Brechend volles Wirtshaus in Warzenried: AfD-Kandidaten sprachen über Ziele bei der Bundestagswahl

Von draußen hallen noch die letzten „Nazis raus!“-Rufe der Gegendemonstranten, da bemüht sich die AfD im Gasthaus am Hahnenberg in Warzenried (Markt Eschlkam) schon um die Deutungshoheit für den Begriff „rechtsextrem“: „Wenn es rechts ist, dass wir für Sicherheit, Frieden, Moral, Anstand und Respekt sind, dann bin ich stolz, rechts zu sein“, bekundet Kandidatin Carina Schießl (Regensburg).
Der tosende Applaus der AfD-Anhänger, die im zum Platzen gefüllten Saal des Warzenrieder Wirtshauses „Am Hahnenberg“ sitzen, ist ihr sicher. Der Kandidat für den Wahlkreis Schwandorf/Cham, Reinhard Mixl, ist begeistert von der Resonanz und präsentiert Josef Lintl und Alfred Ziegldrum als „die neuen Leiter der AfD-Dependance Cham“. MdL Roland Magerl geht als Moderator davon aus, dass laut Prognose alle vier Kandidaten aus der Oberpfalz nach der Wahl im Bundestag sein werden.
Alle AfD-Sprecher sind sich einig: Das Volk müsse nun aufstehen und sich wehren, weil es an den Geldbeutel gehe werde. Man sehe das jetzt schon an den Erhöhungen der Kassenbeiträge. Auch das priorisierte Zielobjekt aller politischen Bemühungen wird einhellig identifiziert: die Jugend. Die müsse nämlich später alles aushalten und die Rechnung zahlen. „Die Infrastruktur ist im Arsch, die Stadtkerne sind platt, nur die Dönerbuden gedeihen“, so Magerl.
Zweites Ziel: die Städte und Gemeinden. Man sei im Landkreis Cham ja schon so gut wie zuhause und habe so viele Stimmen, dass jeder in Stadt-, Gemeinde-, oder Kreistag komme, der sich aufstellen lässt. „Kandidiert“, so der Aufruf.
Kandidaten berichten über Arroganz der Altparteien
Themen sind die „Deindustrialisierung“, Trauer um die D-Mark, Inflation und sinkende Konkurrenzfähigkeit. Durch die Bank erzählen die Kandidaten die Geschichten der Arroganz der Altparteien, alternativ auch Diebsgesindel genannt. Hier leidet die AfD nach Aussage ihrer Kandidaten: Ihre Anträge würden ungelesen abgelehnt, der Handschlag zur Begrüßung wird verweigert, und Reinhard Mixl berichtete, dass er Anschreiben der politisch Verantwortlichen bekomme, die mit „Herr Mixl“ beginnen, statt mit „Sehr geehrter...“
Carina Schießl setzt die Hoffnung auf die Wahlen: „Die Jugend im Lande ist auf dem besten Wege, Deutschland ein blaues Wunder zu bescheren.“ – Jubel im Saal. Auch sie erzählt von Ausgrenzung, von einem Caterer, der der AfD kein Angebot machen wollte, weil sie seine ausländischen Mitarbeiter remigrieren wolle. „Beschäftigt der Typ Illegale und Straftäter?“, fragt sie. Es ist ohnehin der Abend der Umdeutungen. Die Kandidaten sind hörbar bemüht, den guten Ton zu wahren. Remigration gilt an diesem Abend nur für Straftäter und Illegale. Der Austritt von Europa und Abkehr vom Euro werden zu einer „dringend notwendigen EU-Reform, weil es so nicht weitergeht“. Die Windmühlen der Schande, die Alice Weidel niederreißen will, stehen noch gar nicht. Atomkraft, Öl und Gas werden als Lösung präsentiert. Die Diskussion über die Bewaffnung von Rechtsextremen und Reichsbürgern bei Sportschützen und Jägern sei von den Medien gehypt. Nur rechtschaffene Bürger könnten Waffen besitzen.
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Reinhard Mixl berichtet über seine 83 Dienstags-Demos gegen die Corona-Politik. Hier formulieren seine Kollegen dann das Ziel für die Wahl: 25 Prozent im Bund. Was man damit endlich könnte, sagt MdB Manfred Schiller: „Dann können wir endlich Untersuchungsausschüsse machen. Das ist wichtig. Dann gehen wir in die Archive, decken alles auf und arbeiten die Verbrechen der Pandemie auf!“
Ein Migrant koste 450 000 Euro. Da kommen Billionen auf uns zu.
Reinhard Mixl
Mixl beklagt die allgemeine Geldverschwendung in den Kommunen, unter anderem für Freibäder. Und: Ein Migrant koste 450 000 Euro. „Da kommen Billionen auf uns zu“, prophezeit Mixl. Er schneidet auch das Thema Wahlfälschung an, fördert alle im Saal auf in ihren Gemeinden die abschließende Sofortmeldung zu fotografieren und auf eine extra Plattform zu stellen.
Christl Fischer als Schlussrednerin
Als Schlussrednerin präsentiert die AfD Christl Fischer, die zu den Wahlurnen ruft und wissen lässt: „Mir g’schwelln die Eierstöcke an, wenn i an die Regierung denk!“