Regensburg bekommt ein drittes Rathaus im Osten – aber wann?

Das ehemalige Rewag-Gebäude in der Greflingerstraße im Osten Regensburgs steht seit fast einem Jahr leer. Auch eine Zwischennutzung für das künftige dritte Rathaus ist nicht in Sicht.
Die Lichter sind schon lange aus im ehemaligen Rewag-Gebäude in der Greflingerstraße im Stadtosten, vor knapp einem Jahr ist das Impfzentrum ausgezogen. Mit einem „Betreten verboten“-Schild am Gitterzaun hat die Stadt Neugierige ausgesperrt. Künftig soll das markante Backsteingebäude mit gut 3000 Quadratmetern Nutzfläche zum dritten Rathaus werden, so steht es im Entwurf des Investitionsprogramms 2023 bis 2027. Wie lange es noch leer steht, ist allerdings offen.
Stadt hält Generalsanierung für besser als Neubau
„In einem ersten Schritt soll das Bestandsgebäude Greflingerstraße 22 generalsaniert und in Folge als drittes Rathaus genutzt werden“, heißt es im künftigen Investitionsprogramm. Und weiter: Die Stadt habe dieses Vorgehen einem Neubau vorgezogen, „da das Gebäude weiterhin für Verwaltungszwecke genutzt werden soll und somit die Gebäudestruktur und die darin gebundene graue Energie weiterhin genutzt werden kann“. Mit dem neuen Verwaltungssitz will die Stadt die „Quote der Fremdanmietungen“ minimieren. Die Stadt hat mehr als 4000 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze über ganz Regensburg verteilt sind. Derzeit gibt es laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra in 15 Gebäuden „größere Büroanmietungen“.
Laut von Roenne-Styra könnten nach einer Generalsanierung in der Greflingerstraße 300 bis 350 städtische Arbeitsplätze entstehen. Einen belastbaren Zeitplan dafür gebe es nicht. „Dies liegt an den üblichen Vorlaufzeiten einer Baumaßnahme“, erklärt sie. Im Investitionsprogramm sind nur 547.000 Euro für Planungskosten eingeplant. Die Sanierung könnte einer Schätzung zufolge circa 41 Millionen Euro kosten. Von Roenne-Styra sagt auch: „Eine Zwischennutzung ist derzeit nicht geplant.“ Brandschutz und Arbeitssicherheit seien nicht gegeben. Inzwischen sei die komplette Infrastruktur „stillgelegt“.
Die Stadt hat es auf dem Grundstück auch mit Altlasten zu tun. So ist im Bebauungsplan für das benachbarte Candis-Areal von 2012 nachzulesen, vom Rewag-Gelände gehe eine mit Benzol, polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Naphthalin belastete „Schadstofffahne“ im Grundwasser aus; an der Greflingerstraße war früher ein Gaswerk.
Sanierung hat keine Priorität für Regensburger Rathauskoalition
Aus Sicht der Koalition hat die Sanierung des Gebäudes aktuell keine Priorität, wie SPD-Fraktionschef Thomas Burger bestätigt. „Die Mittel sind begrenzt.“ Für seine Partei habe Bildung Vorrang, also Kitas und Schulen. Dass so manches städtische Gebäude über längere Zeit leer steht, sieht er aber kritisch. Er sagt: „Man darf durchaus ein bisschen mutiger umgehen mit eigenen Immobilien, um sie auch möglichen Nutzergruppen zur Verfügung zu stellen.“ CSU-Fraktionschef Michael Lehner fordert, dass der ehemalige Rewag-Sitz nicht jahrelang brach liegt: „Ich bin der Meinung, zwischen dem Stand jetzt und der Sanierung sollten wir das dringend nutzen.“ Die Stadt könnte zum Beispiel notfallmäßig Flüchtlinge dort unterbringen. „Das ist immer noch besser, als Turnhallen zu belegen.“
Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet regt an, die Stadt solle prüfen, ob sie dort Ateliers oder Proberäume anbieten könne. „Eine Nutzung ist immer besser als ein Leerstand“, sagt er. Den langfristigen Sanierungs-Plan heißen die Grünen gut. Joachim Wolbergs (Brücke) dagegen nennt den Kauf des Areals dagegen „eine völlige Fehlinvestition, die dazu führt, dass ein Gebäude jahrelang brach liegt“. Er wäre für den Abriss. „Dieses Grundstück hätte man teuer vermarkten können für Wohnbebauung.“
Die Immobilie
Rewag-Zentrale: Das alte Rewag-Gebäude entstand in zwei Abschnitten, 1978 und 1980. 2016 erklärte die Rewag, es erfülle nicht mehr die Anforderungen an Arbeitssicherheit und Brandschutz. 2020 und 2021 zog sie in die neue Zentrale nebenan um.
Kauf: Die Stadt unterzeichnete 2021 den Kaufvertrag über 11,6 Millionen Euro, um das Gebäude mittel- bis langfristig als Verwaltungsstandort zu sichern. Der Besitzübergang erfolgte 2021 bis 2023. 2022 war dort das Impf- und Testzentrum.