Wo Batman in Cham den Winter über abhängt: LBV begeistert vom neuen Fledermaus-Hotel

Hier hängt Batman also im Winter ab, kopfüber und eingewickelt in seine ledrigen Flügel. Es ist stockdunkel, eiskalt, feuchte Wände, das Wasser läuft vom Dach in den Keller – Luxus pur. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist begeistert von der neuen Fledermaushöhle im ehemaligen Chamer Wasserwerk. Die Stadtwerke haben das neue Quartier spendiert, das nun den ersten Winter über bezugsfertig ist.
In der zweiten Februarwoche zählt der LBV seine Fledermäuse. Für das Fledermaus-Hotel auf dem Katzberg war das noch etwas früh. Es hat gerade erst eröffnet. Allerdings hatte sich tatsächlich schon der erste Gast eingefunden: ein braunes Langohr, wie die Spezialisten rund um LBV-Geschäftsführer Markus Schmidberger schnell identifizierten.
Nun setzen alle darauf, dass Fledermäuse – nach übereinstimmender Meinung der Forscher – zu den Schwätzdrosseln gehören und sich ständig über alles Mögliche austauschen. Nachweislich auch über neue Batman-Hotels. Es sollte sich also rumsprechen.
Denn es ist nicht nur das neue Quartier, das auch nach Ansicht des Artenschutz-Rechtlers Simon Skuthan von der Unteren Naturschutzbehörde ein kleines Juwel für den Fledermausschutz ist. So viel Lob an einem Tag haben Stadtwerke-Leiter Stefan Raab und Bürgermeister Martin Stoiber schon lange nicht mehr bekommen. Denn die Stadtwerke haben sich zwar die Abrisskosten gespart, anschließend aber den Wasserspeicher mit viel Liebe und unterstützt vom Fachwissen der Behörden und Vogelschützer hergerichtet.
400 Höhlen an der Decke
Es gibt einen unterirdischen Zugang für Amphibien, vom Dach des benachbarten neuen Wasserspeichers läuft das Wasser in den Keller. Die Luftfeuchtigkeit, die dadurch entsteht, sorgt dafür, dass die Fledermäuse im Winterschlaf nicht austrocknen. Sie können an der Decke zwischen 400 genau durchnummerierten Zimmern in Höhlenform wählen.
Doch auch das Umfeld ist für das Überleben der Fledermäuse optimiert worden. „Wir haben den gesamten Ehrenhain aus der Forstwirtschaft herausgenommen und die Stadt betreut ihn über ihren Gärtner Sebastian Karl“, erklärt Bürgermeister Stoiber. Was das bedeutet, ist schon seit 2022 deutlich sichtbar: Die Stadt hat sich in den Spagat zwischen Naherholung und Naturschutz begeben.
Hotel oder Loch im Baum
Die vitalen Bäume werden gepflegt. Diejenigen, die ein Sicherheitsrisiko für Spaziergänger sind, werden begutachtet. Was gefällt wird, bleibt liegen. Was bewohnt ist, wird in der notwendigen Höhe gekappt. Stehende und liegende Totholzbäume sind zu Insektenquartieren geworden.
„Der Wasserspeicher und der Ehrenhain sind eine absolut vorbildliche Artenschutzaktion geworden“, lobt Markus Schmidberger. Gemeinsam mit den Stadtwerken hat er rund 50 Nistkästen für Fledermäuse im Umfeld anbringen lassen. Die sind inzwischen zu zu mehr als der Hälfte belegt. Wo die Bewohner dann überwintern, wenn bisher nur eine Fledermaus in das Winterquartier gefunden hat, weiß der Vogelschützer nicht. Er geht aber davon aus, dass es im Ehrenhain viele Fledermäuse gibt, die in dicken Bäumen in Spechthöhlen überwintern. „Das würde sicher auch funktionieren“, sagt Schmidberger. Allerdings müsse man deswegen besonders vorsichtig sein, wenn man im Winter Bäume fälle.
Stadtwerkeleiter Stefan Raab lobt seine Wassermeister Stefan Bücherl und Johannes Hierold, die sich viel um die Arbeiten im Wasserwerk gekümmert haben. Doch auch rund um den neuen Wasserspeicher haben die Stadtwerke versucht, den Eingriff in die Landschaft so gut wie möglich abzufedern.
Nachhaltiges geschaffen
So ist rundum eine Streuobstwiese entstanden, Hecken und Bodendecker wurden gepflanzt und ein naturnahes Regenrückhaltebecken geschaffen. „Natürlich kann man so einen Riesenbau nicht einfach verschwinden lassen“, sagt Raab. Doch Schmidberger bescheinigt ihm, dass etwas Nachhaltiges entstanden ist, auf das man stolz sein könne.

