Mehr als 20 Stiche: Drogenabhängiger greift Kumpel in Regensburg mit Schere an

War es eine Attacke im Drogenwahn? Ein 26-Jähriger sticht in Regensburg wie von Sinnen von hinten zu und lässt erst von seinem Opfer ab, als es sich nicht mehr rührt. Die Polizei kann den Mann im November 2023 erst mit Pfefferspray stoppen. Nun soll er vor Gericht.
Aus dem Nichts rammt er einem 41-Jährigen zweimal eine Schere in den Hals. Es folgen rund 20 weitere Stiche, bis sich der andere nicht mehr rührt – so rekonstruierten Ermittler eine Tat, die am 12. November in der Landshuter Straße erst mit einem Großeinsatz der Polizei beendet wird. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Womöglich war es eine Bluttat im Drogenwahn.
Der angeklagte Deutsche und das spätere Opfer kannten sich offenbar. Vor der blutigen Attacke sollen sie gemeinsam Crystal Meth konsumiert haben. Dann brachen sie wohl zu einer nahen Tankstelle auf. Das haus verlassen hatte am Ende nur der Jüngere – direkt nachdem er wie von Sinnen auf den anderen Mann eingestochen haben soll. Ein psychiatrisches Gutachten attestiert ihm verminderte Schuldfähigkeit, ausgelöst durch den Konsum der verhängnisvollen Droge. Das bestätigte auch Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher.
Anklage bereits zugelassen, Prozess steht an
Wie der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft erklärte, wird dem 26-Jährigen versuchter Mord sowie gefährliche und versuchte schwere Körperverletzung zur Last gelegt. Zu Details des Falls verwies Rauscher ans Landgericht, das für die Zulassung der Anklage, den Prozess und auch Auskünfte zuständig sei. Die Sprecherin Ruth Koller bestätigte auf aktuelle Nachfrage: „Das Schwurgericht hat die Anklage unverändert zugelassen.“
Was genau in der Wohnung in der Landshuter Straße geschah und ob es einen Auslöser für die Bluttat gab, wird sich womöglich im Verfahren klären. Fest steht bislang nur: Die ganz normale Haushaltsschere soll der 26-Jährige schon von dort mitgenommen haben, als sich die beiden Männer auf den Weg zur Tankstelle machten. Von hinten soll es dann noch im Hausgang der Wohnanlage zu dem folgenschweren Angriff gekommen sein. Laut der Rechtsmedizin verfehlten die insgesamt fast zwei Dutzend Stiche die Halsschlagader des Älteren nur äußerst knapp.
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Die Polizei alarmierten an jenem Dienstag im November vergangenen Jahres offenbar Nachbarn, die den Vorfall mitbekommen hatten. Nach deren Notruf gegen 23 Uhr lief sofort ein Großeinsatz in der Landshuter Straße an – der mutmaßliche Täter konnte, die Schere noch in den Händen, direkt vorm Haus gestellt werden. Ans Aufgeben dachte er zunächst aber wohl nicht: Erst, als die Polizisten gegen den 26-Jährigen zum Pfefferspray griffen, warf der Mann das Tatwerkzeug schließlich auf den Boden und ließ sich von den Beamten dann auch festnehmen.
Schwurgericht hat mit Mordverfahren viel zu tun
Seitdem wartete der Deutsche in Untersuchungshaft auf seinen Prozess vor dem Regensburger Landgericht. Sehr wahrscheinlich, dass das noch im Sommer ein Ende hat. Zunächst hat das Schwurgericht mindestens drei andere Fälle, bei denen ebenfalls lebenslängliche Haftstrafen im Raum stehen, abzuarbeiten: Einmal gegen einen Mann aus Afghanistan, der in Lappersdorf (Lkr. Regensburg) seine Frau aus dem Fenster gestoßen haben und dann geflohen sein soll.
Zwei weitere Hauptverhandlungen, einmal gegen vier Angeklagte, die versucht haben sollen, in einer Pflegeeinrichtung im Landkreis Cham mehrere Senioren zu töten, und gegen den früheren Arzt des Krankenhauses in Kelheim, dem selbiges zur Last liegt, laufen bereits seit längerem.