Im Regensburger Obermünsterviertel beginnt der Kampf gegen das Verkehrschaos

Von Jürgen Scharf · 22. Mai 2025 um 17:00

Lange war es angekündigt worden, nun macht die Stadt Regensburg Ernst und nimmt Parkplätze aus dem Obermünsterviertel raus. Das gefällt aber nicht jedem.

Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr ist es soweit. Die öffentlichen Parkplätze in der Obermünsterstraße sind auf einen Schlag weg. Bereits zu Beginn der Woche waren Hinweisschilder aufgestellt worden. Nun macht die Stadt Ernst. Die Reaktionen von Anwohnern, Geschäftsleuten und Vereinsvertretern dazu fallen völlig unterschiedlich aus.

In drei Jahren soll die große Sanierung des Viertels beginnen. Bereits jetzt gibt es aber erste Maßnahmen. Im Rahmen eines „Reallabors“, wie es die Stadtverwaltung nennt, soll erforscht werden, wie eine Verkehrsberuhigung angenommen wird. Und deswegen wurden nun alle öffentlichen und kostenpflichtigen Parkplätze in dem Quartier gestrichen.

OB: „Hier passiert etwas“

„Endlich können wir dem Wunsch vieler Anwohner sowie Gewerbetreibenden nachkommen und die Verkehrsbelastung um ein Vielfaches reduzieren“, wird Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in einer Mitteilung der Stadt zitiert: „Das Obermünsterviertel wird durch die Verkehrsberuhigung und mit viel mehr Grün deutlich schöner. Mit den Sofortmaßnahmen zeigen wir: Hier passiert etwas und die Bürger haben dabei aktiv mitgewirkt.“

Doch denken die Gewerbetreibenden und Anwohner wirklich so? Christine Bergmayer betreibt eine Backwerkstatt in dem Viertel. Sie verfolgt sehr genau, was derzeit alles in der Altstadt passiert: „Und ich sehe das in vielen Punkten durchaus positiv. Es ist sicher gut, wenn man beim Verkehr etwas tut.“ Zuletzt sei ihre Erfahrung gewesen, dass „Hinz und Kunz direkt mitten in die Altstadt reinfahren“. Es müsse aber auch weiter an die Handwerker und Lieferanten gedacht werden, findet sie. Die Lieferzonen, die es jetzt im Obermünsterviertel gibt, seien ihrer Beobachtung nach bereits sehr stark frequentiert: „Ich denke, dass man da vielleicht noch nachlegen müsste.“

Seit mehreren Tagen war mit Schildern auf das kommende Parkverbot hingewiesen worden. - Foto: Jürgen Scharf

Bergmayer kann sich gut erinnern, was Bekannte ihr sagten, als sie mit ihrem Laden in die Altstadt zog. Viele hätten ihr abgeraten. „Nach dem Motto: Da schafft es niemand hin zu dir und du kannst nichts wegbringen und liefern“, erzählt sie. Nun habe bislang zwar alles erstaunlich gut geklappt, es werde aber immer schwieriger, findet sie. Mittlerweile transportiere sie viele Dinge, wenn es noch irgendwie geht, zu Fuß. „So trainiere ich meine Oberarme“, sagt sie mit einem Lachen. Schließlich müsse jeder auch bereit sein, Kompromisse zu machen, „denn es ist einfach schwer, es allen gerecht zu machen, jeder hat eine andere Meinung“. Sie selbst will weiter durchhalten: „Mir gefällt es hier einfach.“

Es ist einfach schwer, es allen gerecht zu machen, jeder hat eine andere Meinung.

Christine Bergmayer, ansässige Geschäftsfrau

Anni Klostermeier vom Bestattungsunternehmen plan b. sieht es durchaus ähnlich. Den freien Parkverkehr habe sie nicht mehr als Vorteil gesehen, „weil es da eigentlich jeden Tag direkt vor unserem Schaufenster zum Verkehrschaos kam“. Deswegen sehe sie die aktuellen Maßnahmen, und wenn dann auch das System der Lieferzonen funktioniere, „eigentlich sehr positiv“.

Auf den ehemaligen Parkplätzen der Obermünsterstraße werden unter anderem Fahrradständer installiert. Ein echtes „Highlight“ sind nach Auffassung der Stadt auch die dort ebenfalls neu aufgestellten mobilen Bäume sowie die bunt gestalteten und begrünten Sitzgelegenheiten. Und ein paar Autostellplätze gibt es im Viertel ohnehin noch, auf dem Obermünsterplatz. Diese können aber nur noch mit Bewohnerausweis benutzt werden. Auch die Zufahrt aus westlicher Richtung aus der Oberen Bachgasse in die Obermünsterstraße wurde mithilfe eines neuen Pollers gesperrt.

Verein fordert noch mehr

Für Achim Hubel, der im Vorstand der Regensburger Altstadtfreunde sitzt, ist der Start der Verkehrsberuhigung im Viertel grundsätzlich zwar „ein Tag der Freude“, es gäbe aber noch einiges zu verbessern, findet er. Sein Verein hatte sich über Jahre hinweg dafür eingesetzt, den Verkehr aus dem Viertel zu verbannen. So sei es von der Stadt auch schon lange versprochen gewesen, sagt er.

Jetzt werden noch einmal die Anwohner befragt, dabei wurde das alles ja schon längst gemacht. Das wie ein Treppenwitz der Weltgeschichte.

Achim Hubel von den Regensburger Altstadtfreunden

Es sei auch angekündigt worden, dass der Obermünsterplatz begrünt wird: „Der wird jetzt aber gar nicht grün, weil ja die Anwohner dort parken.“ Und das es überhaupt noch drei Jahre dauert, bis die Sanierung wirklich losgeht, hat Hubel bereits desöfteren kritisiert: „Jetzt werden noch einmal die Anwohner befragt, dabei wurde das alles ja schon längst gemacht. Das wie ein Treppenwitz der Weltgeschichte.“

Sylvia Wimmer vertritt eine durchaus andere Meinung. Sie wohnt im Viertel. „Prinzipiell ist es gut, dass beim Verkehr hier etwas gemacht wird“, sagt sie. Dieser sei oft „eine Katastrophe“ gewesen, besonders auswärtige Autofahrer ohne Ortskenntnis hätten hier immer wieder komplett den Überblick verloren. Als Anwohner spüre sie aber schon jetzt, dass durch den Verlust der freien Parkplätze „ein Stück Flexibilität“ verloren geht. Die Parkplatzsuche sei ohnehin stets äußerst schwierig, die Anwohnerparkplätze sind umkämpft. Immer wieder sei einer der öffentlichen Parkplätze ein Rettungsanker gewesen, „auch wenn ich da bezahlen musste“. Die gibt es aber jetzt nicht mehr. Sie und ihre Familie werden sich vorerst nun damit arrangieren müssen, langfristig werden sie aber Konsequenzen ziehen: „Wir werden wegziehen.“