Tempo 30 in Regensburg: Limit in der Weißenburgstraße wird wohl heuer wieder eingeführt

Von Marion Koller · 3. März 2025 um 17:00

Das Stadtplanungsamt Regensburg erstellt derzeit eine Berechnung für die Weißenburgstraße. Sobald die Daten vorliegen, wird erneut über ein langsameres Tempo dort entschieden. Außerdem prüft die Stadt die Einführung von 30 km/h in der Herrmann-Geib-Straße und in der Donaustauferstraße.

Beinahe 2000 Menschen haben sich im Sommer in einer Online-Petition der Professorin Sara Siakala für Tempo 30 in der Weißenburgstraße und überall, wo es möglich ist in Regensburg, ausgesprochen. In mehr als 560 Kommentaren sagen sie auch warum. Die Bürger sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder. Sie leiden unter Luftverschmutzung und Lärm, wünschen sich mehr Rücksichtnahme auf Fußgänger und Radfahrer. Anwohner stark befahrener Trassen wie an der Ecke Greflinger Straße/Weißenburgstraße klagen über sinkende Lebensqualität. Viele fordern, das Umsteigen auf Bus und Rad müsse beschleunigt werden.

Siakala hat die Petition nie bei Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer eingereicht, obwohl die erforderliche Unterstützerzahl erreicht wurde. Der Grund: Einen Tempo-30-Antrag von ihr hat der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen Ende November positiv beschieden. Ergebnis: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Stadt soll überall, wo es möglich ist, auf 30 km/h reduziert werden.

Eine neuerliche Temporeduzierung in der Weißenburgstraße 1 bis 49 hat der Ausschuss vorerst abgelehnt. Aber dafür gibt es klare Gründe, denn Tempolimits müssen rechtlich wasserdicht sein.

Zwei Straßen im Visier

Was ist inzwischen geschehen? Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt, Grundlage für die kommenden Prüfungen, auch für die Weißenburgstraße, durch die Straßenverkehrsabteilung sei der Beschluss zur Überarbeitung des Lärmaktionsplans Regensburg vom Juli. Um Tempo 30 für eine Straße zu prüfen, braucht die Stadt aktuelle RLS-90-Daten (zur Messung der Lärmbelastung). RLS-90 sind die Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen. „Die Berechnung für die Weißenburgstraße erstellt gegenwärtig das Stadtplanungsamt. Sie sollte demnächst vorliegen“, kündigt Roenne-Styra an. Sobald die Daten vorliegen, wird erneut über ein langsameres Tempo in der Weißenburgstraße entschieden.

Für die Amberger Straße hat der Stadtplanungsausschuss Mitte Januar ein nächtliches Tempo 30 zwischen 22 und sechs Uhr beschlossen. Außerdem prüft die Stadt die Einführung von 30 km/h in der Herrmann-Geib-Straße im Stadtosten und in der Donaustauferstraße in Schwabelweis zwischen Micheler-Straße und Fellingerbergstraße. In beiden Fällen geht es nur um die Nacht. Aber auch das ist ein Fortschritt für lärmgeplagte Anwohner. Der Lärmaktionsplan empfiehlt etliche weitere Straßen für das Tempolimit.

Anwohner leiden unter Lärm und Luftverschmutzung

Sara Siakala liegt besonders die Situation in der Weißenburgstraße am Herzen: „Ich bin Anwohnerin und leide unter der gesundheitsschädigenden Lärm- und Luftschadstoffexposition, seit wieder Tempo 50 gilt.“ Die Professorin an der Hochschule Landshut hält es für dringend notwendig, die Geschwindigkeit erneut ganztags auf 30 km/h zu reduzieren. Die Weißenburgstraße solle wegen des Lärms und der belasteten Luft, wegen der vielen Anwohner sowie der hohen Fußgänger- und Radfahrerdichte priorisiert werden. In dem Bereich befänden sich schutzbedürftige Einrichtungen, darunter Kindergärten, ein Altenheim und zwei Gymnasien. An der Straße sei ein hochfrequentierter Schulweg.

„Der Gesetzgeber räumt Städten in solchen Gebieten die Möglichkeit ein, die Geschwindigkeit zu begrenzen“, sagt Siakala. Besonderen Bedarf sieht sie auch in der Landshuterstraße und der Adolf-Schmetzer-Straße. Sie verweist auf die neue Straßenverkehrsordnung vom November, die eine Einführung von Tempo 30 erleichtert. Im nächsten Schritt solle die zulässige Höchstgeschwindigkeit in allen weiteren Straßen, die im Lärmaktionsplan gelistet sind, sowie in Straßen, die im unmittelbaren Bereich von Kitas, Spielplätzen, Schulen, Heimen und Kliniken liegen, reduziert werden.

Langsam an der Kita vorbei

Das ist ganz im Sinne von Robin Kulpa, stellvertretender Bereichsleiter Verkehr und Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Berlin. Bisher gebe es in Deutschland auf Hauptverkehrsstraßen nur vereinzelt Tempo-30-Anordnungen und auch nur auf kurzen Strecken oder zu bestimmten Zeiten. „Das reicht nicht aus, um die positiven Effekte auf den Verkehrsfluss, das Mobilitätsverhalten, die Umweltlasten und die Unfallzahlen voll zu entfalten“, sagt Kulpa. Deswegen fordert die DUH Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften – genau wie das Umweltbundesamt.

Ergebnisse des Umweltbundesamt

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Untersuchung: Das Umweltbundesamt (UBA) ließ 2022 die Wirkung einer innerörtlichen Regelgeschwindigkeit von 30 km/h auf Verkehr, Lärm und Luftschadstoffe erforschen. Grundlage waren Simulationen in drei Städten.

Schadstoffe: Enorme Lärmentlastungen gibt es besonders an Hauptverkehrsstraßen. Stadtweit sinkt die Lärmbetroffenheit deutlich. Straßenverkehrsbedingte Luftschadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub können durch Tempo 30 leicht zurückgehen. Die CO2-Emissionen werden kaum beeinflusst.