Fast alle Regensburger Brücken sind sanierungsbedürftig: Droht ein Einsturz wie in Dresden?

Der Einsturz der Carolabrücke in Dresden facht die Diskussion um den Zustand der Straßen und Brücken in Deutschland an, Kritik wird laut. Auch in Regensburg gibt es einige Baustellen. Wie ist es um sie bestellt?
Notruf um 3.08 Uhr: Ein etwa 100 Meter langes Stück der Carolabrücke ist am Mittwoch in die Elbe gestürzt. Dresden entging nur knapp einer Katastrophe. Seitdem diskutiert ganz Deutschland über den Zustand seiner Brücken – auch, weil der eingestürzte Zug der Spannbetonbrücke kommendes Jahr saniert werden sollte. Von einem „traurigen Symbol der deutschen Infrastruktur“ ist die Rede. „Es ist fünf nach zwölf“, warnen Experten. Auch in Regensburg gibt es jede Menge sanierungsbedürftige Brücken.
Jede Brücke und alle anderen Ingenieurbauwerke werden im Abstand von sechs Jahren einer Hauptprüfung unterzogen; alle drei Jahre erfolge eine sogenannte „Einfache Prüfung“. Zudem nehme das Tiefbauamt Regensburgs Brücken zweimal jährlich unter die Lupe, um augenscheinliche Schäden zu identifizieren, erklärt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra.
„Regelmäßige Kontrollen auf unseren Brücken sind wichtig, um Schwachstellen zu erkennen“, sagt Planungs- und Baureferent Florian Plajer. Mehr Autos, mehr Laster, mehr Gewicht: Der Verkehr habe in den letzten Jahrzehnten zugenommen. „Sollte eine Brücke nicht mehr tragfähig sein, dann müssen wir unverzüglich reagieren“, sagt Plajer und verweist auf die Sperrung des Eisernen Stegs zum Jahreswechsel.
Der Eiserne Steg: Das ewige Provisorium wankt
Der Eiserne und der Grieser Steg sind quasi Zwillinge. Sie wurden 1947 und 1948 aus Beständen der Wehrmacht gebaut und sollten eigentlich als Provisorien dienen. Der Zahn der Zeit nagt an den Brücken. Die Stadt würde am liebsten beide abreißen. Der Neubau des Grieser Stegs ist beschlossene Sache und für 2025 geplant. Die Brücke sei für das Verkehrsaufkommen nicht breit genug, erklärt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Zudem liege der Steg zu niedrig und sei bei fast jedem Hochwasser stark gefährdet.
Auch beim Eisernen Steg wäre laut von Roenne-Styra ein Neubau „verkehrstechnisch die beste Lösung“. Er steht jedoch, im Gegensatz zu seinem Pendant am Donau-Nordarm, unter Denkmalschutz. Die Tragfähigkeit des Überbaus ist laut der Stadtsprecherin noch gegeben. Derzeit werde ein Sanierungskonzept erstellt, um „die Nutzungsdauer zu verlängern“.
Der Safferlinger Steg, eine wichtige Verbindung über die Gleise im Regensburger Osten, ist ebenfalls marode. Er soll voraussichtlich ab 2029 erneuert werden. Die Kosten: mehr als zwei Millionen Euro.
Regensburg: Ersatzneubau der Frankenbrücke 2018
Ein Blick in den Stadtnorden: Die Oberpfalzbrücke steht nach einer langwierigen Grundinstandsetzung gut da. Die Brücke in der Donaustaufer Straße wurde 2018 saniert. Die Frankenbrücke, Baujahr 1937, wird aufgrund ihres Alters und des hohen Verkehrsaufkommens jährlich einer „Bauwerkshauptprüfung“ unterzogen. Laut von Roenne-Styra ist ist ein Ersatzneubau notwendig. Im Juli beschloss der Stadtrat, den Antrag auf Planfeststellung einzureichen. Der voraussichtliche Baubeginn: 2028. An der Nibelungenbrücke – sie bekam erst vergangenes Jahr eine neue Asphaltdecke – seien einzelne Bauteile sanierungsbedürftig. Dasselbe gilt für die Kumpfmühler Brücke, die Galgenbergbrücke und die Eiserne Brücke. „Die Standsicherheit der Brücken ist nicht beeinträchtigt“, sagt von Roenne-Styra.
Im kommenden Jahr wollte die Stadt eigentlich den Odessa-Ring sperren, um gleich sechs Brücken instand zu setzen: die Schwabelweiser Donaubrücke sowie zwei diese flankierende „Vorlandbrücken“, eine Brücke über das Hafengleis, die Überführung der Straubinger Straße und die Einhauser Brücke über die Bahngleise.
Brückensanierung in Regensburg: Odessa-Ring muss warten
Alle Brücken am Odessa-Ring teilen denselben Schaden: Ihre Übergangskonstruktionen haben „erhebliche Korrosionsschäden“. Die Reparatur muss bis 2026 warten. „Die Maßnahme wurde mit Blick auf die Anzahl der (Groß-)Baustellen und deren Auswirkungen auf die gesamte Verkehrssituation im Stadtgebiet geschoben“, sagt von Roenne-Styra.
Angesichts all dieser Baustellen: Ist ein Szenario wie in Sachsens Landeshauptstadt auch bei uns möglich? „Der Einsturz der Brücke in Dresden ist fürchterlich und schien kaum vorstellbar. Für die Stadt Regensburg kann ich nur sagen, dass es keine Brücke mit erheblichem Handlungsbedarf oder einer vergleichbaren Spannbetonkonstruktion wie bei der havarierten Carolabrücke gibt“, stellt Planungs- und Baureferent Florian Plajer klar. Trotzdem fordert er: „Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen und dauerhaft sowie zuverlässig in den Bestand unserer Infrastruktur investieren.“