Früher Panzer, heute ein Auto-Meer: So sieht Hemaus Kaserne 21 Jahre später aus

Von Daniel Pfeifer · 23. September 2024 um 05:00

Das Mannschaftskasino ist überwuchert, die Panzerrampe mit Moos bedeckt. Doch in einigen Teilen der verlassenen Kaserne in Hemau (Landkreis Regensburg) ist neues Leben eingekehrt. Unternehmer Maximilian Roos gibt erstmals Einblicke: von den Baracken über die Panzerhallen bis hinab in die alten Bunker.

Büschelweise zwängt sich Unkraut zwischen aufgebrochenen Asphaltplatten empor. Am Fuße einer verlassenen Betonrampe entfalten sich die letzten schneeweißen Blüten der Vogelmiere. Dunkles Moos wächst dort, wo einst Panzer rollten. Vor 21 Jahren wurde die General-von-Steuben-Kaserne in Hemau aufgelöst, doch bis heute stehen die Bauwerke als stumme Zeugen – einige leer, einige überwuchert, viele aber auch mit neuem Leben erfüllt.

Anfang dieses Jahres übernahm Unternehmer Maximilian Roos das 54 Hektar große Areal. Die Fahrzeuglogistikfirma Roos, die der 33-jährige gebürtige Münchner vor sechs Jahren gründete, nutzt die gewaltigen Freiflächen und die alten Hallen zur Lagerung und Aufbereitung von Autos. Nun gibt der Unternehmer erstmals Einblicke in das frühere Bundeswehrgelände: von den Baracken über die Panzerhallen bis hinab in die alten Bunker.

Mücken und WM-Fußballer

Maximilian Roos schaltet sein Handy-Licht an. „Oh“, sagt er, als Hunderte Mücken im Lichtschein sichtbar werden. Eine dünne Wasserdecke steht in den stickigen Bunkerräumen der Kaserne. Weite Teile sind leergeräumt, mal stehen alte Betten herum, an einer Türe klebt ein Sammelsticker von der Fußball-WM ’98.

Obwohl das Gelände schon ab 2008 verschiedentlich genutzt wurde, seien einige Teile dem Verfall preisgegeben worden, sagt Roos. Neben den Bunkern sind das auch zum Beispiel das Mannschafts-Kasino und ein Großteil der Grünflächen. Vieles davon will Roos nun vor weiteren Schäden bewahren – auch wenn nur wenige Gebäude genutzt werden können und er nicht hofft, jemals einen Bunker zu benötigen. „Aber nur weil etwas nicht genutzt wird, heißt es nicht, dass man es verkommen lassen soll“, sagt Roos. „Das Ziel ist, so viel wie möglich vom Bestand zu erhalten. Ich finde es nachhaltig, zu sanieren.“ Das sei durchaus herausfordernd. Mal wartet Asbest, mal gefährliche Trafos aus den 60ern. Insgesamt habe man schon eine siebenstellige Summe investiert. Weitere Pläne umfassen eine Sanierung des alten Mannschaftsheims und die Reaktivierung des Fernwärmenetzes – am besten mit Hackschnitzeln. „Wir hätten großes Potenzial, circa 24 Hektar des Geländes sind Grünfläche“, sagt Roos. Schon jetzt kann sich der Standort mit dem Siegel „bilanziell klimaneutral“ schmücken. Auf den Dächern betreibt eine Fremdfirma Photovoltaikanlagen, die fast zweieinhalb Millionen Kilowattstunden grünen Strom im Jahr erzeugen. Zwischen den alten Gebäuden werden im Jahr 200 000 Autos umgeschlagen. 65 Angestellte kümmern sich unter anderem um deren Aufbereitung, von Lackierung und Reifenwechsel bis hin zur Verteilung von Eiskratzern. Gegen Einbrecher gibt es Videoüberwachung, gegen Naturgewalten gibt es Versicherungen – am Tangrintel sei für Autos gefährlicher Hagel aber ohnehin selten, so Roos. Platz für bis zu 8000 Gebraucht- und Neuwagen von Herstellern und Vermietern bietet das Kasernengelände.

Erst Schock, dann Erfolg

So schlimm die Nachricht über die Schließung der Kaserne mit den bis zu 1400 Soldaten und Angestellten einst war, so zufrieden sei man heute mit der Entwicklung, sagt Bürgermeister Herbert Tischhöfer. Das Gewerbegebiet, das auf den 155 Hektar Truppenübungsplätzen entstand, floriert heute. Und auch über die Nutzung der Kaserne freue man sich. „Wir sind immer im intensiven Austausch“, sagt Tischhöfer. Eine Entscheidung im Bauausschuss vergangene Woche, ein weiteres altes Kasernengebäude zur Aufbereitungshalle umzuwidmen, winkte der Stadtrat dementsprechend ohne weitere Diskussion durch.

Leer bleiben werden aber die Wohngebäude. Eine Nutzung, wie sie vor 20 Jahren schon im Gespräch war und in Städten wie Regensburg Gang und Gäbe ist, wäre rechtlich nicht zulässig. Verfallen lassen will Roos die Häuser aber nicht. Doch nicht alles soll erhalten bleiben. Die Betonrampe zum Beispiel, die von Unkraut umgeben und dunklem Moos überwuchert ist, hat als Abschmierrampe für Panzer heute keinen Nutzen mehr. Dennoch steht sie auch nach 21 Jahren massiv wie eh und je. „Ziel ist, die Rampe rückzubauen“, sagt Maximilian Roos und grinst. „Aber diese Sachen sind für die Ewigkeit gebaut.“

Das Mannschafts-Kasino ist überwuchert. Es soll wenn möglich saniert werden.
„Ziel ist, so viel wie möglich vom Bestand zu erhalten. Nur weil etwas nicht genutzt wird, heißt das nicht, dass man es verkommen lassen soll.“ - Maximilian Roos, Unternehmer
Ein Sticker der WM 1998 klebt im Bunker.
In der früheren Turnhalle werden heute Autos fotografiert. Hallenboden, Wandverkleidung und Klettereinrichtungen wurden herausgerissen.
In dieser alten Kasernen-Halle werden bald Autos aufbereitet. Vergangene Woche gab der Bauausschuss das OK.
Diese Abschmierrampe für Panzer ist lange ungenutzt.
Das alte Bataillonswappen ist noch da.