Bürgerverein Süd-Ost: „Der Stadtteil wird seit langem benachteiligt“

Vor dem Neujahrsempfang analysiert der Bürgerverein die Stärken und Schwächen des Regensburger Südostens. Quirliges Leben erfüllt das Kasernenviertel und den Galgenberg. Zugleich belasten Blechlawinen die Viertel. Noch fehlt ein großer, zusammenhängender Park.
Wohntürme, offene Treppenaufgänge und schmale Reihenhäuser: Der Kunstpark Ost an der Guerickestraße mit seiner Häuservielfalt ist städtebaulich gelungen. Darüber sind sich Johann Brandl und Burkard Wiesmann vom Bürgerverein Süd-Ost (Büso) beim Ortstermin einig. Das jüngste Wohnquartier bereichert den Südosten mit seinen 25 000 Einwohnern. Brandl zeigt auf eine steinerne Tischtennisplatte mit den Umrissen von Nord- und Südkorea. Das Netz stellt die Demarkationslinie dar. Internationale Kunstwerke wie dieses schenken dem Quartier seltenes Flair. Im Vorfeld des Büso-Neujahrsempfangs ziehen der neue und der alte Vorsitzende Bilanz.
• Tempo 30 auch für die Landshuter Straße
Lange hat der Bürgerverein für eine direkte Busanbindung des Kunstparks Ost gekämpft. Seit April 2023 verbindet der kleine E-Bus Emil das Wohngebiet mit dem Hauptbahnhof und der Altstadt. Emil kann sich im Gegensatz zu seinen großen Brüdern leicht durch die beengten Straßen schlängeln. Nach der Eröffnung des Hallenbads im Sportpark Ost im Frühsommer wird die Linie verlängert, aber mit großen Bussen. „Dann muss eine Seite der Guerickestraße von parkenden Autos befreit werden“, sagt der frühere Büso-Chef Brandl (70). In den Augen der Bürgervertreter gibt es jedoch beim Verkehr noch eine Menge zu tun. Sie favorisieren Tempo 30 in der Landshuter Straße. Schließlich strebe das die Stadt auch erneut für die Weißenburgstraße an. Beim Neujahrsempfang wollen sie eine Bus- und eine Autospur in jeder Richtung der Landshuter Straße vorschlagen. „Der Individualverkehr muss reduziert werden“, fordert Vorsitzender Burkard Wiesmann (57). Dafür müsse das Verkehrskonzept nach dem Tram-Aus sorgen.
• Im dicht bewohnten Viertel gibt es zu wenig Grün Burkard Wiesmann schätzt den Ostpark. „Er ist lebendig und man sieht Leute aus aller Herren Länder.“ Die Büso-Vertreter wünschen sich eine Toilette für das beliebte Grün. Baustellen-Klos sind laut Stadt zu teuer, deshalb fordern sie, dass die Kommune die Sanitäranlage des früheren Gartenamtsgebäudes öffnen soll. Außer dem Ostpark existiert im Südosten nur der Brixen-Park, ein Grünflächensystem auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne zwischen Universitäts- und Galgenbergstraße. Leider fehle im Südosten ein großer, zusammenhängender Park. „Wir hätten gerne eine Grünfläche beim Pürkelgut“, schwebt Burkard Wiesmann vor.
• Ein Quartierszentrum soll nicht in den äußeren Osten
Die Einrichtung eines Orts der Begegnung sei bei der Wohnbebauung des ansonsten gut gelungenen sowie mit Supermarkt und Bäckerei versorgten Nibelungen-Areals verpasst worden, monieren die Büso-Vertreter. Ins ehemalige Casino ist ein Fitnessstudio eingezogen, von dem man keinen Lärm erwartet. Der Regensburg-Plan 2040 markiert einen Standort für ein Quartierszentrum auf dem früheren Gelände der Prinz-Leopold-Kaserne (PLK). Der Büso hätte eine zentrale Lage, etwa über dem Edeka Hornstraße bevorzugt. Doch der wird energetisch saniert, ein Begegnungszentrum kommt dort nicht.
• Das Zusammenleben mit Geflüchteten läuft gut
1554 Asylbewerber und geflüchtete Ukrainer leben in sechs Unterkünften im Südosten, vom Ankerzentrum bis zum Zeißtower. „Wir sind für dezentrale Unterkünfte, aber die sollten nicht alle geballt in einem Stadtteil sein, damit sich die Leute besser integrieren können“, erklärt Burkard Wiesmann. Es gehe nicht darum, die Geflüchteten loszuwerden, sondern sie besser zu verteilen. Der Verein hat keinerlei Problem mit den Asylbewerbern und nimmt stets eine Gruppe zu seinen Fahrten mit, doch die direkten Anwohner klagen über Lärm. „Sie möchten nicht hier wohnen“, heißt es bei Viertel-Führungen. Weil auch viele Menschen mit kleinem Geldbeutel im Südosten leben, sei etwa der Kunstpark Ost wichtig für die soziale Durchmischung.
• Kommt das Kasernenviertel bei der Bildung zu kurz?
Dass die Stadtteilbibliothek in der Alfons-Auer-Straße in das PLK-Gelände verlegt werden soll, kritisiert Johann Brandl scharf. „Dann gibt es für 25 000 Leute eine Bücherei im äußersten Osten.“ Die überfüllte Pestalozzi-Grundschule müsse neu gebaut werden. „Der Stadtteil wird seit langem vernachlässigt – bei Wohnen, schulischer Versorgung und Grünflächen.“
• Bei den Fahrradverbindungen gibt es noch viel zu tun
Der Büso pocht auf einen durchgehenden Radweg entlang der Bahn von Burgweinting über den neuen Sportpark Ost in die Innenstadt. „Die Wege existieren, man müsste sie verbinden“, sagt Wiesmann. „Sonst müssen alle an der Landshuter Straße fahren.“
Wie sieht die Zukunft aus?
Der Südosten: Kasernenviertel und Galgenberg bilden diesen schnell wachsenden Stadtteil zwischen Bahn, A3 und Galgenbergstraße. Dort regieren quirliges Leben, aber auch Verkehrslärm und Armut.
Neujahrsempfang: Am Freitag um 19 Uhr referieren und diskutieren in der FOS/BOS Planungsreferent Florian Plajer, Stadtplaner Bernd Rohloff und Stadträtin/Sozialarbeiterin Theresa Eberlein.