A93 braucht Stützen, Odessa-Ring wird Großbaustelle – Marode Brücken bremsen Verkehr aus

Von Jonas Raab · 4. April 2025 um 05:00

Die A93 bekommt eine neue Fahrbahn – und eine der marodesten Autobahnbrücken Deutschlands Stützen. Im Schatten der Großbaustelle – genauer, am Autobahnzubringer Kumpfmühl – stehen deshalb Absperrbaken, Laster und Co. Der Problembau im Süden ist längst nicht die einzige sanierungsbedürftige Brücke in Regensburg.

Anfang Mai will die Autobahn GmbH die Sicherungsmaßnahme abgeschlossen haben. Der Problembau im Süden ist aber längst nicht die einzige marode Brücke in Regensburg. Kommendes Jahr will sich die Stadt den Odessa-Ring vornehmen – Vollsperrungen inklusive.

3786 Autobahnbrücken mit mindestens 50 Metern Länge hat die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken (BGIB) auf ihren Zustand hin überprüft – und eine Liste mit den 100 am schlechtesten bewerteten Bauwerken veröffentlicht. Eine von acht bayerischen Brücken, die dort vertreten sind, ist die A93-Brücke in Kumpfmühl. Ihre Note: 3,5 – was die Bauexperten als „ungenügend“ werten.

A93-Brücke bei Regensburg ist sanierungsbedürftig: Keine Einsturzgefahr

Per Definition klingt eine 3,5 durchaus drastisch. Stand- und/oder Verkehrssicherheit seien „erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“. Christoph Graebel, zuständig für die Projektkommunikation bei der Autobahn GmbH Niederlassung Südbayern, nahm im Herbst, als die Brücke durch die Medien ging, Schärfe raus. Die Zustandsnoten seien kein Maß für die Sicherheit eines Bauwerks, sagte Graebel und führte den sogenannten Traglastindex ins Feld. „Wenn die Brücke einsturzgefährdet wäre, wäre sie schon längst gesperrt“, erklärte der Sprecher, schob jedoch hinterher: „Es ist aber schon länger völlig klar, dass an diesem Bauwerk etwas gemacht werden muss.“ Graebel kündigte an, um den Jahreswechsel herum zusätzliche Hilfsstützen aus Stahl zu installieren. Genau das passiert nun mit etwas Verzögerung.

Wenn die Brücke einsturzgefährdet wäre, wäre sie schon längst gesperrt.

Christoph Graebel

Die Maßnahme stelle sicher, dass der Verkehr auf der A93 sicher über die Brücke fließen könne – insbesondere mit Blick auf „ansteigende Belastungen“, sagt Graebel auf erneute Nachfrage. Rund 70 000 Fahrzeuge rollen täglich über das 1970 für den Verkehr eröffnete Bauwerk.

Anfang Mai sollen die Hilfsstützen stehen. Während ihres Aufbaus bleibt Graebel zufolge der rechte Fahrstreifen der Ausfahrtsrampe aus Richtung Hof gesperrt. Auf der A93 selbst komme es zu keinen Einschränkungen. Zwar stehen in Fahrtrichtung München direkt an der Brücke Tempo-80-Schilder. Die sind allerdings Vorboten der wenig später beginnenden Großbaustelle.

Eng geht es derzeit nicht nur auf der A93 zu – auch an der Brücke über den Autobahnzubringer Kumpfmühl wird gearbeitet.

Die Stützen sind eine Übergangslösung. Ein Ersatzneubau der Brücke sei in Planung, sagt Graebel. Einen belastbaren Zeitplan vermag er noch nicht zu nennen.

Nicht nur die Autobahn GmbH hat mit in die Jahre gekommenen Brücken zu tun; auch die Stadtverwaltung sieht sich mit Großbaustellen konfrontiert, wie ein Statusbericht im Stadtrat kürzlich offenbarte. „Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens und durch das immer höhere Alter der vorhandenen Brücken müssen die Investitionen in die Substanz künftig sicher höher werden“, erklärte Planungs- und Baureferent Florian Plajer. Acht der 73 Brücken, für die die Stadt zuständig ist, erhielten bei der jüngsten Bauwerksprüfung eine Note von 3,0 oder schlechter – sie befinden sich also in einem „nicht ausreichenden“ oder „ungenügenden“ Zustand. Der Eiserne und der Grieser Steg schnitten mit 3,8 und 3,6 am schlechtesten ab. Die Frankenbrücke wird mit einer 3,5 geführt – genau wie die Bogenbrücke über den St. Petersweg.

Trotz der schlechten Noten gibt es für einen Teil der Brücken noch keine konkreten Zeitpläne. Für den Eisernen Steg sind bis 2028 keine Gelder eingeplant, genau wie für die Frankenbrücke. Dem für 2025 anvisierten Neubau des Grieser Stegs droht nach einer Vermessung der Flusssohle Verzögerung. Für die Bogenbrücke über den St. Petersweg gibt es noch kein Sanierungskonzept.

Stadt Regensburg saniert 2026 die Brücken des Odessa-Rings: Acht Monate Stau?

Im kommenden Jahr nimmt sich die Stadt der Brücken des Odessa-Rings an. Eigentlich hätte die Sanierung dieses Jahr über die Bühne gehen sollen. „Mit Blick auf die Anzahl der (Groß-)Baustellen und deren Auswirkungen auf die gesamte Verkehrssituation im Stadtgebiet“ sei die Maßnahme geschoben worden, erklärte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra vergangenen Herbst auf MZ-Anfrage. Nun fasste der Stadtrat einen Maßnahmenbeschluss.

Die Übergangskonstruktionen der insgesamt zehn Brücken haben erhebliche Korrosionsschäden. Diese Bauteile – sie sind bis zu 45 Jahre alt – seien Verschleißteile und müssen „unumgänglich“ ausgetauscht werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Sanierung soll demnach in mehrere Bauabschnitte unterteilt werden, um den Verkehr „grundsätzlich“ aufrecht erhalten zu können. Heißt: Es wird nie an allen Brücken gleichzeitig gearbeitet; in beide Richtungen soll je ein Fahrstreifen offen bleiben. Jedoch sei bei der Sanierung der Brücke über die Max-Planck-Straße eine Vollsperrung nötig – genau wie im Anschluss an die Brückenarbeiten, wenn die Straße neuen Asphalt bekommt. Die Sperrungen sollen sich auf einzelne Wochenenden beschränken.

Acht Monate, von April bis November, werden die Bauarbeiten am Odessa-Ring voraussichtlich dauern. Die Kosten schätzt die Verwaltung auf rund fünf Millionen Euro.