Mit der Taverne in Neukirchen schließt die wohl älteste Disco im Landkreis Cham

Von Stefan Weber · 7. Februar 2025 um 11:00

Es ist eine Nachricht, von der Andrea und Marcus Weber selber noch nicht überzeugt sind, dass sie auch jeder glaubt: Doch der 28. Februar wird der letzte Tag der Discothek Taverne in Neukirchen b. Hl. Blut im Landkreis Cham sein – nach 53 Jahren. 30 Jahre lang hat Marcus Weber, 25 davon gemeinsam mit seiner Frau Andrea, die Discothek geführt.

Begonnen hatte alles in den 1960er-Jahren mit dem „Pferdestall“, einer Kneipe, die seine Eltern – sein Vater war eigentlich Metzger – eröffnet hatten. Den Raum der Kneipe, den gibt es heute noch. Er liegt im hinteren Teil der Disco, in der Hunderte Gäste Platz finden. Im „Pferdestall“ waren es nur ein paar wenige. „Ein Wirtshaus, wie es unheimlich viele damals gegeben hat“, wie Weber sagt. Bis auf eine Besonderheit: „Es gab einen Plattenspieler, und das war nicht alltäglich.“

Schon „vor Corona“ überlegt

Das hört sich im Jahr 2025 wirklich etwas seltsam an, lief aber so gut, dass aus der Kneipe schon bald eine Disco wurde. In den ausgehenden 1960er Jahren keine Besonderheit, wie Marcus Weber sagt, auch wenn er selbst die Anfänge nur aus Erzählungen kennen kann. Die 1970er- und 80er Jahre, auch die 90er, das seien richtig gute Zeiten gewesen. „Im Fernsehen lief quasi nichts, und die Gäste hatten kein Problem damit, selbst von Roding oder Rötz aus nach Neukirchen zu fahren“, sagt Marcus Weber.

Doch die Zeiten hätten sich sehr verändert. „Wir hatten schon vor der Corona-Pandemie 2020 überlegt, wie es weitergehen soll“, sagen Andrea und Marcus Weber. Neben steigenden Kosten habe sich auch das Verhalten der Gäste stark verändert. „Darum waren wir vor über zehn Jahren mit die ersten, die in den Sommermonaten zugesperrt haben“, sagt Marcus Weber – und seitdem sei immer wieder das Gerücht aufgekommen, dass „die Taverne nimmer aufsperrt“. Doch das waren immer nur Gerüchte – bis jetzt.

Doch noch einmal Gastro?

Als die Gäste nach dem Ende der Corona-Pandemie wieder kommen durften, „da waren alle hungrig auf Feiern“, sagt Andrea Weber. Doch auch dieser Effekt sei mittlerweile wieder verpufft. Als die Taverne im Herbst vergangenen Jahres wieder eröffnet habe, seien die Gäste immer später, wenn überhaupt gekommen. „Für mich ist der Standort mittlerweile der größte Nachteil“, sagt Marcus Weber. Weniger Urlaubsgäste, die davor beim Skifahren gewesen sind, weniger Gastronomie vor Ort, in die seine Gäste vorher noch gehen könnten. „Wenn ich noch einmal was aufmachen würde“, und das schließt Weber gar nicht aus, „dann würde ich das nur noch in Cham machen“. Größerer Einzugsbereich, bessere Anbindung, mehr gastronomisches Angebot drum herum. Trotzdem sagt er: „Für mich ist das schon schwer.“ Doch letztlich sei die Entscheidung alternativlos gewesen, wissen beide.

Denn spätestens am Ende dieser Saison stünden notwendige Investitionen an, die Andrea und Marcus Weber noch viele Jahre länger an den Betrieb der Disco binden würden. Ein Risiko, das beide nicht mehr eingehen wollen. Was nach dem Leben und der Arbeit in der Taverne, das für beide ein Fulltime-Job war, werden soll, das ist noch nicht ganz klar. „Ich habe früher schon Nägel gemacht und werde in den Beruf zurückkehren“, sagt Andrea Weber. Den erlernten Beruf als Schreiner werde er wohl nicht wieder ergreifen, meint Marcus Weber.

Wir wollen einfach, dass es eine schöne Feier für alle wird

Marcus Weber

Vielleicht eine Arbeit in einem Hotel – oder doch wieder etwas eigenes in der Gastronomie? „Das kann schneller gehen als man meint“, sagt er. Aber auch dann sei für beide klar, dass sie nicht mehr selbst jede Nacht hinter der Theke stehen wollen. Offen wie die Frage nach der beruflichen Zukunft sei übrigens auch die der Einrichtung. Was damit geschieht und was man überhaupt davon noch verkaufen kann, das wissen die beiden noch nicht.

Während an den letzten Öffnungstagen noch ein paar Specials geplant sind, soll der letzte Öffnungstag ganz ohne Motto auskommen. „Wir wollen einfach, dass es eine schöne Feier für alle wird“ – und das in der wohl ältesten Disco weit und breit, wie Marcus Weber sagt.

Die letzten Öffnungstage

Freitag: Bis die Discothek Taverne für immer schließen wird, sind es noch genau vier Freitage, an denen geöffnet sein wird – seit einiger Zeit der Haupttag der Discothek in Neukirchen b. Hl. Blut.

Samstag: An diesem Tag war seit Herbst schon nicht mehr jedes Wochenende geöffnet – doch am 22. Februar wird es noch einmal soweit sein. Dann ist die letzte Ü30-Party geplant.

Valentinstag: Der 14. Februar wird nicht nur für junge Paare etwas bieten, sondern auch für die treuen Gäste der Taverne: An diesem Tag ist die letzte Rockparty in der Discothek vorgesehen.

28. Februar: Der letzte Öffnungstag der Discothek – wenn am 1. März der letzte Gast die Tanzfläche verlassen hat, wird das der letzte in der 53-jährigen Geschichte der Disco sein.

Generationen von Gästen haben hier gefeiert.
Hier hat alles angefangen, im „Pferdestall“.