Hochwasserschutz: Drei Enteignungsverfahren in Sallern – Unterer Wöhrd wird „schwieriger“

Von Jonas Raab · 6. August 2025 um 09:00

Hier der Deich, dort die Betonwand – und zwischendrin ein großes Loch für die geplante Sallerner Regenbrücke: Der Hochwasserschutz im Regensburger Norden nimmt nach finanziellen Zwangspausen immer konkretere Formen an. Die Bauherren vom Wasserwirtschaftsamt haben schon das nächste Großprojekt im Blick: den Unteren Wöhrd.

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Am Dienstag statteten die Grünen, die kürzlich einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Wassergesetzes in den Landtag eingebracht hatten, der Baustelle im Regensburger Norden einen Besuch ab. Andreas Dunst leitet die rund 800 Meter lange Baustelle westlich der Amberger Straße. „Hier endet die Spundwand, weil sie beim Bau der Sallerner Regenbrücke mit Sicherheit nicht passen würde“, erklärte er Jürgen Mistol, dessen Landtagskollegin Laura Weber und Maria Simon, Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion in Regensburg. Ein Deich-Provisorium werde das 70 Meter lange Loch schließen, sagte Dunst. Lange Zeit habe man „zweigleisig“ geplant – mit und ohne Nordspange, wie die umstrittene Verbindung zwischen Lappersdorfer Kreisel und Nordgaustraße kürzlich getauft wurde. „Anfangs dachten wir, die Brücke ist längst da, wenn wir bauen. Jetzt werden wir fertig und dann kommt die Brücke“, sagte er. „Oder auch nicht“, entgegnete Mistol.

Hochwasserschutz in Reinhausen „ganz tolle Sache“

Sei’s drum. Immerhin der Hochwasserschutz, an dem seit 2021 gearbeitet wird, biegt nach Finanzierungsproblemen und mehrfachem Stillstand der Baustelle langsam auf die Zielgerade ein. Kommenden Sommer soll alles fertig sein – „Gala-Landschaftsgestaltung“ inklusive. Dunst meinte damit die neu gestalteten Grün- und Sportflächen, ein aufgewertetes Regenufer und einen neuen Radweg. Weiter vorne, wo der Regen in die Donau mündet, ist das schon Realität. Mistol lobte die dortige Gestaltung des Flussufers als „ganz tolle Sache“. Für Sallern stellte Dunst gar noch schönere Ergebnisse in Aussicht:„Hier ist noch viel mehr Platz für die Gestaltung“, sagte er.

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„Freuen sich die Anwohner?“, wollte die Weidener Landtagsabgeordnete Weber wissen. Die Antwort von Dunst: „Teils, teils. Die meisten sind nicht nur dafür, sondern drängeln schon, dass wir endlich fertig werden. Mit drei Eigentümern sind wir im Enteignungsverfahren, weil sie uns die Flächen nicht verkauft haben.“ Das Bau- und Betretungsrecht liege schon beim Wasserwirtschaftsamt, vor Gericht werde wohl nur noch geprüft, ob die Wertermittlung passt. Sprich: Es geht ums Geld. „Sonst sind die Anlieger froh“, sagte Dunst.

Andreas Dunst (l.) führte am Vormittag über die Baustelle im Regensburger Norden. - Foto: Raab

Sallern sei die erste Maßnahme im Stadtgebiet, bei der man private Flächen gebraucht habe, erklärte Stefan Neudert, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. „Ein Enteignungsverfahren ist für uns der absolut letzte Schritt, um an ein Grundstück zu kommen“, sagte er. Mit Blick auf die nächsten großen Projekte – sie betreffen auch die Innenstadt – ist es gut möglich, dass weitere schwierige Gespräche mit Eigentümern folgen.

Die Hochwasserschutz-Planungen in Regensburg gehen Neudert zufolge bis ins Jahr 1954 zurück. Dass die erste Baumaßnahme erst 2009 umgesetzt wurde, zeige, wie komplex das „Mammut-Projekt“ sei. In der Domstadt träfen sehr viele Interessen am Gewässer aufeinander: Denkmalschutz, Weltkulturerbe, Schifffahrt und Hochwasserschutz zählte er auf. Mistol betonte, wie wichtig es sei, die Bürger mit ins Boot zu holen – und erinnerte daran, dass Maßnahmen in den 1990er-Jahren gescheitert seien, weil man genau das nicht getan habe.

Hochwasserschutz: Regensburger Innenstadt an der Reihe

Drei weitere Maßnahmen hat das Wasserwirtschaftsamt derzeit in Planung: Gallingkofen, den Unteren und Oberen Wöhrd. In der Innenstadt werde es bestimmt nicht einfacher, sagte Neudert mit Blick auf die Eigentumsverhältnisse: „Je enger etwas bebaut ist und je mehr Grundstückseigentümer es gibt, desto schwieriger wird es.“

Bei einer Strudelfahrt tauschten sich die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol und Laura Weber über verschiedene Hochwasserschutz-Maßnahmen in Regensburg aus, etwa bei Schwabelweis. - Foto: Wensauer

Ende Juli wurde das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt H – Unterer Wöhrd eingeleitet. Die Schutzmaßnahmen, die unter anderem die im vergangenen Jahr vom Hochwasser gebeutelte Werftstraße betreffen, werden laut Wasserwirtschaftsamt rund 32,5 Millionen Euro kosten – Stand heute. Zum Vergleich: Die Maßnahmen in Sallern taxierte das Wasserwirtschaftsamt zunächst auf etwa acht Millionen Euro. Rund zwölf werden es Projektleiter Dunst zufolge am Ende werden.