Juli-Dauerregen war verheerend: Nachwuchssorgen bei den Batmans im Landkreis Cham

Bei uns war es der Mittwochabend, als Mini-Batman – oder, wie sich später herausstellte, Mini-Batwoman – in den Landeanflug auf unsere Terrasse ging. Lautlos schwebte sie an und landete auf dem Terrassenstuhl. Vielen im Landkreis Cham geht es gerade ähnlich wie uns – die Mini-Batmans fallen vom Himmel. Der Grund, so der Experte: Der Nachwuchs ist zu schwach nach all dem Regen im Juli.
So hat Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz dieser Tage seine Pinnwand voll mit Einkaufstaschen. Mit Aldi-, Rewe- oder Edeka-Aufdruck hängen hier die idealen Kurzherbergen für den Fledermausnachwuchs.

In den Stoff der Taschen können sich die Insektenjäger gut einhaken und sich kopfüber baumeln lassen, daher empfiehlt der LBV-Geschäftsführer aufgeregten Anrufern, den etwas auf die Terrasse geflattert ist, diese Taschen als erstes Notquartier. „Gestern waren es fünf, heute Morgen sind schon wieder drei da!“, sagt Schmidberger. So viele wie selten.
Lebende Fundstücke
Täglich bringen Chamer aus dem ganzen Landkreis ihre lebenden Fundstücke ganz unterschiedlicher Fledermausarten zum LBV-Zentrum nach Nößwartling. Schmidberger ist froh, dass die Kleinen – von denen manche wirklich selten im Chamer Raum sind oder seltener werden, während andere „dank“ Klimawandel bei uns zunehmen – beim LBV landen, um hier aufgepäppelt zu werden und dann wieder mit neuer Energie losfliegen können.
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Manche der nur wenige Gramm schweren Fellkugeln schaffen das, andere sind schon zu schwach und sterben trotz Hilfe. Worunter alle Flatterkinder gelitten haben, war der Dauerregen im Juli.
Hungern im Juli
Für den Nachwuchs bedeute dies zumeist hungern – nach den ersten Sonnenstrahlen des August fliegen auch die Kleinen zwar aus, doch vielen geht die Luft beziehungsweise die Kraft aus, um wieder zurückzukehren auf den Dachboden der Scheune oder an die Höhlendecken. Und landen dann am besten bei besorgten Tierfreunden.
Grundsätzlich sei der Regen aus Naturschutzsicht begrüßenswert, sagt Schmidberger. Lebensräume wie Feuchtgebiete, Flüsse, Wälder oder auch Grundwasserspeicher – einfach alles brauche gemäßigten Regen. Kommt er in Masse und zur falschen Zeit, wird es für mache Art eng, etwa bei den Fledermäusen. Erste Hilfe ist dann gefragt.
Schutz vor Katzen
Um den freilaufenden Katzen den Trieb zu nehmen, die kleinen grau-beharrten Bündel mit einem Krallenschlag zu verletzen oder zu töten, sollte der Nachwuchs in den Stoffbeutel, rät Schmidberger. Dann etwas Zuckerwasser mischen und mit einem Stäbchen ans Mäulchen des Feldermäuschens schieben: „Das bringt einen ersten Energieschub!“
Und natürlich ein Foto an den LBV schicken, ein Zentimetermaß dranhalten, womöglich ein Foto vom Ohrinneren (schwierige Sache!) zu liefern, um die genaue Art zu bestimmen. Der erste Tipp des Experten nach Sichtung des Fotos lag bei Fransenfledermaus – eher selten im Chamer Raum.

Auch Rote-Liste-Arten dabei
Das genauere Hinsehen brachte eine Bartfledermaus zum Vorschein. Trotz Zuckerwasser – selbst fliegen wollte das Haarknäuel mit Flügeln nicht mehr. Daher ging’s per Auto nach Nößwartling. Und an der Pinnwand beim LBV hat sie gerade noch einen Artgenossen hängen.
Dazu noch ein Kleinabendsegler – „mein dritter in 35 Jahren“, sagt Schmidberger – eine Mopsfledermaus – eine Rote-Liste-Art, vom Aussterben bedroht ist –, ein Mausohr, zwei Wasserfledermäuse und drei Zwergfledermäuse – eine wärmeliebende Art, die stark zunimmt. „Und das alles in den letzten zehn Tagen und gerade habe ich eine Mail bekommen: Fledermaus gefunden. Es geht also weiter. Neben den Fledermäusen sind in der Zeit ein Weißstorch, ein Sperber, ein Haussperling und zwei Türkentauben gelandet. Es gibt also viel zu tun für die LBV-Helfer.
