250 Mitarbeiter der Sana Kliniken in Cham marschieren für den Tarifvertrag

Von Johannes Schiedermeier · 1. April 2025 um 15:00

„Was wollen wir?“, fragt Martin Schmalzbauer von ver.di. „Tarifvertrag“, rufen 250 Demonstranten. „Und alternativ?“, hakt Schmalzbauer nach. „Tarifvertrag“, hallt es zurück. Dann ziehen die Mitarbeiter mit Topfdeckeln, Trommeln, Vuvuzelas, Klatschpappen und Ratschen lärmend über den Schulberg durch die Innenstadt zum Marktplatz. Das ist der Auftakt zu vier Tagen Warnstreik. Zunächst, sagen die Demonstranten.

Zurück bleibt eine Sana Klinik, die gleich ein paar Probleme hat. Das Krankenhaus hat eine Abteilung und Betten geschlossen und läuft im Notbetrieb. Am Montagabend wurden nach einem Unfall bei Altenkreith alle vier Verletzten vom Rettungsdienst in andere Krankenhäuser verlegt. Noch, so Rettungsdienstleiter Dominik Lommer, sei es allerdings zu früh, um die tatsächlichen Auswirkungen nachzuvollziehen. Derzeit finde die Notfallversorgung in vollem Umfang statt. Das BRK halte in Cham aber derzeit mehr Rettungsfahrzeuge vor, um für ein höheres Transportaufkommen und Verlegungen gerüstet zu sein.

Finster entschlossen

Die Demonstranten sind finster entschlossen, den Streik durchzuziehen. Notfalls auch länger, als die geplanten vier Tage. „In den Kliniken rundherum wird Tarif bezahlt. Sana selbst zahlt in einigen anderen Häusern Tarif. Das reicht uns jetzt. Das habe wir lange genug mit angesehen. Ich arbeite hier seit 20 Jahren und will endlich das gleiche Geld“, sagt eine Krankenschwester von Station 4 ins Mikro. Dafür erhält sie ohrenbetäubenden Lärm als Beifall.

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Es ist eiskalt an diesem Morgen und der scharfe Wind lässt die vier Grad noch kälter erscheinen, als sie ohnehin sind. „Das mit dem Wetter üben wir noch. Aber es ist uns egal“, sagt ein Demonstrant und hält sein Schild trotzig nach oben mit der Aufschrift: „Pflege - come in and burn out!“ Es folgt ein kurzer Dank von Betriebsrat Bernhard Burger an den Notdienst. Dann ist Abmarsch. Die Polizei sichert den Straßenverlauf über Schulberg, Brunnendorf, Innenstadt und Marktplatz mit quergestellten Streifenwagen und Beamten zu Fuß.

Der verhinderte Landrats-Besuch

„Der TVÖD muss her“, ruft Schmalzbauer ins Mikro. „Sonst stellen wir uns quer“, antworten die Demonstranten und ziehen in Sprechchören den Schulberg hinauf. „1, 2, 3, 4 – TVÖD wollen wir! 5, 6, 7, 8 – sonst wird die Klinik dicht gemacht! 9 und 10 – die Warnstreiks werden weitergehen!“ Kaum sind die Sprechchöre verhallt, singen die 250 Marschierer schon lautstark „Wir woll’n die Kohle sehn, wir woll’n die Kohle sehn...“

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Kurz darauf kommt es zu kleineren Komplikationen für die Polizei, weil sich ein Teil der Demonstranten am Fuße des Schulbergs abspaltet und entgegen der Abmachungen die Further Straße quert, die zu diesem Zeitpunkt nur halbseitig gesperrt ist. Das Grüppchen von etwa 30 Demonstranten marschiert durch den Hintereingang ins Landratsamt und singt: „Wir woll’n den Landrat sehn, wir woll’n den Landrat sehn...“ Doch da nützt alles Singen nichts, weil Landrat Franz Löffler schon am Vortag mitteilen hat lassen, dass er nicht im Hause ist.

„Drückeberger“, sagt eine Demonstrantin. Denn der Landrat hat im Vorfeld mehrfach betont, dass er sich trotz der Sperrminorität von 25,1 Prozent, die der Landkreis an Sana hält, nicht in die Tarifverhandlungen mischen will.

FFW-Einsatz kreuzt Demo

Die Sänger ziehen unverrichteter Dinge wieder ab. Der begleitende Polizeibeamte hat an den Einsatzleiter gerade durchgegeben „Zug wieder vollständig“, da naht das nächste Problem.

Auf Höhe der Stadthalle läuft der Demonstrationszug direkt vor einen Feuerwehreinsatz. Die von allen Seiten einrückenden Einsatzkräfte sind wenig amüsiert. „Der Demonstrationszug war nicht gemeldet“, wird Kommandant Markus Reittinger später monieren. Drei Fahrzeuge rücken zu einem Schwelbrand im Hotel Randsbergerhof aus. Nach 20 Minuten können die frierenden Demonstranten weiterziehen Richtung Marktplatz.

Streik, bis der Doktor kommt?

Dort findet eine kurze Kundgebung statt. Verschiedene Redner, meist gleicher Inhalt: Man habe die Pflege zwei Jahrzehnte im Stich gelassen. „Es ist ja nicht nur so, dass wir nicht das Gleiche verdienen. Wir bekommen so auch keinen Nachwuchs mehr und sind dadurch zwei Mal die Dummen“, sagt eine Krankenschwester.

Bis zum Freitag soll der Warnstreik dauern. Wenn das Ergebnis der nächsten Verhandlungen nicht Tarif ist, dann macht Gewerkschafter Schmalzbauer die Marschrichtung deutlich: Eine Klinik in Nordrhein-Westfalen hat 25 Tage verhandelt und 77 Tage gestreikt. „Da fehlen uns noch 70 Tage!“ Droht der Klinik- Streik, bis der Doktor kommt?

Betriebsrat Bernhard Burger (links) und Martin Schmalzbauer von Verdi schworen die Demonstranten ein.
Die Polizei sicherte den Demonstrationszug vom Krankenhaus über den Schulberg bis zum Marktplatz ab.
Topfdeckel, Trommeln, Vuvuzelas, Klatsch-Pappen und Ratschen: Falls der Zug übersehen wurde, war er nicht zu überhören.
Unerlaubte Stippvisite: Teile der Demonstranten zogen durch das Landratsamt. Doch Landrat Franz Löffler war nicht im Hause.