Völlig unscheinbar: Im Herzen der Altstadt schlummert ein Bunker für Tausende Regensburger

Es ist Krieg in Europa: Seit Russland die Ukraine überfallen hat, geht auch in Deutschland die Angst um. Bunker, längst vergessen geglaubte Relikte aus dem Kalten Krieg, spielen wieder eine größere Rolle. Dabei gibt es kaum noch welche. Auch in Regensburg sind sie äußerst rar gesät – mit ein paar Ausnahmen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte unlängst, in Bayern gebe es keine Bunker mehr, die ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Knapp 500 Anlagen seien überhaupt noch baulich existent. Wie ist die Lage in der Stadt Regensburg und im Landkreis?
In Regensburg gibt es noch zwei Bunker
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra betont zunächst, dass es in Deutschland eigentlich gar keine Bunker mehr gibt. Die verbliebenen Schutzräume seien 2007 aus der Zivilschutzbindung entlassen worden – folglich seien auch in Regensburg übrige Bunker weitestgehend geräumt worden.
Ein paar wenige Anlagen gibt es allerdings auch in Regensburg noch, teilt von Roenne-Styra mit. Zum einen unter der Hauptfeuerwache in der Greflingerstraße – die ist allerdings den Floriansjüngern vorbehalten. Zudem gibt es noch unter dem Von-Müller-Gymnasium in der Erzbischof-Buchberger-Allee einen Bunker. Dort fänden rund 300 Menschen Schutz. Deutlich größer ist dafür der Bunker in der Tiefgarage der Baumhackergasse im Herzen der Altstadt, der sich nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt befindet. Dort könnten 2400 Regensburger Zuflucht finden – das sind immerhin rund 13 Prozent aller Altstadtbewohner.
Die beiden öffentlichen Bunker bezeichnet die Stadt als „Altanlagen“, die vom Bund finanziert wurden. Daher hat die Sache auch einen Haken, sagt Sprecherin von Roenne-Styra: „Aufgrund des Alters schützen die Anlagen nicht mehr vor atomarer Strahlung.“
Mehr Bunker für Regensburg: Stadt verweist auf Ministerium
Zwei Bunker für die gesamte Stadt? Für den Ernstfall ist das deutlich zu wenig. Das Thema sei komplex. betont Verwaltungs-Sprecherin von Roenne-Styra. Es hänge stark von politischen Entscheidungen und finanziellen Mitteln ab. Man könne keine Bunker bauen, wenn es keine offiziellen Entscheidungen aus den zuständigen Ministerien gibt. Ohne verbindliche Beschlüsse fehlten die Grundlagen und das nötige Geld. „Dies betrifft insbesondere die Reaktivierung bestehender Bunker, den Bau neuer Schutzräume und mögliche private Schutzmaßnahmen.“
Bunker im Landkreis Regensburg: Dem Landratsamt liegen keine Daten vor
Wie schaut die Sache im Landkreis Regensburg aus? Landratsamtssprecher Hans Fichtl teilt auf Anfrage mit, dass der Behörde keine aktuellen Daten zu Bunkern vorlägen. Aus früheren Gesprächen wisse man allerdings, dass es in einzelnen Gemeinden Schutzanlagen gab, die zwischenzeitlich allerdings anderweitig genutzt werden. Das gilt beispielsweise für Bunker bei Hemau oder Thalmassing.
Und was ist eigentlich mit der Bundeswehr? Ein Sprecher antwortet auf Anfrage, dass die Armee keine Bunker in Regensburg oder dem Landkreis betreibt. Die Nutzung militärischer Liegenschaften sei allerdings auch ohnehin nicht für die Zivilbevölkerung vorgesehen.