Neue Zeiten für das Passfoto: Ab 1. Mai stehen die ausgedruckten Bilder vor dem Aus

Von Johannes Lesser · 7. April 2025 um 15:30

Neue Regeln für Passfotos: Ab 1. Mai müssen die direkt vom Fotografen auf einen digitalen Speicher hochgeladen werden. Ohne Aufsicht schnell die Bilder in der Fotobox aufnehmen oder mit einem älteren Ausdruck zum Amt gehen, diese Zeiten sind bald vorbei. Das sagen die Chamer Fotografen dazu.

Es ist halb 1 an einem normalen Mittag im Chamer Regentalcenter. Die einen drängen in einer kleinen Schlange vor dem Dönerladen, die anderen streben in Richtung Supermarkt. Die graue Box mit dem orangefarbenen Hocker vor dem Eingang beachtet niemand. Ab dem 1. Mai könnte sie für eine Kernfunktion in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Dann nämlich treten bundesweit neue Vorschriften für das Erstellen und Übertragen von Passbildern in Kraft – auch zum Schutz gegen Fälschungen und Manipulationen.

Extra Zertifikat erforderlich

Das trifft auch den Landkreis Cham. Michael Bücherl, Leiter das Ordnungsamts in der Kreisstadt, erklärt, was genau künftig anders sein wird: „Soll das Lichtbild für ein Ausweisdokument verwendet werden, muss der Fotograf ab dem 1. Mai das angefertigte Lichtbild in einer gesicherte Cloud hochladen. Der Fotodienstleister benötigt dafür eine Zertifizierung beim Bundesamt für Informationstechnik (BSI).“

Bislang mussten die Fotos immer ausgedruckt und händisch zum Rathaus gebracht werden, in dem sie dann wiederum digitalisiert wurden. Dieser Schritt fällt jetzt weg. Stattdessen erhalten die Bürger „den Ausdruck eines Data-Matrix-Codes“, so Bücherl. Das klingt im ersten Moment eher nach Science-Fiction-Roman als nach Behördenarbeit.

Fehlende Übergangsfristen

Doch dahinter verbergen sich lediglich einige schwarz gefärbte Kästchen auf weißem Untergrund – ähnlich den gängigen QR-Codes. Mit ihnen gelangt die jeweilige Behörde zielsicher zum gespeicherten Foto, ganz digital und ohne Qualitätsverlust. „Medienbruchfrei“ nennt das das Bundesinnenministerium (BMI).

Frank und Daniela Hübler vom Fotostudio Baumann in der Chamer Innenstadt bewerten die Umstellung auf das digitale Verfahren als positiv – „weil es schonmal technisch keinen Sinn macht, digital zu fotografieren und ein analoges Produkt von Hand zu transportieren, um dieses später wieder zu digitalisieren.“ Eine Hürde seien jedoch die „fehlenden Übergangsfristen“. Für die Fotografen sei die Umstellung zudem „auf jeden Fall ein Mehraufwand“, sagt Simone Kierst vom Fotostudio Rothbauer in Cham.

Neben dem Besuch beim Fotografen wird es künftig eine weitere Möglichkeit geben, Passbilder machen zu lassen: in den Behörden selbst. Dafür werde für jedes Bild „zusätzlich zum Dokumentenpreis eine Gebühr erhoben“, erklärt Bücherl. Laut BMI beträgt diese bundesweit sechs Euro. Die Bundesdruckerei stellt das Aufnahmegerät zur Verfügung. Alleine ist man allerdings auch bei diesem Verfahren nicht. Ein Behördenmitarbeiter beaufsichtigt die Antragsteller. Berichten zufolge war es ursprünglich sogar geplant, Passbilder ausschließlich auf diese Art zuzulassen. Eine Fotografenvertretung schritt demnach jedoch ein und verhinderte ein solches Szenario.

Gründe für den Fotografen

„Wer ein hochwertiges Passbild will, geht weiterhin zum Fotografen“, zeigt sich Frank Hübler zuversichtlich. Zudem stehe der Betrieb in der Chamer Innenstadt „auf mehreren Füßen“. Das Angebot der Fotografen sei in der Breite besser aufgestellt. Dazu zählt beispielsweise die Möglichkeit, die Fotos zusätzlich auszudrucken und so für weitere Dokumente wie Führerschein, ein Visum oder Krankenkassenkarten zu verwenden.

Zudem hebt er den Vorteil bei speziellen Anforderungen, wie beispielsweise bei Babys, Kleinkindern oder Brillenträgern hervor. Bei Simone Kierst machen schon jetzt „70 Prozent gleich das Kombi-Set“, das neben den biometrischen Bildern beispielsweise auch Bewerbungsfotos beinhaltet. Darüber hinaus dürfe sich der Kunde am Bildschirm die Bilder aussuchen. Dennoch werde die neue Regelung „das Ladengeschäft verändern“, räumt Kierst ein.

Auch die ersten Drogerien haben sich auf die neuen Regeln eingestellt. Darunter die Kette dm, bei der das neue Verfahren ab dem 1. Mai möglich sein soll, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der technische Ablauf ist dann ähnlich dem bei den Fotografen.

Sorgt dieses neue Konzept für neue Probleme für die Stadtverwaltung? Wenn es nach Michael Bücherl geht, nicht. Abgesehen von einem Mehraufwand in der Anfangsphase „werden bei der Umsetzung keine größeren Schwierigkeiten erwartet“, sagt er.