Spannung bis zum Schluss: eSport Cup zieht mehr als hundert Spieler in den Chamer Sparkassensaal

Der eSport Cup 2025 im Chamer Sparkassensaal hat einmal mehr gezeigt: Der virtuelle Wettkampf ist im Bayerwald angekommen. Mehr als 100 Spieler aus dem gesamten Landkreis traten im Spiel FC25 gegeneinander an. Den Titel sicherte sich ein Verein, der in den letzten Jahren nur selten für sportliche Glanzpunkte gut war.
Die letzten Spielsekunden laufen noch, doch es ist entschieden. Der FC Schalke 04 hat es tatsächlich geschafft, den Titel zu verteidigen. Im Finale lassen die Königsblauen das starbesetzte Team der französischen Nationalmannschaft vor rund 50 Zuschauern kaum an den Ball kommen – am Ende steht es 1:0.
Schon vor dem Schlusspfiff steht Max Klein auf. Dann legt er den Playstation-Controller zur Seite. Bis gerade eben war sein Blick konzentriert auf den Flachbildschirm im Chamer Sparkassensaal gerichtet. Gemeinsam mit seinem Bruder Korbinian holt er sich die Glückwünsche der Finalgegner ab. Die Zuschauer auf den Stühlen und Sitzsäcken klatschen. Von draußen dringen einzelne Sonnenstrahlen durch die Vorhänge in den hell erleuchteten Raum.
Die Klein-Brüder sind die Sieger des eSport Cup 2025. Ihr Preis: ein goldfarbener Wanderpokal und 500 Euro. Eines wird am Samstagnachmittag einmal mehr deutlich: Die virtuellen Wettkämpfe sind längst auch in Deutschland und damit auch im Landkreis Cham angekommen.
In 60 Ländern anerkannt
Schätzungen des eSport-Bundes Deutschland (ESBD) zufolge betreiben hierzulande rund drei Millionen Menschen eSport – Leute, die sich nur zum Zeitvertreib an die Konsole setzen, nicht eingerechnet. Vertreter so manch anderer Sportart wären neidisch. In 60 Ländern wird der eSport auch offiziell als Sportart anerkannt, darunter in den USA, China, Großbritannien und Frankreich. Der Deutsche Olympische Sportbund ist derzeit dagegen.
Das Turnier in Cham ist jedenfalls in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Das wird auch bei einem kurzen Spaziergang über den Parkplatz deutlich. Cham, Roding, Waldmünchen, noch einmal Cham, Bad Kötzting – die Kennzeichen kommen aus dem ganzen Landkreis. Und sie hätten noch von viel weiter weg kommen können, wie Christoph Muhr von der Sparkasse erzählt. Demnach fragten auch professionelle Spieler an, ob sie mitspielen könnten. Das Organisationsteam entschied sich dagegen.
Auf dem virtuellen Rasen gibt es keine Verletzungen
Dem Turnier dürfte das kaum geschadet haben. 55 Zweierteams sind pünktlich um 14 Uhr vor den Playstations versammelt. Mehr als doppelt so viele wie bei der Erstauflage 2023. Gespielt wird FC25 – eine Fußballsimulation – im sogenannten 95er Modus. Der bedeutet im Endeffekt nur, dass jeder Spieler jedes Teams gleich stark eingestellt ist. Außerdem sind Verletzungen „deaktiviert“ – so mancher Bayernfan dürfte neidisch sein.
Die Spieler sind größtenteils zwischen zwölf und Mitte 20. Viele sind in Trikots unterwegs. Bei den Jüngeren dominiert der FC Bayern. Einer hat sich gar die Initialen von Bayernstürmer Harry Kane in die Frisur einrasieren lassen. Bei den etwas älteren fallen David und Philipp mit zwei Trikots des FC Barcelona auf. Sie spielen mit Real Madrid – dem Erzrivalen Barcelonas. Ihr Teamname: „Real Litätsverlust“. „Das ist das einzige Trikot, das wir beide haben“, erklären sie im Anschluss an ihr Spiel auf der Hauptbühne.
Dort ist eine der mehr als 20 Spielstationen aufgebaut. Die Besonderheit: Es wird auf einer großen Leinwand übertragen und von Moderator Florian von Stackelberg kommentiert. „Pele hat das eins gegen eins gegen Pedri, aber er kriegt ihn nicht vernascht“, klingt es da aus den Lautsprechern. Auf der Konsole ist das tatsächlich möglich.
Intensive Vorbereitung
„Die Ereignisdichte ist unglaublich hoch. Es fallen super viele Tore, es passiert die ganze Zeit was. Das macht richtig Spaß“, beschreibt von Stackelberg die Besonderheit des eSports. „Man muss das Spiel kennen, man muss sich in der Fußballwelt unglaublich gut auskennen und man muss sehr up-to-date sein“, sagt der Moderator zu seiner Vorbereitung. Auch das Vokabular ist etwas anders – Tricks wie der Rainbow Flick kommen in der Bundesliga schlicht seltener vor.
32 Teams qualifizieren sich für die KO-Phase. „Ab jetzt gilt: Siegen oder Fliegen“. Ein Team gibt zu früh auf: „Wenn hier im Haus der FC GoingtoLoose ist, soll er sich bitte melden, sonst ist er ausgeschieden.“ Der FC meldet sich nicht. Anders die Titelverteidiger Maximilian und Korbinian Klein. 31:0 lautet ihr Torverhältnis nach der Gruppenphase.
Enge Partien in der KO-Phase
Auch im KO-Wettbewerb ist die Atmosphäre auffällig fair: Kämpfen, zittern, freuen, abklatschen, nächste Runde, Feierabend. Vielerorts geht es sehr spannend zu: Unentschieden, Verlängerung, Elfmeterschießen – Nervenkrimi. „Wir haben uns selber dabei ertappt, dass wir voll mitgefiebert haben“, gibt Christoph Muhr zu.
Im Halbfinale wird es auch für die Klein-Brüder eng. Früh gehen sie in Rückstand. Das Tor zum erlösenden 3:2 fällt erst in der Nachspielzeit. „Da waren wir schon ziemlich erleichtert“, sagt Korbinian später. Der Siegerpokal steht da bereits vor ihm. Mit dem Preisgeld soll es mit Freundinnen und Freunden zum Essen gehen. Was übrig bleibt, soll dann in einen Mailand-Besuch fließen, so der 18-Jährige.
Auch im nächsten Jahr soll der eSport Cup Christoph Muhr zufolge wieder ausgetragen werden. Für Max und Korbinian Klein steht dann der Titel-Hattrick auf dem Programm.

