Messerangriff in Regensburg: Zweite Verhaftung nach Mordversuch in Wettbüro

Nach der Attacke im Dezember in einem Regensburger Wettbüro nimmt die Kripo einen 25-Jährigen fest, der den Tatort im Stadtosten ausgekundschaftet haben soll. Von Bezügen zu einer Terrormiliz in Somalia, denen der Angreifer angehören will, wissen deutsche Behörden nichts.
Mit einem Messer bewaffnet stürmt ein Mann am 3. Dezember in ein Wettbüro in Regensburg. Es war in nur 22 Tagen die dritte, von Ermittlern als versuchter Mord eingestufte Attacke in derselben Straße. Bei der Bluttat im Wettbüro ist die Regensburger Kripo mittlerweile einen Schritt weiter: Es gab eine zweite Verhaftung. Offenbar soll der Angreifer, ein 28-jähriger Äthiopier, einen Komplizen gehabt haben.
Nach einem Notruf rückt die Polizei an jenem Dienstagabend mit einem Großaufgebot an. Am Tatort in der Landshuter Straße finden die Streifenbeamten gegen 17.25 Uhr zwei verletzte Männer vor. Sie sind wohl mit einer Stichwaffe attackiert worden. Das bestätigt sich, als erste Augenzeugen zu dem Vorfall angehört sind. Eine Polizei-Großfahndung rund um den Tatort verläuft zunächst ergebnislos. Später geht der mutmaßliche Messerstecher den Beamten aber doch ins Netz.
Mutmaßlicher Täter ist über Stunden auf der Flucht
Der 28-Jährigen aus Äthiopien wird einige Stunden nach der Tat im Wettbüro verhaftet. Der Zugriff erfolgte laut einer Polizeisprecherin in der Innenstadt. Tags darauf erlässt die zuständige Ermittlungsrichterin Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen ihn. Ein 27-Jähriger wird bei dem Angriff schwer verletzt, ein zwei Jahre jüngerer Mann nur leicht – er war dem anderen offenbar zu Hilfe gekommen und hatte den Täter in die Flucht geschlagen.
Seit Mitte Februar, das bestätigte die Regensburger Staatsanwaltschaft auf Nachfrage, hat er Gesellschaft: In selber Sache wurde nämlich ein 25-Jähriger verhaftet und kam in U-Haft – wegen Beihilfe zum versuchten Mord und gefährlicher Körperverletzung. „Dem Mann wird vorgeworfen, das Wettbüro ausgekundschaftet zu haben“, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher, der Sprecher der Behörde. Womöglich könnte er dem Angreifer vor der Tat Bescheid gegeben haben, dass das Ziel der Messerattacke vor Ort ist.
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Die genauen Hintergründe der Tat sind laut Rauscher „nach wie vor unklar“. Er bestätigte allerdings, dass es wohl in den Tagen zuvor bereits zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen war. Details dazu wollte die Staatsanwaltschaft noch nicht preisgeben, um die laufenden Ermittlungen in dem Fall nicht zu gefährden. Ob und bis wann mit einer Anklage zu rechnen sei, ließe sich derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen.

Recherchen der Mediengruppe Bayern ergaben, dass der Äthiopier offen damit prahlt haben soll, Mitglied der Terrororganisation al-Shabaab zu sein. Das ist eine radikale islamistische Bewegung, die Teile im Süden Somalias kontrolliert und dort eine strenge Form der Scharia durchgesetzt hat. Der Miliz werden zudem eine Vielzahl von Anschlägen mit Dutzenden Toten zugeschrieben, zuletzt im Juni 2023, als beim Angriff auf ein Strandhotel in Mogadischu zahlreiche Menschen getötet wurden.
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Den deutschen Behörden ist im Zusammenhang mit der Messerattacke im Regensburger Wettbüro „kein irgendwie gearteter Terrorbezug bekannt“, hieß es. Wahrscheinlicher könnte hingegen sein, dass der Beschuldigte und der Geschädigte schon länger im Clinch miteinander lagen. Der Angriff vom 3. Dezember könnte demnach eher eine „Antwort“ auf eine Auseinandersetzung in der Woche vor der Tat gewesen sein, von der die Ermittler der Kripo wissen.
Zwei weitere Fälle in derselben Straße in Regensburg
Die Attacke im Wettbüro war kein Einzelfall: Ende vergangenen Jahres erschüttern drei Bluttaten die Menschen in Regensburg. Alle Fälle sind als versuchte Morde dokumentiert und spielen ausnahmslos in der Landshuter Straße. Die Schauplätze liegen nur wenige Hundert Meter weit auseinander. Am 12. November verletzte ein 41-Jähriger einen anderen mit einer Schere schwer. Nur 12 Tage später soll ein 44-Jähriger versucht haben, eine Prostituierte zu erwürgen. Beide Tatverdächtige sind Deutsche und sitzen in U-Haft. Eine Verbindung der Fälle gibt es laut Polizei ausdrücklich nicht.