Bekommt der Regensburger Bahnhof ein Radparkhaus?

Das neue Investitionsprogramm zeigt: Die Stadt Regensburg investiert Dutzende Millionen in Auto-Stellplätze. Die Ökoparteien im Stadtrat wollen mehr Geld für Radler.
Am Bahnhof prallen zwei Park-Welten aufeinander. Der Fahrradparkplatz ist knallvoll. Drumherum stehen nahezu an jedem Pfosten Fahrräder. Nebenan klaffen im Parkhaus der Firma Dallmeier, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist, große Lücken. Im Planungsausschuss des Stadtrats ging es am Donnerstag um die Fragen, ob der Bahnhof ein Fahrradparkhaus bekommen kann – und ob die Stadt neue Parkhäuser für Autos bauen muss.
Im Investitionsprogramm (IP), über das der Planungsausschuss beriet, stehen circa 36 Millionen Euro für drei Parkhäuser bereit, wie Linken-Stadträtin Irmgard Freihoffer kritisch vorrechnete. Die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd, die bis 2026 entstehen soll, soll gut 19 Millionen Euro kosten. Fertig ist das Parkhaus bei der Tech-Base am Galgenberg für knapp 7,9 Millionen Euro, das nach seiner Eröffnung sehr schlecht genutzt wurde. 9,1 Millionen Euro sind für eine Parkanlage im Gewerbegebiet Haslbach eingeplant. Für Fahrradabstellanlagen, einschließlich des neuen Radparkplatzes am Bahnhof, stehen 1,35 Millionen Euro im IP.
Freihoffer monierte, „dass dieses IP immer noch viel zu sehr auf Straßen und Autoverkehr setzt“. Auch die Grünen hätten gern Parkhäuser – die für Autos – aus dem Programm gestrichen. In einem Änderungsantrag forderten sie, sowohl auf die „Quartiersparkierung Haslbach“ als auch auf den Mobilitätstreff am Unteren Wöhrd zu verzichten, ebenso wie auf den Ausbau der Nordgaustraße. Das Geld lasse sich für Rad- und Gehwege sowie eine schnellere Neugestaltung des Obermünsterplatzes samt Verkehrsberuhigung sinnvoller nutzen, heißt es im Antrag. Fraktionschefin Maria Simon sagte: „Wenn man Schwerpunkte setzen muss, soll es in Richtung einer nachhaltigen Infrastruktur gehen.“
Koalition: Investitionsprogramm ist„ausgewogen“
Nur ÖDP und Linke stimmten mit den Grünen für den Änderungsantrag. SPD-Stadtrat Klaus Rappert und FDP-Stadträtin Gabriele Opitz als Vertreter der Koalition verteidigten das Programm dagegen als „ausgewogen“. Zum Bau der Parkanlage in Haslbach habe sich die Stadt vertraglich verpflichtet, ergänzte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD).
Die ÖDP beantragte ihrerseits bei der Verwaltung die Möglichkeit zu prüfen, „ein Interims-Fahrradparkhaus im Bahnhofsareal zu schaffen“, und forderte: „Hierfür wird insbesondere untersucht, inwieweit vorhandene Mietobjekte für die Unterbringung in Frage kommen.“ Trotz des Fahrradparkplatzes mit Bügeln im Freien und abschließbaren Boxen herrsche am Bahnhof ein Mangel an Abstellflächen. ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner sagte: „Pendler müssen sicher sein: Ich kann schnell mein Fahrrad abstellen.“
Schließlich stimmten Grüne, Brücke, Linke und ÖDP für den Antrag, die Mehrheit aber dagegen. Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer hatte dem Ausschuss die Ablehnung empfohlen, „weil wir für ein Interims-Parkhaus derzeit keinen Bedarf sehen“. Die OB sagte: Die Fahrradboxen seien „richtig klasse, aber noch nicht ausgebucht“. Deshalb gelte: „Momentan reicht aus, was da ist. Und geplant ist noch Weiteres.“ So würden 2024 250 weitere Fahrradbügel kommen. Eventuell sei auch ein Dach über dem Fahrradparkplatz möglich. Die OB sicherte zu, auf den ÖDP-Vorschlag zurückzukommen, wenn diese Anstrengungen nicht reichten.
Wolfgang Bogie, Kreischef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs, hält ein Fahrradparkhaus für notwendig. Es sei „einfacher für die Nutzer“, die Boxen seien „zu kompliziert“. „Wenn ich plötzlich ein Zugangsproblem habe, weil der Code nicht funktioniert oder irgendetwas anderes, ist der Zug weg.“
IHK: Parkhäuser nötig
Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg braucht es neue Parkhäuser für Autos, aber auch mehr Platz für Fahrräder. Josef Ebnet, Leiter Verkehr, Handel und Stadtentwicklung, sagt mit Blick auf die Pendler- und Kundenströme in die Stadt: „Aufgrund der geografischen Ausprägung des Landkreises Regensburg als Flächenregion wird mittel- bis langfristig der Pkw das dominierende Verkehrsmittel bleiben.“ Regensburg benötige neue, zentrumsnahe Parkmöglichkeiten, wie etwa die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd. Daneben sollte Ebnet zufolge die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs gesteigert sowie die Radinfrastruktur ausgebaut werden. „Ausreichende und komfortable Parkmöglichkeiten für Fahrräder an Umsteigepunkten wie dem Regensburger Hauptbahnhof sind daher zu begrüßen.“
Das Investitionsprogramm
Gesamtpaket: Das Investitionsprogramm 2023 bis 2027 ist dem Entwurf zufolge 817 Millionen Euro schwer. Darin enthalten sind 126 Millionen Euro Index- und Risikokosten, mit denen die Stadt steigende Baukosten und andere Unwägbarkeiten abbildet. Das bisher gültige Paket umfasste 846 Millionen Euro.
Planungsetat: Der Planungsausschuss hatte den größten Brocken vorzuberaten: Es ging um knapp 214 Millionen Euro. Die höchsten Summen sind für das Parkhaus am Unteren Wöhrd (Gesamtkosten von gut 19 Millionen Euro) und den Ausbau der Hartinger Straße (20,3 Millionen Euro) eingeplant.
