Mit dieser Begrünung hatte keiner gerechnet: Marihuana wächst im Obermünsterviertel in Regensburg

Von Heike Haala · 26. Juni 2025 um 19:00

Sauftouren, Gebrüll, Schlägereien: Das Obermünsterviertel in Regensburg hat schon für viele Schlagzeilen gesorgt. Für Drogenanbau aber ist die Gegend eigentlich nicht bekannt – bis jetzt.

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Es begann damit, dass die Stadt vor vier Wochen im Zuge der Verkehrsberuhigung die öffentlichen Parkplätze in dem Bereich strich und neue Pflanztröge aufstellte. Der Gedanke dahinter: Das Grün soll für mehr Aufenthaltsqualität in dem Viertel sorgen. Außerdem hatte die Stadt eine „neue Wahrnehmung des Raums angekündigt. In den vergangenen Tagen sind nun aus etlichen der Holztröge Cannabisstauden in die Höhe geschossen – vorhergesehen war diese Art der Bepflanzung aber nicht

In einem Bottich gedeihen sogar mehrere Pflanzen. - Foto: Heike Haala

Und so entfernte die Polizei auf die Anfrage der Mittelbayerischen eine dieser Stauden am Mittwoch. Inzwischen aber ist klar: Das war nicht der einzige Trog, in dem das Kraut so prächtig gedeiht. „Das ist definitiv Cannabis“, sagt Marcus Roith. Er muss es wissen. Denn er leitet die Filiale von Hanf.com um die Ecke am Viereimerplatz. Es ist Roith deswegen wichtig, zu betonen: „Wir haben damit nichts zu tun. Wir machen das ausschließlich im gesetzlichen Rahmen.“ Es habe erst eine Razzia in seinen Geschäftsräumen gegeben und alles, was er nun möchte, ist, bloß nicht wieder ins Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft zu geraten. Schmunzeln habe Roith vergangene Woche aber schon müssen, als er die Pflanzen entdeckte. Er habe auch versucht, die Polizei deswegen anzurufen, aber da habe er niemanden erreicht. „Ich habe eigentlich gedacht, die schnappt sich einer auf dem Bürgerfest, aber jetzt sind sie immer noch da“, sagt er.

„Da hat jemand Stecklinge ausgesetzt“, vermutet der Experte. Denn die Pflanzkübel stünden ja erst einige Wochen. Das sei zu wenig Zeit, um derartige Pflanzen aus Samen gedeihen zu lassen. „Letzte Woche waren sie noch zehn Zentimeter groß, jetzt sind sie schon richtig hoch“, sagt er. Das wundert Roith nicht. Im Obermünsterviertel herrscht seiner Meinung nach gerade ein gutes Klima für diese Gewächse. „Das ist absolut das, was die brauchen“, verdeutlicht er. Die 17 Stunden Sonne pro Tag, die sie in der vergangenen Woche abbekamen, reichten schon fast an die Idealbedingungen für fotoperiodische Pflanzen heran, die seiner Auskunft nach im Wachstum 18 Stunden Licht am Tag benötigen. „Ich schätze, in vier bis fünf Wochen blühen die“, prognostiziert der Hanfhändler. Ob die Pflanzen beim Konsum einmal Wirkung entfalten, könne er jetzt aber noch nicht sagen. „Gerade kann man ihnen weder ansehen, ob sie feminisiert worden sind, noch ob sie THC oder CBD enthalten“, erklärt Roith.

„Auf unsere Streetworkarbeit hat das keinen Einfluss", sagt Marion Santl, Leiterin der Caritas Suchthilfe. - Foto: Hans-Christian Wagner

Direkt neben den Kübeln mit den Hanfpflanzen betreibt die Caritas eine Streetwork-Station, in der es eine Fachambulanz für Suchtprobleme gibt. Trotzdem bleibt Marion Santl, Leiterin der Caritas Suchthilfe, cool. Sie sagt dazu: „Auf unsere Streetworkarbeit hat das keinen Einfluss.“ Etwa sei die von der Polizei entfernte Pflanze direkt vor diesen Räumen von den Klienten kaum wahrgenommen worden. „Zudem wird in den Cafés und Bars in der Nähe unserer Büros auch Alkohol ausgeschenkt, konsumiert und beworben“, erklärt sie. Das sei ein Teil der Gesellschaft. „Unsere Klienten müssen also auch damit zurechtkommen“, verdeutlicht Santl.

Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd aber hat durchaus ein Problem mit dem Gewächs. Sollten die Pflanzen bewusst dort ausgesetzt worden sein, habe der Pflanzer gegen das Konsumcannabisgesetz verstoßen, erklärt er. Marihuana-Pflanzen für den Eigenbedarf dürften nur am eigenen Wohnsitz angepflanzt werden, wenn auch sichergestellt sei, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugriff darauf haben. Weiterhin verweist Reitmeier auf die Regelungen, die den privaten Eigenanbau erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erlauben oder die Weitergabe an Dritte untersagen.

Diese Pflanze im Obermünsterviertel hat schon üppige Ausmaße erreicht. - Foto: Heike Haala

Auch Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, geht davon aus, dass sich hier jemand einen Spaß erlaubt hat. Die Stadt sei auf jeden Fall nicht für diese Art der Begrünung im Obermünsterviertel verantwortlich. Die Pressesprecherin kündigt an, dass der Hanf im Zuge der Pflege entfernt werden soll. Dort bleiben könne er auf jeden Fall nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Cannabispflanzen in öffentlichen Beeten gedeihen. Bereits vor einigen Jahren waren derartige Stauden im Bereich des Bismarckplatzes in die Höhe geschossen. Auch Beratzhausens Bürgermeister Matthias Beer (CSU) hat derartiges Gewächs schon einmal in den Kübeln der Gemeinde entdeckt.