Nach 13 Jahren: Stadt Regensburg beendet Riesen-Leerstand

Von Juliana Ried · 17. Januar 2025 um 16:57

Das Sozialreferat der Stadt Regensburg legt seinen Plan für ein Flexi-Haus für Obdachlose im Ex-Divisionsgebäude vor. Vier Etagen bleiben aber weiter ungenutzt.

Beengt werden sich die Obdachlosen, die die Stadt in dem ehemaligen Divisionsgebäude der Pionierkaserne in der Daimlerstraße im Stadtosten unterbringen will, wohl nicht fühlen. Auf dem knapp 5000 Quadratmeter großen Grundstück will das Sozialreferat in drei der sieben Etagen ein Flexi-Haus für bis zu 46 Personen schaffen. Es beendet damit einen jahrelangen Leerstand.

Die Stadt hatte die seit 2013 leerstehende Immobilie 2020 zum vergünstigten Preis von 1,43 Millionen Euro vom Bund erworben. Damals war eine Verwendung als Verwaltungsgebäude angedacht. Da es der Stadt zunächst nicht gelang, das Gebäude mit Leben zu füllen, beschloss der Stadtrat 2022 die Rückzahlung des an eine Nutzung binnen fünf Jahren gekoppelten Rabatts von 350.000 Euro.

Einziehen sollen „schwierige Fälle“

Nun ist eine Nutzung ab Mitte 2026 geplant. Gedacht sei das Haus für „schwierigere Fälle“, erklärt Sozial-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU). Für sie sei das Gebäude gut geeignet, da es dort viel Platz gebe und es nicht mitten im Wohngebiet liege wie die marode Notwohnanlage in der Aussiger Straße. „Ich kann’s wirklich gut brauchen.“

Zunächst war laut Freudenstein eine Sanierung des kompletten Gebäudes für acht, neun Millionen Euro im Gespräch, was dann aber als unwirtschaftlich verworfen wurde. Nun ist eine Investition von 1,53 Millionen Euro vorgesehen. Der Beschlussvorlage für den nächsten Bauausschuss zufolge sollen im Erdgeschoss und im ersten Stock sieben Wohneinheiten für Haushalte entstehen, für die ein Mietverhältnis weit weg ist und die deshalb nicht für das neue Chancenhaus für Familien in Kumpfmühl geeignet sind. Der zweite Stock soll elf Zimmer für Einzelpersonen oder kleine Haushalte bieten. Damit gebe es erstmals die Möglichkeit, obdachlosen Menschen Einzelzimmern zuzuweisen. Vor dem Gebäude würden Sanitärcontainer für die Bewohner und Toiletten für Personal errichtet. Für die Versorgung mit Wärme sorge ein Heizcontainer.

Flexi-Haus ist eine Zwischennutzung

Die ungenutzten restlichen vier Stockwerke stünden nicht für weitere Zwischennutzungen zur Verfügung, „da weder das Flucht- und Brandschutzkonzept noch die dreistöckige Containeranlage wirtschaftlich für weitere Aufstockungen ausgelegt werden kann“. Somit sei das Flexi-Haus eine Zwischennutzung, bis das Gebäude eine „dauerhafte Zweckbestimmung“ bekomme.

Stadtrat Jakob Friedl (Ribisl-Partie), der den Leerstand seit Langem anprangert, reagierte sofort mit einem Änderungsantrag auf die Beschlussvorlage. Das Vorhaben sei eine „teure Schmalspurlösung“, kritisiert er und fordert die Stadt auf, weitere Nutzungsmöglichkeiten zu prüfen. Eine multifunktionale Nutzung sei effizienter und dann wären die Obdachlosen dort auch nicht so isoliert.

Freudenstein erklärt: „Wenn man das ganze Gebäude instand setzt, muss man ganz anders reingehen.“ Dann wäre die Stadt aber wieder bei einer Investition von etlichen Millionen Euro – inzwischen wäre die Summe wohl zweistellig.