Obermünsterstraße in Regensburg: 2025 müssen die Autos raus – Parkplätze werden gestrichen

Seit einigen Jahren plant die Stadt Regensburg die Verkehrsberuhigung des Obermünsterviertels. Jetzt ist klar: Ab dem Frühjahr sperrt sie die Obermünsterstraße für den Durchgangsverkehr und streicht alle öffentlichen Parkplätze dort.
Im Minutentakt ratterten auch am Dienstagnachmittag die Autos über das Kopfsteinpflaster der Obermünsterstraße, wichen zwischen Freisitzen und parkenden Autos bisweilen auf den Gehsteig aus. Bald soll diese Verkehrssituation ein Ende haben, das wollte die Brücke mit ihrem Antrag „Obermünsterquartier vom Durchgangsverkehr befreien“ erreichen – und im zweiten Versuch ist es ihr am Dienstagabend im Planungsausschuss des Stadtrats gelungen.
Dieser beauftragte die Verwaltung, „umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um den motorisierten Verkehr im Obermünsterquartier erheblich zu reduzieren“. Brücke-Stadtrat Florian Rottke hatte ausgeführt, dass wegen der vielen Fahrzeuge „jeden Tag wieder haarsträubende Situationen entstehen“. Er stellte klar: „Was wir wollen, ist eine sofortige Maßnahme. Parkplätze raus, Durchgangsverkehr weg.“ 2023 war die Brücke mit einem fast gleichlautenden Antrag, den sie aber mit der Forderung nach einem Ende der Durchfahrtssperre am Bahnhof verknüpft hatte, gescheitert.
Obermünsterviertel: Regensburgs OB setzt auf Testphase
Im März 2023 hatte die SPD betont, es gebe keinen Grund, die ohnehin beschlossene Verkehrsberuhigung des Obermünsterviertels vorzuziehen. Damals war sie aber auch in einer Koalition mit der CSU, die die Autos nicht sofort draußen haben wollte. Diesmal machte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) umgehend klar, wie sehr sie sich über den Antrag freue. „Der rennt sogar offene Türen ein, nicht nur bei mir, sondern auch in der Stadtverwaltung“, sagte sie. Zwar habe sie in der Vergangenheit immer darauf verwiesen, dass der Umbau der Obermünsterstraße erst nach der Umgestaltung der benachbarten Grasgasse möglich sei. Aber eine „Vorabmaßnahme“ sei machbar, zur„Testung“.
Wie diese Testphase aussehen soll, skizzierte Lothar Backhaus, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt. Sie beinhalte, dass die Stadt alle bewirtschafteten Parkplätze aus der Obermünsterstraße „herausverlagere“, und zwar ins dafür eigens größer gebaute Parkhaus am Petersweg. Anwohnerparkplätze bleiben. Die öffentlichen Stellflächen sollen Sondernutzungsflächen werden: etwa für Fahrradabstellanlagen, Fahrradreparatur, Leih-E-Scooter, Aufenthaltsflächen, Freisitze für die Gastronomie oder Kübel mit Bäumen oder Blumen. „Die Umsetzung wäre noch in 2025 geplant“, kündigte Backhaus an.
„Die Herausnahme von Stellplätzen ist sofort möglich“
Rottke nannte die Maßnahmen „toll“, pochte aber zunächst auf eine Realisierung „binnen Wochen, nicht Monaten“. Benedikt Suttner (ÖDP) sagte: „Die Herausnahme von Stellplätzen ist sofort möglich.“ Die OB sicherte eine Umsetzung „ab Frühjahr 2025“ zu und erläuterte, der skizzierte Weg sei der schnellste. Würde die Stadt Halteverbotsschilder aufstellen, würde das länger dauern, weil sie das aufwendig begründen müsse.
Ansonsten bekam der Brücke-Antrag viel Lob. Grünen-Fraktionschefin Maria Simon jubelte: „Wir finden es sehr gut, dass die Kurzzeitparkplätze jetzt rauskommen. Jetzt haben wir die politische Mehrheit dazu.“ BSW-Stadträtin Irmgard Freihoffer sagte, dass es nun vorangehe, sei „ein positives Ergebnis der nicht mehr vorhandenen Koalition“. Suttner ergänzte, er freue sich, „dass jetzt ein Umdenken einsetzt“, auch wenn die Verlagerung der Parkplätze seit zehn Jahren beschlossen sei. Die OB erwiderte, alle könnten froh sein, dass sie erst jetzt komme. „ Da wären überall noch Parkplätze. Es war damals noch wesentlich autogerechter geplant.“Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) wandte ein: „Ohne den Umbau wird es keine Aufwertung erfahren.“
Regensburger CSU arbeitet am Programm
CSU-Stadträtin Bernadette Dechant betonte: „Es ist unbestritten: Das Obermünsterviertel muss aufgewertet werden.“ Wenn sie in ihr Büro am Obermünsterplatz radle, erlebe sie ständig, „dass das teilweise ein Himmelfahrtskommando ist, wenn man sich da durchschlängelt“. Auch Dechant hob die Hand für den Brücke-Antrag. Ihre CSU-Kollegen waren da schon weg – zur Arbeit am nächsten Wahlprogramm, wie Fraktionschef Michael Lehner erklärte. Er betonte: „Das ist natürlich ein Schaufensterantrag. Wir haben eh gewusst, dass wir das beruhigen.“ Zudem sei es „vielleicht wirklich nicht verkehrt, dass man etwas ausprobiert“. Nur Gabriele Opitz (FDP) stimmte gegen die Streichung von Parkplätzen, auch wenn es zunächst ein Test sein soll. „Allein mir fehlt der Glaube, dass man so etwas auch zurückbauen will“, sagte sie.
Das Sanierungsgebiet
Beschlüsse: Bereits seit 2011 ist das Obermünsterviertel, zwischen St.-Peters-Weg im Süden, Neupfarrplatz im Norden, der Oberen Bachgasse im Westen und der Fröhlichen-Türken-Straße im Osten, ein „Sanierungsgebiet“. Bereits 2009 hatte der Stadtplanungsausschuss die Verwaltung mit „vorbereitenden Untersuchungen“ beauftragt. Diese stellte damals unter anderem mangelhaft gestaltete Straßen und Plätze, fehlende attraktive Fußwegeverbindungen und eine „erhebliche Konzentration von Vergnügungsstätten“ fest.
Umsetzung: 2012 hielt die Stadt als Ziel fest, das Sanierungsgebiet einer „behutsamen Aufwertung und Weiterentwicklung“ zu unterziehen. Sie eröffnete ein Quartiersbüro, setzte einen Quartiersmanager ein, richtete einen Projektfonds ein und beteiligte die Bürger an der Planung der Gestaltung von Obermünsterplatz und -straße. Doch das Projekt versandete. 2023 vergab die Stadt einen Auftrag für die Freianlagenplanung und Öffentlichkeitsarbeit an ein externes Büro, in diesem Jahr begann die Bürgerbeteiligung von Neuem.