Bilanz der Beschäftigten: „Das Signal von vier Tagen Warnstreik ist angekommen!“

Der Start in die vier Tage Warnstreik begann eiskalt – dem Wind und Wetter trotzend zogen 250 Sana-Beschäftigte am Dienstag durch Cham. Vielleicht hielt sie der Gedanke ans Ziel warm: der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) mit seinen Vorzügen. Der ist auch an diesem Freitag noch nicht in Sicht – doch bei Kaffee in trauter Streikrunde fiel die Streikbilanz positiv aus.
„Die Stimmung ist gut und, wir sind weiter streikbereit!“, sagt Karsten Straßburger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Sana-Beschäftigten und verweist auf die 75 Prozent Streikbereitschaft, die eine Umfrage vorweg ergeben hatte. Mit den vier Tagen Streik am Stück haben die Sana-Beschäftigten das nächste Premieren-Lehrstück rund ums Thema Arbeitskampf hinter sich.
Sieben Tage Streik?
Die nächste Stufe seien sieben Tage Streik, sagt Straßburger – und auch einem Erzwingungsstreik sieht er gelassen entgegen. Es sei längst überfällig, die Lohnlücke zu anderen Kliniken zu schließen, betont er. Auch, weil die eigenen Fachkräfte den Chamer Kliniken den Rücken kehren. Selbst im eigenen Haus habe man die Konkurrenz mit der Medbo-Einrichtung des Bezirks nebenan, die TVöD zahle wie auch die anderen Kliniken im Umfeld. Bei ihm seien das etwa 300 Euro brutto, die zum TVöD fehlen würden.
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„Wir haben hier bei uns eine Medizin auf hohem Niveau – doch ohne entsprechende Fachkräfte bringt das nichts. So etwas muss ja auch bespielt werden!“, sagt der Intensivpfleger. Und er weist darauf hin, dass die Kliniken im Landkreis Cham früher einmal den TVöD gehabt hätten, bevor der Haustarifvertrag gekommen sei, den Sana dann übernommen habe.
Die vier Tage seien überaus gut angenommen worden – 150 bis 200 Beschäftigte seien immer im Ausstand gewesen, sagt Heinz Neff von Verdi. Ein Kollege und er selbst seien heute Morgen im Krankenhaus gewesen – „es war ruhig!“, beschreibt er. Man sei dort gewesen, um Mitarbeiter für Verdi zu werben oder für den Streik zu begeistern, doch habe kaum beschäftigte gefunden außer der Notdienstbesetzung. Dazu seien Reinigungskräfte und Honorarkräfte da gewesen, die nicht vom Streikaufruf tangiert waren. „Es ist gut gelaufen“, zieht auch er ein Fazit des Viertagestreiks.
Es habe eine hohe Beteiligung gegeben – und damit ein deutliches Signal an die Geschäftsleitung. Die habe zumindest zuletzt auch das Wort TVöD in den Mund genommen. Und auch an die Politik des Landkreises, so Neff, die zwar behaupte, sie habe da keinen Einfluss, doch die Signale wohl mitbekommen habe.
Der Start in den Streik sei etwas holprig gewesen, sagt Karsten Straßburger, da die Geschäftsleitung das Haus am Sonntag und am Montag noch im Normalbetrieb gefahren habe. Daher seien am Dienstag noch viele Patienten da gewesen, die das Herunterfahren des Krankenhauses erschwert hätten.
Erst am Mittwoch sei der Streik voll zum Tragen gekommen. Ausgeräumt worden seien auch Kommunikationsprobleme beim ersten Streik mit Ärzten. Eine ganze Station, Station 4, und die Privatstation seien komplett geschlossen worden, und dazu zwei weitere Stationen teilweise geschlossen worden. Die Intensiv- und IMC-Station sei teilgesperrt worden, wobei der abgesprochene Notbetrieb aufrechterhalten wurde: „Es gab keine Patientengefährdungen!“ Es sei auch mehr Personal vorgehalten worden, falls besondere Notfälle eingetreten wären. Er dankte insbesondere den Kolleginnen und Kollegen, die die Notdienste übernommen hätten.
Positives Feedback
Unterstützung haben sich die Sana-Beschäftigten im Streik auch aus der Bevölkerung geholt. Am Donnerstag waren sie dafür mit Infoständen im Kaufland und beim Krankenhaus. „Wir haben durchweg positives Feedback für unsere Sache bekommen“, sagt Karsten Straßburger.Wie geht es weiter?Fortsetzung: Die vierte Verhandlungsrunde zwischen der Geschäftsleitung von Sana und den Beschäftigtenvertreter, dem Betriebsrat und Verdi, geht am 15. April weiter. Dann treffen sich die Verhandlungspartner, um gemeinsam eine Lösung zu suchen. Der TVöD bleibt als Hauptziel der Sana-Mitarbeiter , bislang gab es wenig Bewegung bei Sana.
Verhandlung: Vorgeschlagen hatte die Sana-Geschäftsführung zuletzt ein Arbeitszeitmodell, davor eine zeitversetzte Einführung des TVöD. Dabei wäre jeweils der TVöD des Vorjahres für die Sana-Beschäftigten geltend gewesen. Das war den Beschäftigten zu wenig – Ziel sei der aktuelle TVöD, so Karsten Straßburger – es gehe auch eine schrittweise Einführung
