-Führerschein erwerben. Demnächst wird ein Lkw der Unternehmensgruppe zum Fahrschul-Fahrzeug umgebaut. „Keine große Sache", sagt der gelernte Kfz-Technikermeister Hitzler.

Das entscheidende Kapitel der Erfolgsgeschichte ist Christian Hitzler. Der ehemalige Berufssoldat benutzt beim Erzählen seines Lebenslaufes gerne den Begriff „Glücksfall“. Denn er hat während seiner zwölfjährigen Zeit beim Bund nicht nur zwei Meistertitel erworben und die Führerscheine für Lkw und Bus. Er hat auch Lehramt studiert und nach der Bundeswehr die ihm zustehenden Vergütungen des Bundes noch zu weiteren Ausbildungen verwendet.

„Ich mag alles, was mit Paragrafen zu tun hat und bekomme deswegen oft Jobs, die andere nicht wollen – ein Glücksfall“, sagt Hitzler. Er war Gefahrgut-Dozent am Verkehrsausbildungszentrum in Regensburg und machte dort eine Fahrlehrerausbildung. „Das ist alles einfach immer weiter gewachsen“, erklärt er den Stapel und Zulassungen und Bescheinigungen, die er vorweisen kann.

Ganz zufällig – wieder ein Glücksfall – hat er auch die Befähigung, angehende selbstständige Unternehmens-Chefs zu schulen. So traf er auf die Rädlinger-Söhne Luca und Johannes und lernte die JR-Geschäftsführung kennen. Und sie ihn.

Auto, Hänger, Bagger: Christian Hitzler als Fahrlehrer für alles

Und jetzt – Glücksfall – passt Christian Hitzler genau in die riesige Lücke im Gefüge der Unternehmensgruppe und ist Fahrlehrer für alles: vom Auto mit Hänger bis hin zum Bagger. Auch schulen kann er alles: Erste Hilfe, Brandschutz, Sprengstoff, Gerüstbau, Ladungssicherung ...

Eine Allzweckwaffe, die auch der Chef zu schätzen weiß: „Das ist das Beste, was uns passieren konnte, weil niemand mehr den Überblick über das haben kann, was gesetzlich gefordert wird in einem solchen Unternehmen – er schon“, sagt Josef Rädlinger.

Ab September bietet die Unternehmensgruppe alle Führerschein-Schulungen selbst an. 8000 bis 10 000 Euro kostet so ein Lkw-Führerschein heutzutage, und ständig müssen weitere Module nachgelegt werden. Auch für die Eltern der Azubis ist der Autoführerschein inzwischen eine echte finanzielle Hürde geworden. 2500 bis 3000 Euro muss man dafür aktuell hinlegen.

Noch ein Glücksfall: Keine Klauseln für Azubis bei Rädlinger

„Gibt’s bei uns umsonst und während der Arbeitszeit“, lockt Rüdiger Altmann, der neben der Unternehmens-Geschäftsführung auch in der neuen GmbH gemeinsam mit Hitzler federführend sein wird. Auch in den anderen JR-Niederlassungen soll es möglich sein, Führerscheine durch Kooperationen mit anderen Fahrschulen abzulegen. Die Theorie- und Praxisstunden finden innerhalb von drei Wochen in einem Blockunterricht statt. Die Lkw-Führerscheine werden bevorzugt im Winter geschult, wenn auf den Baustellen weniger Arbeit anfällt.

Die Azubis können ihren Führerschein ab 16 Jahren machen und anschließend in das begleitete Fahren einsteigen. Das ist nicht nur privat möglich, sagt Hitzler. Auch die Kollegen in der Baustellen-Truppe können sich als Beifahrer listen lassen, damit der Azubi öfter ans Steuer kommt.

Und wenn der Azubi anschließend geht? – „Dann geht er und hat einen Führerschein. Dann haben wir entweder was falsch gemacht, weil wir ja wollen, dass er bleibt, oder es war einfach nicht sein Job. Das ist dann so. Es gibt da keinerlei Klauseln im Ausbildungsvertrag“, sagt Rüdiger Altmann. Noch ein Glücksfall.

Christian Hitzler hat auch die Fahrlehrer- und Ausbilderlizenz, um mit Azubis auf Lehrfahrt zu gehen. -Foto: Rädlinger