Wahlkampfveranstaltung der AfD: Bündnis für Toleranz trifft in Warzenried auf Gegendemonstranten

Mehrere Dutzend Polizisten haben eine Straßensperre direkt durch Warzenried errichtet. Mit Bussen und Beamten schirmen sie zwei Gruppen voneinander ab. Auf der einen Seite wird gesungen, um eine Stunde lang die Kälte bei Temperaturen von knapp unter dem Gefrierpunkt zu vertreiben, auf der anderen werden zwei Deutschlandfahnen geschwenkt. Die Gruppe der singenden Menschen wird gefilmt und ab und zu auch angebrüllt.
Es ist kurz nach 18.30 Uhr, als sich rund 150 Menschen an der Ecke Lehmgrubenstraße und Siegmund-Adam-Straße im Eschlkamer Ortsteil Warzenried auf den Weg Richtung Gasthaues Menacher machen. Knicklichter wurden verteilt, viele tragen selbst gestaltete Banner, auf denen Sätze wie „Kein Platz für Nazis“ oder „Mehr Menschenrechte, nicht mehr rechte Menschen“ stehen.
„Auf die Barrikaden“
„Auf die Barrikaden! Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Faschismus hier im Land“, singen die Teilnehmer der Demonstration in Warzenried, zu der das Bündnis für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Cham aufgerufen hatte. Von dort, wo sie stehen, ist das Gasthaus, in dem die Wahlversammlung der AfD abgehalten wird, gut zu sehen. Geplant war, sich vor der Gaststätte aufzustellen, doch ganz so weit kommt der Zug nicht.
In etwa dieselbe Zahl Teilnehmer wie beim Bündnis für Toleranz und Menschenrechte hat sich auf dem Platz vor dem Gasthaus zusammengefunden, schätzt die Polizei vor Ort. Und auch, wenn kein Demonstrationsleiter auszumachen ist, beginnt eine spontane Gegendemonstration.
Kippt die Stimmung?
Die Teilnehmer an beiden Demos kommen nach Einschätzung der Beamten überwiegend aus dem Landkreis Cham selbst. Es wird eine Stunde lang friedlich bleiben, auch wenn die Polizei mehrere Teilnehmer der Gegendemonstration wieder zurück auf ihre Seite der Absperrung bringen muss. Während die eine Gruppe singt, bleibt es vor dem Gasthaus ruhig. Vereinzelt gibt es Rufe unter den Deutschland-Fahnen hervor wie „Faules Pack“ und „Geht arbeiten“. Nach mehr als einer halben Stunde werden dann auch Rufe laut wie „Ihr gehört gleich mit abgeschoben“ , „Ihr habt doch nur Angst vor der Wahl“ und „Verpisst euch“.
Kurz scheint es so, als könnte die Stimmung doch noch kippen, aber die Beamten der Polizei haben die Situation im Griff. Am Ende steht kein Platzverweis oder ähnliches, die Demo des Bündnisses wie auch die Gegendemonstration werden pünktlich um 19.30 Uhr aufgelöst.
Die Frage, ob es für alle Mitglieder des Bündnisses für Toleranz an diesem Abend den weiten Weg an die tschechische Grenze wert gewesen war, beantwortete Sabine Ebert, die neben anderen Rednern zu Beginn der Demonstration gesprochen hatte, so: „Es ist verdammt wichtig, dass wir hier stehen! Gerade hier, in unserem Landkreis! Wir lassen uns nicht einschüchtern und wir gehen nicht aus dem Weg! Nie wieder!“
