Neues Parkhaus in Regensburg: Auslastung liegt nach acht Monaten bei vier Prozent

7,3 Millionen Euro hat das neue Parkhaus neben der Regensburger TechBase gekostet. Seine Auslastung lässt bisher sehr zu wünschen übrig.
„Wir haben uns immer schon gefragt, wer da mal parken soll“, sagt Maria Müller (Name geändert), die bis Anfang 2023 bei einem in der TechBase eingemieteten Unternehmen gearbeitet hat. Mit „da“ meint sie das neuerbaute Parkhaus auf dem Innovations-Campus am Galgenberg, dessen Nutzungszahlen im ersten halben Jahr seit seiner Fertigstellung im Dezember absolut unterirdisch waren. Kritiker des 7,3-Millionen-Euro-Projekts sehen sich daher voll bestätigt.
Zu ihnen gehört Grünen-Stadtrat Stefan Christoph. Er hat den Bedarf des 377 Stellplätze bietenden Parkhauses seit jeher angezweifelt. Die Antworten, die er auf eine Anfrage im Ausschuss für Verwaltung, Finanzen und Beteiligungen erhalten hat, haben jedoch seine schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Die ihm von der Stadtspitze übermittelten Zahlen lauten: rund 200 Parkvorgänge im Januar und Februar, etwa 300 im März und April und 400 im Mai.
Stadtrat bezeichnet Nutzungsquote als „vollkommen lächerlich“
Daher spricht die Oberbürgermeisterin von einem „kontinuierlichen Anstieg“ und „einer sich verstetigenden Inanspruchnahme“ – doch Christoph sagt: „Wenn weiterhin nur fünf Autos pro Monat dazukommen, dann sind wir bis zu einer vernünftigen Auslastung ein gewaltiges Stück älter.“
Nach einem genaueren Blick auf die Monatszahlen hat der Stadtrat jedenfalls nur eine Beschreibung für die Nutzung des Neubaus parat, und diese lautet „vollkommen lächerlich“. Denn heruntergerechnet ergibt der Wert von Mai eine Frequenz von täglich 13 bis 14Parkvorgängen. Dem gegenüber steht die Investitionssumme von 7,3 Millionen Euro, weshalb Christoph zu dem Schluss kommt: „Eine riesige Steuergeldverschwendung.“
Genau das hatten die Gegner des Projekts vorhergesagt. „Das Parkhaus hat exakt das Schicksal ereilt, das von uns prognostiziert worden ist. Es ist ein Millionengrab“, sagt Johann Brandl, Vorsitzender des Bürgervereins Süd-Ost. Zusammen mit Gruppierungen wie den Altstadtfreunden, dem VCD und dem ADFC hatte er Anfang 2022 gegen den Bau demonstriert. Dass die damals geäußerten Befürchtungen scheinbar eingetreten sind, ärgert Brandl maßlos: „Es ist ein Skandal, dass dieses Parkhaus an allen Prognosen vorbei trotzdem gebaut worden ist.“
Stadtwerk stimmt nicht in Abgesang ein
Das Stadtwerk als Betreiber will in diesen Abgesang jedoch keineswegs einstimmen. Da die Besiedlung der Flächen und damit verbunden der Straßenausbau nicht abgeschlossen seien, könne auch das Konzept des Bebauungsplans bezüglich einer zentralen Parkierungsanlage noch nicht voll umgesetzt werden. „Da braucht es noch ein wenig Geduld“, heißt es in einer Stellungnahme des städtischen Tochterunternehmens. Es besteht darauf, dass das Parkhaus„zwingend erforderlich“ und der Bedarf „eindeutig vorhanden“ sei.
Als Beleg für diese These führt das Stadtwerk die chronisch zugeparkten Straßen und künftigen Gehwege am Tech-Campus an. „Jetzt muss mit Fertigstellung der Straßen auch ein absolutes Halteverbot umgesetzt werden, womit die parkenden Fahrzeuge in das Parkhaus verlagert werden“, lautet die Forderung, die Stadtrat Christoph schon lange umgesetzt hätte: „Es ist richtig, dass in den Straßen um das Parkhaus herum wild und kostenlos geparkt wird. Mir ist es wirklich ein Rätsel, warum die Stadt das ein Dreivierteljahr lang verschlafen hat.“
Als weitere erfolgversprechende Maßnahmen für eine steigende Nutzung sieht das Stadtwerk die Aufnahme des Parkhauses ins städtische Parkleitsystem, den massiven Aufbau von Ladeinfrastruktur sowie die Erarbeitung eines Park & Ride-Angebots. Konkret wird eine Werbeaktion zu den verkaufsoffenen Samstagen vor Weihnachten erwogen. „Das wird die Bekanntheit des Parkhauses insgesamt steigern“, so das Kalkül des Stadtwerks.
Verstärkte P & R-Nutzung ist geplant
„Eine Nutzung für Park & Ride liegt noch am nächsten“, meint auch Brandl, der sich das Parkhaus auch als Quartiersgarage vorstellen könnte. Mit dieser Idee kommt er allerdings zu seinem großen Verdruss schon beim nicht weit entfernten Parkhaus der FOS/BOS nicht weiter. „Das ist an 200 Tagen im Jahr komplett gesperrt, das ist der zweite Skandal.“ Und ein anderes Thema.
