Fliegerbombe in Cham entschärft: Chronologie eines dramatischen Einsatzes

Von Thomas Mühlbauer · 11. Juli 2025 um 05:00

Es war nicht die erste Fliegerbombe in Cham-West, die am Mittwoch bei Bauarbeiten in der Josef-von-Heilingbrunner-Straße gefunden wurde. Doch das 250 Kilo schwere Teil hatte eine Besonderheit: Sie besaß einen chemischen Langzeitzünder und wurde von einem Baggerfahrer gegen 17 Uhr bei den Grabungsarbeiten im Baugrundstück bewegt. Somit konnte niemand sagen, ob der Zünder schon ausgelöst hatte.

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Dadurch entschied man sich in der Kreiseinsatzzentrale in Cham in Absprache mit allen Rettungsorganisationen und den Mitarbeitern des Sprengkommandos Bayern aus Nürnberg und Ingolstadt, einen 700 Meter Radius um den Fundort zu ziehen. Und damit war die Besonderheit perfekt, denn in diesem Radius lag das Krankenhaus Cham und das Altenheim St. Michael. Beide Einrichtungen mussten so komplett evakuiert werden (siehe gesonderte Berichte).

■ Gegen 20 Uhr begann die großflächige Evakuierung der Bevölkerung in diesem 700 Meter Radius. Auf dem Volksfestplatz wurde derweil die Sammelstelle für alle Rettungsorganisationen eingerichtet, wo im Minutentakt BRK- und Feuerwehr-Fahrzeuge eintrafen. Ebenfalls eingestellt wurde der Bahnverkehr zwischen Furth im Wald und Schwandorf. Um 20.24 Uhr wurde schließlich die Bevölkerung mit der Warnapp NINA informiert. Insgesamt mussten 2500 Personen evakuiert werden.

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■ Um 20.30 Uhr rief Landrat Franz Löffler für die Stadt Cham den Katastrophenfall/-alarm aus. Neben den Kräften des BRK, der Feuerwehr und des THW war auch die Polizei mit zahlreichen Kräften von den Dienststellen im Landkreis Cham vor Ort, auch die Bayerische Bereitschaftspolizei rückte mit an.

Um 21.30 Uhr setzte sich ein Konvoi von Feuerwehrfahrzeugen in Bewegung in Richtung des abgesperrten Gebietes, um bei der Evakuierung zu unterstützen. Als erste Sammelstelle für die evakuierten Personen wurde die Stadthalle in Cham mit Feldbetten bestückt, doch schnell stießen die Halle und das Foyer an seine Grenzen, denn nicht alle konnten bei Verwandten unterkommen. So wurde noch eine zweite Anlaufstelle in der Johann-Brunner-Schule eingerichtet, wo die Bevölkerung die Nacht verbringen konnte.

Verpflegungsstelle für BRK Einsatzkräfte

In der BRK-Zentrale, gegenüber der Stadthalle wurde derweil für die vielen BRK Einsatzkräfte, die aus der gesamten Oberpfalz und Niederbayern anrückten eine Verpflegungsstelle eingerichtet, in der Kaffee und Gulaschsuppe ausgegeben wurde.

In der BRK-Zentrale wurde für die Einsatzkräfte eine Verpflegungsstelle eingerichtet. - Foto: Thomas Mühlbauer

■ 0.30 Uhr: Das gute Zusammenspiel der Blaulichtorganisationen zeigte sich bei der Evakuierung, so berichtete Pressesprecher Fabian Koller vom Landratsamt davon, dass um 0.30 Uhr die Evakuierung schon weit fortgeschritten war. Damit konnten die ersten Rettungsmittel schon aus dem Einsatz herausgelöst werden.

■ Um 1 Uhr berichtete der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes, Tobias Muhr,, dass mittlerweile 80 Prozent der Evakuierung abgeschlossen waren. Vor Ort befanden sich 109 Rettungswagen aus mehreren Regierungsbezirken.

Mehrere große Container als Schutzwall

■ Gegen 2.40 Uhr konnte die Evakuierung abgeschlossen werden, sodass sich um 3 Uhr am Morgen die Sprengmeister Christian Scheibinger, Florian Süß, Sebastian Kraatz und Michael Weiß vom Sprengkommando Nürnberg/Ingolstadt an die Arbeit machten. Rund um die Bombe wurden mehrere große Container einer Baufirma aufgestellt, die wiederum mit 150 sogenannten IBC-Containern bestückt waren, um die umliegenden Häuser im Falle der Sprengung der Bombe zu schützen.

Unter diesem Fass wurde der Zünder der Bombe gesprengt. - Foto: Thomas Mühlbauer

■ Um 5.25 Uhr entschied sich das Landratsamt, nachdem die Bombe immer noch nicht entschärft war, dass die Schulen in der Stadt Cham am Donnerstag geschlossen bleiben. Fünf Minuten später kam die Meldung, auf die alle gewartet hatten: Die Bombe ist entschärft. Damit stand auch dem Schulbetrieb nichts mehr im Wege. Binnen kürzester Zeit leerte sich der Volksfestplatz, der Katastrophenfall wurde aufgehoben und die Bevölkerung konnte zurück in die Wohnungen.

Wir wurden informiert, dass hier in Cham eine Bombe bei Bauarbeiten gefunden wurde, dann sind wir hergefahren und dann lag das Teil da.

Sprengmeister Michael Weiß

Am Ort des Geschehens sagte Sprengmeister Michael Weiß nach der erfolgreichen Entschärfung der Bombe: „Wir wurden informiert, dass hier in Cham eine Bombe bei Bauarbeiten gefunden wurde, dann sind wir hergefahren und dann lag das Teil da.“

Dass die Bombe ein wenig bewegt wurde, war auch für die Spezialisten eine Besonderheit. Normalerweise ist dies nicht der Fall, da es Fachfirmen gibt, die gezielt nach Sprengmitteln suchen. Angesichts des großen Aufwands mit Wasserschneidgerät und dem hügeligen Gebiet schätzte Michael Weiß, die Zeit der Entschärfung – knapp 2,5 Stunden – als „normal“ ein. Michael Weiß wollte im Gespräch mit unserem Medienhaus nicht verhehlen, dass ihm einige Steine vom Herzen gefallen seien, als die Bombe entschärft war.

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Bis es soweit war, wurde die Bombe mit einer ferngesteuerten Wasserschneidemaschine bearbeitet, um an den Zünder heranzukommen. Die vier Mitarbeiter des Sprengkommandos waren dabei knapp 300 Meter entfernt. Bildlich festgehalten wurde dies mittels einer Drohne, die den Arbeitsprozess aufzeigte. Am Ende wurde der Zünder, über dem sich ein gefüllter IBC-Container befand, kontrolliert gesprengt.