Chams Polizei hat 930 Straftaten aufgeklärt und glänzt mit 75,9 Prozent Aufklärungsquote

Von Johannes Schiedermeier · 3. April 2025 um 15:00

Der Landkreis Cham hat immer schon zu den sichersten in Bayern gehört. Die Polizeiinspektion Cham beweist mit ihrem Sicherheitsbericht 2024, dass man die Dinge aber noch toppen kann. Denn eine Aufklärungsquote von 75,9 Prozent hat es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie gegeben. Woran das liegt, haben Chams Polizei-Chef Stefan Gürster und sein Vize Marco Müller erklärt.

1226 Straftaten hat die Polizei 2024 im Inspektionsbereich registriert. 930 davon sind aufgeklärt. Das sind gleich zwei gute Nachrichten auf einmal: Die Zahl der Straftaten ist nämlich um 2,8 Prozent rückläufig, während die Aufklärungsquote um 1,23 Prozent gestiegen ist. Bayernweit liegt die Aufklärungsquote bei 64,9 Prozent, in der Oberpfalz bei 73.

Geheimnis: Schnelle Infos

Auf die Frage nach den Gründen hat Stefan Gürster gleich ein mehrfaches Lob: „Das liegt zum einen an der supertollen und akribischen Aufklärungsarbeit der Beamten und an den tollen Mitteilungen der Bürger.“ Zusätzlich sei auch noch eine äußerst effektive Spurensicherung zu nennen. Marco Müller bestätigt, dass im Inspektionsbereich das Verhältnis zwischen Bürgern und Polizei hervorragend sei. „Wir werden oft sehr schnell informiert“, sagt der Vizepolizei-Chef und nennt ein Beispiel vom Vortag, als ein Zeitungsträger die Polizei angerufen hatte, weil ein Mann seine Frau am Chamer Bahnhof verprügelt hat: „Das hatte die unmittelbare Festnahme zu Folge. Auf so etwas sind wir angewiesen.“

Was die Chamer Polizei auch noch stark macht, sind ihre guten Vernetzungen. Die Inspektionen im Landkreis helfen sich untereinander schnell und effektiv aus, wenn einmal Not am Mann ist. Bei Großveranstaltungen können sich die Chamer auf Verstärkungen aus dem Präsidium oder von der Bereitschaftspolizei verlassen.

Außerdem haben sich Beamte auf den verschiedensten Feldern spezialisiert. So gibt es zwei, die den ganzen Tag über mit den Auswirkungen der ständig steigenden Cyber-Kriminalität beschäftigt sind. Es gibt einen Kontaktbeamten, der bestens vernetzt ist mit dem Verfassungsschutz der Kripo Regensburg und unter anderem die rechtsextremen Umtriebe im Umfeld im Auge behält. Technisch gut geschulte Beamte beobachten Auswüchse in der Poser-Szene.

Ein Szenebeauftragter pflegt besten Kontakt zum Viertligisten DJK Vilzing. „Wenn wir Spiele haben, die von den Kollegen aus den Gastvereinen als Risiko eingeschätzt werden, dann können wir uns gezielt darauf vorbereiten“, sagt Gürster.

Schwerpunkte, aber kein Hotspot

Das alles kann die Inspektionsleitung mit Statistiken belegen. Besonders betrifft den Bürger die Straßenkriminalität, weil er die öffentlich erleben kann, wenn er Pech hat. 134 Straftaten waren es 2024. Das sind 19 weniger als noch im Vorjahr. Auch in Cham gibt es Plätze, an denen das Sicherheitsempfinden der Bürger leidet: das Parkdeck am Floßhafen mit seinen Rasern, die Szene, die sich nach Einbruch der Dämmerung auf den Stadthallen-Terrassen, am Volksfestplatz, auf der Quadfeldmühle oder im Stadtpark trifft. Die Polizei steuert hier mit gezielten Streifen und der Sicherheitswacht gegen, sagt Gürster.

Allerdings gebe es bei weitem keinen Hotspot in der Stadt und deswegen auch keine Begründung, irgendwo einen „gefährlichen Ort“ auszurufen, wie es in Regensburg im Umfeld des Bahnhofs passiert ist. „Das rechtfertigt die Zahl der Straftaten bei weitem nicht“, so Gürster.

Allerdings ist die sichere Stadt Cham im sicheren Landkreis Cham der unsicherste Ort. 1005 Straftaten haben sich 2024 im Bereich der Stadt ereignet. Dann sackt die Kriminalitätsbelastung im Inspektionsbereich vergleichsweise ins Bodenlose: Den nächsten Platz belegt die Gemeinde Traitsching mit 47 Straftaten. Gefolgt von Weiding (40), Willmering (28), Runding (25) Waffenbrunn (15) und Pemfling (12).

Weniger Hauseinbrüche

Die neue Gesetzgebung für Cannabis hat auch im Bereich der Inspektion Cham zu einem erheblichen Rückgang der registrierten Drogendelikte der Straftaten auf dem Drogensektor. 2024 wurden 80 Rauschgiftdelikte aufgeklärt. Im Vorjahr waren es noch 151 gewesen.

Außerdem wurden 267 Diebstähle angezeigt. 2023 waren es 316. Die Diebstähle sind wie die Drogen-Straftaten zu weit über 90 Prozent sogenannte „Kontrolldelikte“ – sie sind praktisch schon aufgeklärt, wenn die Polizei zugezogen wird.

Erfreulich ist der Rückgang der Wohnungseinbrüche um 55 Prozent auf neun Fälle. „Das ist immer besonders gravierend, weil das Sicherheitsempfinden der Bürger in ihren eigenen vier Wänden leidet und das einen schweren Eingriff ins Leben des Hauseigentümers darstellt“, erklärt Gürster. Auch der Anteil der schweren Diebstähle sank von 85 auf 77.

Steter Anstieg bei Cyber-Kriminalität

Einen steten Anstieg gibt es aber seit Jahren im Bereich der Cyber-Kriminalität, bei Fälschungen und Täuschungen. Die Inspektion Cham hat dafür zwei spezialisierte Beamte. „Die sind den ganzen Tag gut beschäftigt“, sagt der Inspektionsleiter. Auch 2024 gibt es hier wieder einen Anstieg um 27,6 Prozent auf 171 Fälle.

„Es geht ganz oft um irgendwelche superbillige Schnäppchen, die dann nach Überweisung auf ein Auslandskonto nie geliefert werden“, sagt Gürster. Er rät zu extremer Vorsicht bei Dingen, die ganz besonders preiswert erscheinen. Die Fakeseiten seien oft täuschend echt, auch der sogenannte Enkeltrick funktioniere ab und zu immer noch.

Der Bundestrend zu steigender Straffälligkeit bei Kinder und Jugendlichen ist in Cham nicht angekommen. Unter den Tatverdächtigen sind 27 Kinder unter 14 und 58 Jugendliche bis 18 Jahre, 67 Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) und 592 Erwachsene ab 21. Davon waren 590 männliche Tatverdächtige und 154 weibliche. Insgesamt wurden 245 ausländische Tatverdächtige ermittelt, von denen 198 Männer waren.

Der Anteil der Ausländer an den Gesamtverdächtigen liegt gleichbleibend bei 32,9 Prozent. „Es verändert sich derzeit an diesem Gesamtbild kaum etwas“, so Gürster. Die Zahl der Taten sei mit verschiedenen kleineren Ausreißern teils auch durch Corona seit 2013 kontinuierlich von 1800 bis 1226 gesunken.

Demos, Konzerte, Fußball

Vize-Polizeichef Marco Müller gab einen Überblick über die Einsatzlage. Es habe 64 Versammlungen und 50 sonstige Veranstaltungen gegeben, die von der Polizei geschützt worden seien. Das reiche von dem runden Dutzend Montagsmarschierern über die Bauern-Proteste und die Demos der Klinik-Mitarbeiter bis hin zur „Cham bleibt bunt“-Demo und dem Festival mit Leonie. Die Polizei habe aber auch neun Fußball-Heimspiele der DJK Vilzing begleitet, die 2024 allesamt problemlos verlaufen seien. Insgesamt habe die Polizei – alle auswärtige Kräfte eingerechnet – dabei 3000 Einsatzstunden verbracht. Die Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Blaulichtfamilie beurteilten Gürster und Müller übereinstimmend: „Bemerkenswert gut.“