Zählungen des LBV: In Lam können die Fledermäuse wahrlich „fürstlich“ überwintern

Es ist ein großer Tag nicht nur für Markus Schmidberger, Geschäftsführer des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), sondern auch für seinen Kollegen Marco Böhm und Praktikantin Anna Amberger: Erstmals dürfen sie den (zumindest in seinen Anfängen) mehr als 500 Jahre alten Stollen der Fürstenzeche in Lam betreten und zählen, wie viele Fledermäuse ihn als Winterquartier nutzen.
Sechs Quartiere gibt es alleine im Lamer Winkel zwischen Osser und Eck, die regelmäßig – die größeren davon jährlich – von Mitgliedern des LBV besucht werden. Immer geht es darum, einen Überblick darüber zu bekommen, wie sich die Population der Fledermäuse in den jeweiligen Höhlen entwickelt.
Eine „komfortables Quartier“
Die Fürstenzeche ist dabei eines der komfortableren Quartiere, zumindest für die menschlichen Besucher. Die Decken sind sehr hoch, und theoretisch gäbe es sogar eine Beleuchtung für die Besuchergruppen, die regelmäßig hier durchgeführt werden.
Seit vergangenem Sommer hat es die Marktgemeinde selbst übernommen, Interessierte durch Teile des Stollens zu führen. Nicht durch den gesamten, das wäre auch zu gefährlich. Doch zu sehen gibt es auch so mehr als genug. Die Besucher bekommen bei ihren rund einstündigen Führungen, für die der Markt eigene „Bergleute“ angestellt hat, nicht nur vorab eine theoretische Einführung. Auch im Stollen selbst gibt es Werkzeug und Fahrzeuge zu sehen und natürlich viel aus der Geschichte des Stollens zu entdecken.
Nicht der ganze Stollen...
Die Geschichte interessiert die Besucher an diesem Tag natürlich weniger, sie wollen Fledermäuse sehen – und das können sie auch, und zwar gar nicht wenige: Während Zechen-Führer Thomas Winkler im Dezember schon einmal selbst etwa 15 Fledermäuse gezählt hat, verlassen Schmidberger und sein Team den Stollen an diesem Tag mit der stattlichen Zahl von 39. 23 davon seien Mausohren gewesen, 14 Wasser-Fledermäuse und auch ein Braunes Langohr und eine Art, die nicht genau zu bestimmen war, finden sich in der Fürstenzeche.
Nun bleibe es in den kommenden Jahren spannend, zu sehen, wie sich die Population in diesem Winterquartier entwickeln werde, sagt Schmidberger. Nicht nur, dass die Zeche an sich eine besondere Unterkunft zum Überwintern für die Fledermäuse sei. Sie müssen sie sich auch mit den Besuchern teilen. Zwar gibt es im Winter die regelmäßigen Führungen nicht, zu denen nach Auskunft von Bürgermeister Paul Roßberger alleine im vergangenen Jahr zwischen August und November rund 1200 Menschen gekommen seien. Während der bayerischen Ferien werden dann aber doch Besucher durch den Stollen geführt. Das ist natürlich auch möglich, ohne die Fledermäuse zu stören, erfordere von Führern und Besuchern aber etwas Disziplin, wissen die Experten.
Wie viele Fledermäuse sich wirklich in dem Stollen befinden, das weiß der LBV auch jetzt noch nicht exakt. Gezählt werden kann nur in dem Teil, der auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es schlummern aber noch einige Meter Stollen viel weiter unten. Der könne aber erst begangen werden, wenn der LBV ein CO2-Messgerät und andere Ausrüstung aufgetrieben habe, sagt Markus Schmidberger.
Wobei die absolute Zahl auch nicht das einzig Entscheidende sei. Letztlich sei es auch ausreichend, die Entwicklung in dem Teil über die Jahre zu dokumentieren, der nun erfasst worden sei. Damit könnten schon viele Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob es den Fledermäusen besser oder schlechter gehe.
Die Fürstenzeche
Gründung: Die Fürstenzeche, gegründet im Jahr 1463 von Hanns Swanser, ist ein faszinierendes Zeugnis der Bergbaugeschichte. Über Jahrhunderte war sie Schauplatz bedeutender Ereignisse und wechselnder Besitzer.
Entwicklung: Ab 1500 erlebte das Bergwerk seine erste Blütezeit mit der Silbergewinnung durch sächsische Bergleute. 1522 wurde Lam zur freien Bergstatt erhoben, das Bergwerk produzierte jährlich etwa 650 Kilogramm Silber. Die Geschichte nahm ihren Lauf, als Herzog Albrecht V. 1545 das Bergwerk „geschenkt“ bekam und es 1546 verstaatlicht und geschlossen wurde.
Reaktiviert: Ab 1690 wurden Silber und Kupfer gewonnen, doch technische Schwierigkeiten führten 1732 zur Schließung des Bergwerks. 1925 begann die Gewinnung von Flussspat, 1952 wurde die Prospektion auf Uran und Flussspat fortgesetzt. 1962 wurde die Grube aus technischen und ökonomischen Gründen geschlossen. (Quelle: bergwerk-
fuerstenzeche.de)


