Rewag-Gebäude, Tempo 30, Hallen-Misere: Die Reizthemen des Regensburger Ostens

Von Rainer Wendl · 9. April 2025 um 05:00

Elf Monate vor der Kommunalwahl hat die Brücke-Stadtratsfraktion erstmals zu einem kommunalpolitischen Stammtisch geladen. Zur Premiere widmete man sich den Reizthemen des Regensburger Ostens.

Die prinzipielle Richtungsentscheidung war schon mal richtig: Die Brücke-Stadtratsfraktion entschloss sich dazu, ihr neues Veranstaltungsformart namens „Kommunalpolitischer Stammtisch“ im Stadtosten beginnen zu lassen. Denn keine andere Himmelsrichtung auf dem Regensburger Stadtplan hat mehr Bewegung und auch Reizthemen zu bieten. OB-Kandidat Thomas Thurow listete zu Beginn eine lange Reihe von Brennpunkten vom geplanten Container-Terminal über das Kreativareal Stadtlagerhaus bis hin zum Sportpark Ost auf und Fraktionschef Joachim Wolbergs befand: „Die Entwicklung des Stadtostens ist phänomenal.“

Spitze gegen Freudenstein

So entspann sich unter den 25 Stammtisch-Besuchern in der Gaststätte Alter Schlachthof ein kurzweiliger Abend mit einigen neuen Erkenntnissen und auch ersten wahlkampfspezifischen Sticheleien. Als beispielsweise aus dem Publikum eine Nachfrage zum Kompetenzgerangel zwischen Sportamt und Amt für Gebäudeservice bei der kürzlich erfolgten reparaturbedingten Sperrung der Kerschensteiner-Sporthalle kam, nahm Thurow die Rolle der Sport-Bürgermeisterin aufs Korn: „Es ist der typische Affekt von Frau Freudenstein, sich aus sämtlichen Verantwortungen herauszunehmen, wenn es dem Image schaden könnte.“

Auch im Hinblick auf andere städtische Liegenschaften äußerte er sich kritisch. Als Burkard Wiesmann, der Vorsitzende des Bürgervereins Süd-Ost (Büso), den Verdacht formulierte, dass die Stadt keine Idee für die langfristige Nutzung des ehemaligen Divisionsgebäudes in der Daimlerstraße habe, pflichtete ihm Thurow bei. Gleichwohl verteidigte er den im Januar getroffenen Stadtratsbeschluss, einen Teil des Gebäudes für rund eineinhalb Millionen Euro zu ertüchtigen und vorübergehend als „Flexi-Haus“ für knapp 50 Obdachlose zu verwenden: „Das ist besser als die Notwohnanlage in der Aussiger Straße.“

Bei der früheren Rewag-Zentrale in der Greflingerstraße liegt der OB-Kandidat hingegen gar nicht auf der Linie der Stadt. „Da haben wir ganz andere Ideen als eine Nutzung als drittes Rathaus“, sagte er und sprach sich für eine Bebauung des Areals durch einen Investor aus. Wolbergs führte diesen Gedanken ausführlich aus: „Das Gelände wird unterschätzt, das ist riesig. Wir müssen das sündteuer und mit Baurecht verkaufen.“ Eine rathausgerechte Sanierung würde die Stadt „50, 60, 70 Millionen“ kosten. „Das Geld haben wir nicht, deshalb passiert da 15 Jahre lang nichts“, so Wolbergs weiter. Ein privater Investor hätte im Gegensatz dazu das vor Jahren von der Stadt gekaufte Gebäude schon längst für Wohnraum fertig entwickelt. Diese Lösung wolle die Brücke nach einer entsprechend verlaufenen Wahl umsetzen: „Das drehen wir um!“

Nachholbedarf besteht auch beim parteiübergreifend formulierten Ziel, die starke Fokussierung auf die Altstadt zurückzufahren und lebendige Quartierszentren zu schaffen. „Das haben wir nicht geschafft“, räumte Thurow ein. Als Beispiele für verpasste Chancen wurden bei dem Stammtisch der Umbau des Nahversorgungszentrums an der Hornstraße und das Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne genannt – an beiden Orten wurde das gewünschte Quartierszentrum nicht geschaffen.

Das Defizit an Grünflächen im Osten wurde ebenfalls thematisiert. Ein Bewohner des Marina-Quartiers bedauerte in diesem Zusammenhang die rigorose Absperr-Politik des Hafens, die Spaziergänge am Fluss unmöglich mache. „Die Leitung des Hafens und die Stadtspitze sind keine guten Freunde“, stellte Thurow hierzu fest und konnte dem Bürger nur mitteilen, dass die Stadt gegen diese Sperrungen keine Handhabe habe.

Zu guter Letzt wurde über das Thema Verkehr diskutiert. Gerhard Hecht, seit Jahrzehnten im Karree Greflingerstraße/Weißenburgstraße zu Hause, griff zu drastischen Worten: „Das sind Todeszonen. Das war in meiner Kindheit schon so und ist im Lauf der Zeit noch schlimmer geworden.“

Neue Lust auf die Stadtbahn

Aus diesem Grund wünscht er sich flächendeckend Tempo 30. Dies sei nicht einfach umzusetzen, entgegnete Thurow, wies aber darauf hin, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Weißenburgstraße wieder eingeführt werde. Weitere Bereiche könnten folgen, sofern es nach der Brücke-Fraktion geht. „Wenn es möglich ist, machen wir es“, meinte Stadtrat Florian Rottke.

In Sachen ÖPNV trauerte Thurow einmal mehr dem Aus für die Stadtbahn hinterher. Büso-Chef Wiesmann griff dies auf und fragte den OB-Kandidaten, ob er im Falle eines Wahlsiegs einen neuen Anlauf zu diesem Projekt nehmen würde. Die Antwort: „Lust hätte ich schon.“