Hickhack um Hallennutzung: OB bewahrt Regensburger Handballer vor Polizeieinsatz

Die vorübergehende Sperrung der Kerschensteiner Sporthalle ist mittlerweile zu einem Politikum in Regensburg geworden – und hätte fast zu einer beispiellosen Eskalation geführt.
Dass es bei Handballspielen mitunter dramatisch zugeht, ist normal. Beim zurückliegenden Heimspiel-Wochenende der SG Regensburg stellte sich der Nervenkitzel aber schon weit vor dem ersten Anwurf am späten Samstagvormittag ein. Die Frage, wo der Verein die insgesamt fünf Begegnungen austrägt, entwickelte sich zu einem Krimi, der um ein Haar sogar mit einem Polizeieinsatz garniert gewesen wäre.
Zur Vorgeschichte: Das städtische Amt für Gebäudeservice hatte die Kerschensteiner Halle wegen eines Schadens im Boden und der damit verbundenen Unfallgefahr gesperrt. Den auf diese Weise heimatlos gewordenen SG-Handballern wurde die Halle der Clermont-Ferrand-Schule als Ersatzspielort zugewiesen. Dennoch hatte sich der Verein am Freitag dazu entschieden, in der Kerschensteiner Halle zu spielen.
Ein Rüffel für den Verein
SG-Vorstandsmitglied Daniel Mulitze betont, dass es gute Gründe für dieses eigenmächtige Handeln gegeben habe. Zum Beispiel ein Gutachten der Fachfirma, die vom Verein mit der provisorischen Behebung des Schadens beauftragt worden war. Die Experten hätten die gefahrlose Nutzung zugesagt.
„In der Clermont-Ferrand-Halle hätten wir weitaus größere Sorgen gehabt, der Boden dort ist unglaublich rutschig“, sagt Mulitze und fügt hinzu, dass das letzte Wort über die Austragung eines Spiels sowieso immer der Handballverband habe. Dessen Vertreter vor Ort hätten wegen des Bodens in der Kerschensteiner Halle keinerlei Bedenken geäußert.
Bei der Stadt war man trotzdem verärgert. „Der Verein hat sich über die Sperrung hinweggesetzt. Die Stadt geht davon aus, dass dies ein einmaliger Vorgang bleiben wird, dies wurde dem Verein in einem Schreiben der Oberbürgermeisterin auch deutlich mitgeteilt“, lässt die Pressestelle wissen.
„Auf eine Räumung durch die Polizei verzichtet“
Trotz dieses Rüffels bekamen die Handballer am Ende aber dennoch, was sie wollten: „Im Sinne der Verhältnismäßigkeit wurde am Samstag auf eine Räumung durch die Polizei verzichtet. Das Spiel wurde unter der Bedingung zugelassen, dass der Verein die komplette Haftung für eventuelle Unfälle übernimmt.“
Die Verantwortlichen der SG waren sich der Möglichkeit bewusst, im Extremfall von der Polizei aus der Halle befördert zu werden. Mulitze räumt ein: „Es war unsere Hoffnung, dass sich die Oberbürgermeisterin einschaltet und dass wir ihr den Sachverhalt schildern können.“
Sport-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) sagt, über den Stand der Dinge stets informiert gewesen zu sein. Um aber dem zuständigen Sportamt über die Bedenken des Amts für Gebäudeservice hinweg grünes Licht für die Nutzung der Halle geben zu können, brauchte es ein Machtwort von Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Freudensteins Rolle beschränkte sich deshalb darauf, den Sportamtsleiter mit der Handynummer des Stadtoberhaupts zu versorgen.
„Die Oberbürgermeisterin übernahm tatkräftig Verantwortung und ließ dem Leiter des Sportamts die nötige Beinfreiheit zur Klärung der Situation vor Ort“, bestätigt SPD-Fraktionschef Thomas Burger diesen Ablauf.
„Hin- und hergeschoben“
Das vorangegangene Hickhack gibt Burger jedoch zu denken: „Es darf nicht sein, dass Sportvereine, Bauherren oder andere Akteure in unserer Stadt zwischen verschiedenen Direktorien, Referaten und Ämtern mit dem Verweis ,nicht verantwortlich’ hin- und hergeschoben werden.“
Daniel Gaittet, Co-Fraktionsvorsitzender der Grünen und ebenfalls mit der Misere um die Halle vertraut, stößt ins gleiche Horn: „Schade, insgesamt keine Glanzleistung. So hätte das nicht laufen dürfen. Statt Eskalation braucht es ein besseres Miteinander zwischen der Verwaltung und unseren Vereinen.“
Der Eklat hat also eine politische Dimension erreicht und wird auch mit Abschluss der Reparaturarbeiten nicht erledigt sein. So habe die Oberbürgermeisterin laut Burger zugesagt, dass der Vorgang im Nachgang noch einmal aufgearbeitet werde.