Zu viel oder zu wenig Fachkräfte? Sana-Beschäftigte im Streik beklagen Personalmangel

Gibt es bei den Sana-Kliniken im Landkreis Cham zu wenig oder genug Pflegefachkräfte? Das ist eine Frage, die je nach Sichtweise im Unternehmen ganz kontrovers gesehen wird.
Die einen gehen davon aus, dass sie „überdurchschnittlich“ mit Fachkräften versorgt sind. Die anderen stöhnen, weil ihnen nach eigenen Aussagen die Arbeit über den Kopf wächst und sie nicht einmal mehr frei nehmen können. Was ist richtig?
Die Sana-Beschäftigten beklagten zuletzt beim Treffen in den Streikphasen, dass zu wenig Kolleginnen und Kollegen da sind – stattdessen immer mehr Honorarkräfte die Arbeit auf den Stationen machen. Die Sana-Kliniken verweisen dagegen auf den Bundesklinikatlas, wonach die Chamer Krankenhäuser beim Personal mit „überdurchschnittlich“ angegeben werden.
Wortmeldungen zur Lage
Bei der Streikversammlung in der Stadthalle gab es schon verzweifelt und auch sauer klingende Schilderungen zu dem Thema. Die Normalbesetzung an Pflegekräften sei so gering, dass nur die gesetzliche Mindestversorgung mit Fachkräften möglich sei und die Häusern damit bei dieser Sichtweise zum schlechtesten Viertel bei den Kliniken in Deutschland gehören, hatte ein Verdi-Vertreter erläutert.
Mehrere Stimmen aus den Mitarbeiterreihen beklagten, dass sie nicht einmal mehr ihren normalen Freizeitanspruch wahrnehmen könnten, da sie dauernd einspringen müssten, um Lücken im Pflegenetz zu schließen, die durch Personalmangel oder auch Krankheit entstehen.
Viele Pflegefachkräfte – auch ältere Kollegen und Kolleginnen, die schon lange da seien – würden das Haus deshalb und wegen der schlechteren Bezahlung im Vergleich zu den umliegenden Häusern verlassen. Zudem wurde beschrieben, dass der Normalbetrieb auch in der Pflege nur durch Honorarkräfte aufrecht erhalten werde, die das Unternehmen viel Geld kosten und immer mehr würden.
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„Die Aussage, wir würden auch im Regeldienst zu wenig Mitarbeiter einsetzen, ist eine Falschdarstellung“, schreibt Constanze Kumpf, die Sana-Sprecherin. Sie verweist dazu auf die unter der Internetadresse bundes-klinik-atlas.de öffentlich einsehbaren Kennzahlen der Bundesregierung. Dort werde der Pflegepersonalquotient für die Sana Kliniken im Landkreis Cham mit „überdurchschnittlich“ angegeben. „Auch während der Streikmaßnahmen ist uns dieser Mindeststandard sehr wichtig, weshalb wir diesen auch eingefordert haben“, so Kumpf. Tatsächlich sei diese pflegerische Besetzungshöhe kein Selbstläufer gewesen, sondern habe gegenüber Verdi durch intensive Gespräche mit anwaltlicher Begleitung eingefordert werden müssen.
Sana spricht von geringer Wechselquote bei Mitarbeitern
„Auch bezüglich des Einsatzes von Leiharbeitern dürfen wir darstellen, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG bereits 2020 veröffentlicht hat, dass auf Allgemeinstationen durchschnittlich 5,3, auf Intensivstationen 4,6 Vollzeitkräfte eingesetzt werden“, teilt Constanze Kumpf zum Thema Honorarkräfte mit, und weiter: „Wir setzen aktuell etwa eine Vollzeitkraft pro Station ein.“ Richtig sei, dass in allen Kliniken in Deutschland Leiharbeiter in der Pflege eingesetzt würden – „übrigens völlig unabhängig von der Frage Haustarif oder Flächentarif.“ Und sie zieht am Schluss ein Fazit, das dem Bild, das die Mitarbeiter wiedergegeben haben, entgegensteht: „Im Vergleich zu Kliniken im Umfeld haben wir eine relativ geringe Wechselquote, wenig Leiharbeit und überdurchschnittlich viele Pflegekräfte.“
Karsten Straßburger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Intensivpfleger erklärte dagegen, dass es hier auf die Zählweise ankomme. Beim Klinikatlas werde jedes Personal gezählt – von der Stationsleitung bis zum Schüler, womöglich Praktikanten. „Darauf ergibt sich etwa für den Frühdienst auf Station, dass drei Fachkräfte da sind. Doch gezählt wird da auch die Stationsleitung, die viele andere Aufgaben habe als die Patientenversorgung“, so Straßburger. Daraus ergibt sich für ihn die Bewertung „überdurchschnittlich“, was sich aber im Klinikalltag nicht abzeichne. Insgesamt gesehen sei es etwas besser geworden, doch teilweise müsse noch viel eingesprungen werden, da die Krankheitsrat unter den Kolleginnen und Kollegen hoch sei. „Das ist auch ein Ausdruck für den Teufelskreis, der mit zu wenig Fachpersonal beginne“, sagt Straßburger.
Belastung der Mitarbeiter durch Lücken im Personal?
Das liege zum einen an fehlenden Pflegefachkräften, denn bei Sana seien nicht alle Stellen besetzt. Dadurch und durch Krankheitsfälle würden die Fachkräfte, die da seien, durchs Einspringen in Lücken mehr belastet. Diese Mehrbelastung führe dann wieder zu mehr Ausfällen, weil man da an Leistungsgrenzen stoße.
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Die gesetzlich vorgeschrieben Personaluntergrenzen für das Pflegepersonal im Krankenhaus würden eine Mindestbesetzung je nach Anzahl der Patienten vorschreiben. Ein Viertel aller Krankenhäuser arbeitet laut Verdi mit dem diesem Minimum und seien damit die aus Pflegesicht am schlechtesten ausgestatteten Kliniken.
Vor allem im Schichtdienst fehlen oft Fachkräfte. Hier hat etwa der BKK Klinikfinder des Dachverbands der Betriebskrankenkassen auch für die Sana Kliniken im Landkreis Cham nach aktuellen Zahlen eine Nichterfüllung der Pflegepersonaluntergrenzen festgestellt.