Eine der marodesten Brücken steht in Regensburg – Autobahn GmbH will Hilfsstützen aufstellen

Sie ist eine unscheinbare, graue, 52 Meter lange Autobahnbrücke, die von vielen wohl nicht mal als eine solche wahrgenommen wird. Doch jetzt erlangt sie unfreiwillige Bekanntheit. Denn die Brücke in Regensburg ist einer Expertenanalyse zufolge, eine der marodesten Autobahnbrücken in Deutschland.
Als „Brücke A93 über die Ringstraße (AS) (34)“ steht sie in der Brückenkarte der Bundesanstalt für Straßenwesen. Den Regensburgern ist sie wohl noch am ehesten als „Brücke über den Autobahnzubringer Kumpfmühl“ geläufig. Sie ist also so unbekannt, dass sie noch nicht mal einen eingängigen Namen trägt. Trotzdem rollen täglich rund 70.000 Fahrzeuge darüber – Tendenz steigend. Und das hinterlässt Spuren.
A93: Brücke in Kumpfmühl gehört zu den 100 schlechtesten
Die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken hat nach eigenen Angaben von 3786 Autobahnbrücken mit mindestens 50 Metern Länge diejenigen identifiziert, die deutschlandweit die schlechtesten Zustandsnoten haben. Heraus kam eine Liste mit den 100 am schlechtesten bewerteten Brücken. Darunter sind auch acht Bauwerke in Bayern mit einer Note von jeweils 3,5, die die Bauexperten bereits als „ungenügend“ werten – und eines davon ist eben die Brücke in Kumpfmühl.
Die Untersuchung, über die am Montag zunächst die dpa berichtet hatte, stützt sich auf die regelmäßig von der Bundesanstalt für Straßenwesen veröffentlichte Brückenstatistik. Eine Zustandsnote von 3,5 und schlechter beschreibe zwar einen „ungenügenden Bauwerkszustand“ mit der Definition: „Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit sind erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“, erläutert die Bundesanstalt. Dies könne aber auch zum Beispiel durch fehlende Gitterstäbe im Geländer (mangelnde Verkehrssicherheit) ausgelöst werden oder sich auf eine große Anzahl von Schäden mit Beeinträchtigung der Dauerhaftigkeit (z.B. Betonabplatzungen, schadhafte Abdichtung, Korrosionsschäden) beziehen, ohne dass die Standsicherheit gefährdet wäre.
Autobahn GmbH beobachtet Brücke in Regensburg „sehr genau“
Christoph Graebel, zuständig für die Projektkommunikation bei der Autobahn GmbH Niederlassung Südbayern, sagt dazu: „Die Zustandsnoten sind ein Hilfsmittel für die Planung von Erhaltungsmaßnahmen, sie sind jedoch kein Maß für die Sicherheit eines Bauwerks.“ Darüber hinaus existiere mit dem Traglastindex ein weiterer wichtiger Kennwert, der Auskunft über die strukturellen Eigenschaften eines Tragwerks gebe. „Für die Erhaltungsplanung sind beide Kennwerte bedeutsam und je für sich geeignet, Handlungsbedarf für Instandsetzungen beziehungsweise Modernisierung aufzuzeigen.“
Die Brücke über den Autobahnzubringer Kumpfmühl wurde 1970 für den Verkehr eröffnet. „Die Autobahn Südbayern beobachtet auch dieses Bauwerk sehr genau“, sagt Graebel. Bei den Schäden handle es sich um Betonabplatzungen. „Das sieht man auch deutlich beim Drunterdurchfahren an den Brückenrändern.“ Diese Stellen würden regelmäßig gesichert. „Wenn die Brücke einsturzgefährdet wäre, wäre sie schon längst gesperrt“, sagt Graebel. „Die Brücke ist verkehrssicher befahrbar. Es ist aber schon länger völlig klar, dass an diesem Bauwerk etwas gemacht werden muss.“
Derzeit liefen die Planungen für zusätzliche Hilfsstützen aus Stahl, die wohl Ende 2024/Anfang 2025 unter dem Bauwerk installiert werden sollen. Sie sollen die Pfeiler entlasten. So versuche man zu erreichen, dass die Brücke verkehrssicher offengehalten werden kann, bis ein Ersatzneubau umgesetzt werden kann, sagt Graebel.