Regensburg: Diese Bunker gibt es noch

Von Christian Eckl · 11. März 2022 um 11:53

ZahlreicheBunkeranlagen aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieggibt es in Regensburg. Wie viele es sind, können aber nicht mal die Historiker sagen. Auf Anfrage sagt die Stadt: Vier Anlagen können derzeit für die Evakuierung von Teilen der Bevölkerung genutzt werden.

Offiziell gibt es in Deutschland keine öffentlichen Bunkeranlagen mehr. „Aufgrund der Änderung des Schutzkonzeptes hat sich im Jahr 2007 der Bund mit den Ländern darauf geeinigt, die bestehenden Schutzräume aus der Zivilschutzbindung zu entlassen“, heißt es bei der Stadt. Dies betreffe auch Bunker, aber auch zwei Mehrzweckanlagen im Stadtgebiet Regensburg. „Die vorhandenen Anlagen sind weitestgehend geräumt“, teilt die Stadt mit.

Zwei Luftschutzbunker in Regensburg

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigt, dass die Schutzeinrichtungen im Ernstfall wieder ausgestattet werden und zum Einsatz kommen könnten: „Es gibt in Regensburg zwei Luftschutzbunker.“

Einer ist unter der Hauptwache der Berufsfeuerwehr in der Greflingerstraße, die zweite in der Erzbischof-Buchberger-Allee im Regensburger Stadtsüden in der Nähe des Von-Müller-Gymnasiums. Zudem gibt es eine Mehrzweckanlage unter dem Uniklinikum, die nur im Notfall als Schutzeinrichtung aktiviert wird. Die zweite Anlage dieser Art befindet sich unter der Baumhackergasse und wird seit vielen Jahren als Tiefgarage genutzt.

Wo ist der nächste Bunker?

In den beiden Mehrzweckanlagen wäre Platz für 2.000 Personen. „Wobei eine der beiden Anlagen rein für das Personal als auch die transportfähigen Patienten des Universitätsklinikums zur Verfügung stehen würde“, heißt es in Bezug auf die Anlage am Uniklinikum. Dort bestätigt man die Anlage. Sie wurde aber 2007 aus dem Konzept für Schutzräume genommen. „Der Schutzraum am Uniklinikum wurde in seinem Bestand erhalten. Jedoch müssten die Ausstattung und die technischen Anlagen vor Inbetriebnahme ertüchtigt werden“, sagt Sprecher Matthias Dettenhofer.

Die beiden vorhandenen Bunker bieten Platz für 100 Personen. Einer der beiden Bunker steht jedoch ausschließlich für die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr zur Verfügung. In der Baumhackergasse befindet sich zudem einer der Notbrunnen zur Trinkwasserversorgung.

Regensburg so unvorbereitet wie Odessa

Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagt, die Eindrücke aus Regensburgs Partnerstadt Odessa in der Ukraine geben ihr durchaus zu denken. „Gott sei Dank ist das rein hypothetisch, aber solche Gedanken gehen mir schon durch den Kopf: Wie könnten wir unsere Stadt schützen, wenn russische Truppen auf bayerischem Boden stünden?“ Regensburg wäre „nicht wesentlich besser vorbereitet, als es die Städte in der Ukraine sind“. Schrittweise seien die Bunkeranlagen nach dem Kalten Krieg abgebaut worden, „wobei in Regensburg noch nie die ganze Bevölkerung in den Bunkern Schutz hätte finden können“, so das Stadtoberhaupt.

Maltz-Schwarzfischer, die im Ernstfall wie bei jeder Katastrophe als Leiterin der Kreisverwaltungsbehörde im Einsatz wäre, verweist aber auf „schlagkräftige Hilfsorganisationen und einen funktionierenden Katastrophenschutz“. In unmittelbarer Nähe zu ihrem Sitz, dem Alten Rathaus, gibt es die Tiefgarage unter der Baumhackergasse. Diese Mehrzweckanlage kann als Bunkeranlage eingesetzt werden. „Sie ist weder ausreichend, noch in einem top aktuellen Zustand“, sagt Maltz-Schwarzfischer.

Einige Bunkeranlagen in Regensburg sind zwischenzeitlich gar nicht mehr einsetzbar. Unter der Rewag in der Greflingerstraße beispielsweise gab es einen Bunker: „Es gibt Reste einer Anlage unter dem Areal, auf dem unser Verwaltungsgebäude steht“, sagt Rewag-Sprecher Martin Gottschalk. Diese Anlage sei aber eigentlich nicht nutzbar. „Gleiches gilt für die Räume unter dem Parkhaus am Petersweg. Das sind keine Bunkerräume, die noch nutzbar wären.“ Unter dem Parkhaus am Petersweg befinden sich große ehemalige Bierkeller, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker ausgebaut wurden. Im Einsatz sind die Anlagen aber nicht mehr, heute werden sie als Lagerräume genutzt.

Einen alten Luftschutzbunker, der einsatzbereit wäre, besitzt die Staatliche Bibliothek in der Gesandtenstraße in Regensburg. „Eigentlich ist das ein alter romanischer Keller aus dem 12. Jahrhundert, der vor oder während des Zweiten Weltkrieges zum Bunker umgebaut wurde“, sagt Bernhard Lübbers, Leiter der Staatlichen Bibliothek. „Die Luftschutzwarnungen aus der Zeit des Kalten Krieges sind noch da“, sagt Lübbers. Die Schleusen sind noch vorhanden, die mit schweren Eisentüren versehen sind.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt übrigens, unterirdische Anlagen aufzusuchen, sollte man nicht zuhause sein und in den eigenen Keller gehen können. In der Ukraine suchen die Menschen häufig U-Bahnhöfe auf, die es in Regensburg nicht gibt.