Beifall und Clownsnasen für Christian Lindner in Regensburg

Für den FDP-Chef Christian Lindner ging es am Freitag nach Regensburg. Im Saal des Kolpinghauses hielt er seine Wahlkampfrede und erntete viel Applaus. Doch auch Gegner waren gekommen und machten mit Clownsnasen Stimmung gegen Lindner.
Am Ende seines Wahlkampfauftritts im Kolpinghaus überreichte FDP-Kreisvorsitzender und MdB Ulrich Lechte seinem Parteichef Christian Lindner eine Flasche Regensburger Landwein. „Zwölf Prozent – die hätten wir gern“, kommentierte Lechte das Etikett.
Während der Wahlkampfrede hatte der Teilnehmer einer Protestaktion dem FDP-Spitzenpolitiker dagegen Umfragewerte seiner Partei auf einem Schild vorgehalten. Drei Prozent war darauf zu lesen.
Die Aktion begann, als sich Lindner an der Idee eines Rentendepots für Deutschland nach dem Vorbild Schwedens abarbeitete. Das brachte er als Alternative zu dem Vorstoß von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Sozialabgaben auf Kapitalerträge einzuführen. Etwa 15 Menschen, die sich als Privatpersonen bezeichneten, hatten sich unter die mehreren Hundert Zuhörer im gemischt und rote Clownsnasen aufgesetzt. Sie hielten Schilder, auf denen „CL König der Clowns“ zu lesen war. Wenig später entrollten sie ein großes, schwarzes Transparent, auf dem stand: „Kuchen für den König der Clowns“.
Schnelle Konter auf Kritik
Die Ordner forderten die Teilnehmer dazu auf, ihr Gesicht nicht zu verdecken. Lindner signalisierte seinen Kritikern, dass er die Anspielung auf die Wahlkampfveranstaltung in Greifswald verstanden hatte, bei der er vergangene Woche eine Torte aus Rasierschaum ins Gesicht geklatscht bekommen hatte. Der Spitzenpolitiker konterte, dass die Teilnehmer der Protestaktion ihre Plakate jetzt hochhalten müssten, so lange er rede.
„Hochhalten! Nicht nur auf Gürtelhöhe“, frotzelte Lindner in Richtung der mit Clownsnasen Maskierten. Als diese den Saal etwa 20 Minuten später verließen, rief er ihnen nach: „Was? Seid ihr schon fertig? Schon müde? Ich wäre gleich noch zur Klimapolitik gekommen.“ Zudem sagte er, dass er es sehr befürworte, wenn jemand ein eigenes Anliegen habe, aber dann brauche es etwas mehr Geduld bei der Umsetzung.
Bereits zu Beginn seiner Rede war Lindner auf das Erlebnis in Greifswald eingegangen. Das sei für ihn als Konditorenenkel traumatisierend gewesen. Und überhaupt: Rasierschaum. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Linke keinerlei Gefühl für Genuss habe.
Der FPD-Chef sagte, dass es an der Zeit sei für eine Regierung ohne linke Parteien und machte sich daran, Unterschiede zwischen der FDP und der Union zu benennen: Während deren Kanzlerkandidat, Friedrich Merz, Leitkultur betone, sei die FDP nicht der Auffassung, dass Deutschland ein christlicher Club sei und es so etwas wie eine Leitkultur gebe. Vielmehr seien die Menschen hier durch das Grundgesetz verbunden. „Diese Werte sind die deutsche Identität und die ist offen für alle, die sie teilen“, erklärte er. Die FDP frage nicht: Woher kommst du? Sondern: Wo willst du mit uns hin?
Work-Life-Balance, Homeoffice, Sabbatical? Damit sei Deutschland falsch abgebogen. „Wir müssen das Ruder umlegen. Um erfolgreich zu werden, brauchen wir eine größere Bereitschaft sowie Anreize zu arbeiten“, forderte Lindner. Weiter kritisierte er die deutsche Klimapolitik und erklärte das Ziel, Wähler von der Alternative für Deutschland sowie vom Bündnis Sarah Wagenknecht zurückzuholen.
Bei den Zuhörern im Saal kam der Auftritt Lindners gut an. Florian Krautmann sagte, kein Mitglied der FDP zu sein und die Rede als mitreißend empfunden zu haben: „Ich gehöre nicht zum FDP-Klientel und bin nun ins Wanken geraten. Jetzt weiß ich nicht, was ich am 23. Februar wähle.“
„Echte FDP-Werte im Fokus“
Parteimitglied Reinhold Wildenauer gefiel die Rede gut. Lindner habe Argumente, wie man etwas anders machen und dies auch durchsetzen kann – sowie welche Ideen etwas weiterbringen können. Auch habe der Parteichef echte FDP-Werte wie Freiheit, Eigenständigkeit und Verantwortung in den Mittelpunkt gestellt. „Die kommen in der Gesellschaft nicht so vor, wie es sein sollte“, sagte Wildenauer. Vor der Rede Lindners hatte Kreischef Lechte zur Begrüßung die Errungenschaften benannt, die die FDP in seinen Augen in den vergangenen Jahren auf Bundesebene erreicht hat. Beispielsweise zählte er das 49-Euro-Ticket, das Sinken der Inflation von 8,7 auf momentan drei Prozent sowie den Bürokratieabbau und das Chancenprogramm auf.
Landesvorsitzender Martin Hagen berichtete, dass er von Schülern gehört habe, denen ihre Lehrer frei gegeben hätten, um Lindners Auftritt im Kolpinghaus hören zu können. „Sie lernen in der Schule ohnehin nicht so viel wie bei der FDP“, sagte Hagen. Weiter interessierte sich Hagen dafür, ob es die Bar Rauschgold in der Obermünsterstraße noch gebe. Der Landesvorsitzende forderte effiziente Klimapolitik sowie geordnete Migration und kritisierte, dass ständig neue Sozialleistungen den Staat aufblähen würden.

