Sallerner Regenbrücke: 60 Grundbesitzer müssen Land abgeben

Von Marion Koller · 1. August 2025 um 19:00

Jetzt wird es ernst für die Anlieger im Regensburger Norden: Knapp 60 Privatleute und die Gärtnerei Hauner müssen Flächen verkaufen, damit die Sallerner Regenbrücke mit Zufahrten gebaut werden kann. Im schlimmsten Fall können sie enteignet werden. Beim Betrieb Hauner geht es um die Existenz. Eine Einigung ist bisher nicht in Sicht.

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Ein großes Dreieck in Altrosa markiert auf dem Plan die Grundstücksfläche, die Gärtnermeister Gerhard Hauner abgeben soll. Genau darüber lokalisieren zarte Linien die Sallerner Regenbrücke. Heute liegen dort Gewächshäuser und der Parkplatz der Gärtnerei an der Lappersdorfer Straße. Es geht um fast 4000 der insgesamt 13.000 Quadratmeter, die der Familie Hauner gehören. Für den Betrieb ist das existenzgefährdend. Das bestätigt auch das Staatliche Bauamt.

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Knapp 60 Grundstückseigentümer sollen für die 300 Meter lange Brücke, die Erweiterung der Nordgaustraße als Zubringer und den Lappersdorfer Kreisel Flächen abtreten. „Die Verhandlungen haben begonnen“, sagte Berthold Schneider vom Staatlichen Bauamt diese Woche bei einer Pressekonferenz. Hauptbetroffene ist die Gärtnerei. Bei Privatleuten, die etwa an der Lappersdorfer Straße und Nordgaustraße wohnen, geht es meist um ein paar hundert Quadratmeter. Beim kleinsten Deal handelt es sich um 25 Quadratmeter.

Ein Damoklesschwert

Mit Eigentümern, die Flächen für den Ausbau der Nordgaustraße verkaufen müssen, sei Kontakt aufgenommen worden, heißt es von der Presseagentur, die die Behörden eingeschaltet haben. Die Stadt wird auf sie mit einem konkreten Angebot herantreten, sobald das in Auftrag gegebene Verkehrswert-Gutachten vorliegt. Zu den Projekten Sallerner Regenbrücke und Lappersdorfer Kreisel wird das Staatliche Bauamt im Spätherbst Kontakt mit Grundbesitzern aufnehmen.

Gerhard Hauner ist am Donnerstag beruflich unterwegs und deshalb schwer zu erreichen. Am Handy gelingt es dann, ihn zu sprechen. „Es ist alles in der Schwebe“, sagt der Unternehmer, in dessen Betrieb pro Jahr 100.000 Menschen Stauden, Rosen, Gemüsepflanzen und Obstbäume kaufen. Zunächst hätten ihm die Behörden rund sieben Euro für den Quadratmeter angeboten. Es handelt sich um eine Retentionsfläche für den Regen. Das lehnte die Familie ab. Ein Fachmann hat ein Gutachten erstellt, das auch den Verdienstausfall durch die Reduzierung der Gärtnereifläche berücksichtigt. Deshalb liegt Hauner inzwischen ein besseres Angebot vor. Zugleich wird über einen Grundstückstausch mit Nachbarn verhandelt.

Ein Treffen mit Vertretern der Stadt und des Staatlichen Bauamts hat es gegeben. Das sei alles nicht einfach, sagt Gerhard Hauner. „Es geht um unsere Lebensgrundlage. Wir müssen das Beste daraus machen.“ Das Damoklesschwert des Brückenbaus schwebt seit vielen Jahren über dem Betrieb. Der 59-Jährige und seine Frau möchten am liebsten weitermachen. Doch dafür brauchen sie eine Perspektive. Der 31-jährige Sohn ist Betriebswirt und kann sich eine Übernahme vorstellen. Die Familie wohnt auch auf dem Gelände.

Gärtnermeister Hauner hofft, dass es zum Bürgerbegehren kommt

Gärtnermeister Hauner hofft, dass es zum Bürgerbegehren kommt. Er unterstützt das Bündnis „Mobilität neu denken“, das bislang 1500 Unterschriften gesammelt hat. 6000 werden für die Zulassung benötigt. Das Staatliche Bauamt rechnet damit, dass für die vierspurige Brücke, die auf 30.000 Fahrzeuge ausgelegt ist, frühestens 2028 die Bagger rollen werden. Der Kreiselumbau soll gleichzeitig starten, die Erweiterung der Nordgaustraße ein Jahr später. Die Behörden sprechen von voraussichtlichen Gesamtbaukosten der Nordspange in Höhe von 175 Millionen Euro. Die Kommunikationsagentur ergänzt jedoch, bei derart komplexen, langjährigen Infrastrukturprojekten sei es unvermeidbar, dass Kostenschätzungen an aktuelle Entwicklungen angepasst und fortgeschrieben werden. Bund, Freistaat, Stadt und Landkreis sowie Markt Lappersdorf finanzieren das Vorhaben.

Im Erläuterungsbericht der behördlichen Planfeststellung heißt es, der Verkehr werde in der Amberger Straße um rund 40 Prozent abnehmen, in der Frankenstraße (Regenbrücke) um 23 und in der Lappersdorfer Straße um zehn Prozent. Doch insgesamt verlagern sich die motorisierten Ströme nur. Nach der Prognose, auf die sich das Staatliche Bauamt stützt, wird die Nordgaustraße im ausgebauten Abschnitt künftig mit 33.000 Fahrzeugen belastet.

Der Verkehr verlagert sich

Das bedeutet eine Zunahme um rund 13.000 Autos und Lastwagen am Tag. Auf der Sallerner Regenbrücke rechnet man mit 25.700 Fahrzeugen. Die Brücke bietet einen Rad- und Gehweg. In der Nordgaustraße kommt Schallschutz: eine 400 Meter lange Einhausung und Lärmschutzwände. Auf der Brücke und am Kreisel wird ebenfalls Lärmschutz umgesetzt. Anwohner der Nordgaustraße und der Amberger Straße befürworten die Nordspange. Ludwig Weigerstorfer aus der Bergstraße sagt: „Alles wird moderner. Warum soll das nicht sein?“ Die Einhausung verschlucke den Lärm. Die Hausbesitzerin habe den gewünschten acht Meter breiten Streifen bereits an die Stadt verkauft. Die Gegner von „Mobilität neu denken“, darunter Werner Mayer, bleiben dabei: Die Nordspange werde noch mehr Verkehr in die Stadt ziehen.