Lappersdorfer Straße: Ist die Verkehrssituation wirklich „langsam brandgefährlich“?

Von Jürgen Scharf · 13. September 2024 um 12:00

Martin Holmer sagt, dass es ihm jetzt reicht. Die Lappersdorfer Straße in Regensburg sei nämlich „langsam brandgefährlich“. Es werde von viel zu vielen Verkehrsteilnehmern viel zu schnell und völlig rücksichtslos gefahren. Es müsse sich etwas ändern, fordert er.

Die Stadt teilt allerdings mit, dass es in dem Bereich regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen gebe, die Ergebnisse aber „nicht sehr kritisch“ seien.

„Der Straßenzug ist eigentlich eine Tempo-30-Zone, welche man allerdings als schlechten Witz bezeichnen kann“, sagt Holmer. Er ist dort viel unterwegs und hat nach eigener Aussage viele gefährliche Situationen erlebt: „Motorradfahrer, Sportfahrer, Taxifahrer, aber auch gerne Landwirte mit ihren gigantischen Zugmaschinen kennen anscheinend die Bedeutung von 30 nicht“, sagt er: Es sei eher wie in einer Tempo-70-Zone, findet er. Nachts werde sogar noch schneller und lauter gefahren.

„Fahrradfahrer flüchten“

Auch die dortige Wanderbaustelle für den Glasfaserausbau entschärfe die Lage nicht. Die Baustellensituation würde einige Verkehrsteilnehmer im Gegenteil offenbar dazu verleiten, noch riskanter zu fahren, findet Holmer: „Fahrradfahrer flüchten zu Recht auf den Bürgersteig, Fußgänger sollten sich bestenfalls in Luft auflösen.“

Er habe bereits die Oberbürgermeisterin, die Polizei, das Ordnungsamt und auch die Verkehrsüberwachung angeschrieben. Seine Anfragen seien im Kern aber „versickert“. Er will sich damit nicht abfinden: „ Man darf sich schon einmal fragen, ob hier ein rechtsfreier Raum entsteht. Es zählt eindeutig das Recht des Stärkeren.“

Die Stadt Regensburg teilt zu der Tempo-30-Zone der Lappersdorfer Straße mit, dass der Verkehrsüberwachungsdienst dort in der Regel mindestens zweimal pro Monat Messungen durchführe. Die sogenannten Beanstandungsquoten würden im Schnitt unter zehn Prozent liegen. Dies bedeute, dass dies kein besonders kritischer Verkehrsbereich sei. Bei der Wanderbaustelle gibt es der Stadt zufolge etliche verkehrssichernde Maßnahmen. Zusätzliche seien nicht geplant. Bei Beachtung der Verkehrsregeln und der Lichtzeichenanlagen könnte die Baustelle „ohne besonderen Gefahren ausgesetzt zu sein“, passiert werden.

Wäre eine Verkehrsentlastung die Lösung?

Etliche Bürger würden sich aber wohl dennoch über eine ganz grundsätzliche Entlastung des Verkehrs im Regensburger Norden freuen. Die Lappersdorfer Straße ist eine der Hauptverbindungsrouten zwischen Landkreis und Stadt Regensburg. Die Initiative „PRO Städtedreiecksbahn“ aus dem Landkreis Schwandorf sagt, dass mit ihrem Wunschprojekt auch die Verkehrssituation im Regensburger Norden verbessert werden könnte. Nun hat sie in einem offenen Brief an politische Vertreter von Stadt und Landkreis Regensburg mitgeteilt, dass sie erfolgreich eine Unterschriftenaktion zum Thema „Gegen Stauchaos in Regensburg – Für eine Stadtumlandbahn (Nord) Burglengenfeld – Regensburg“ durchgeführt habe.

Die Initiative fordert unter anderem, dass die Bahnstrecke von Burglengenfeld nach Maxhütte-Haidhof reaktiviert wird. Diese Städtedreiecksbahn soll dann Teil einer weiterführenden Stadtumlandbahn Nord sein. Dadurch sollen weitaus mehr Bewohner des Städtedreiecks als bisher mit der Bahn nach Regensburg kommen – und Hauptverkehrsrouten wie die Lappersdorfer Straße würden entlastet werden: „Wir fordern die Gebietskörperschaften Landkreis Schwandorf, Landkreis Regensburg, Stadt Regensburg und den Freistaat Bayern auf, diese Nord-Süd-Verbindung mit Hochdruck zu realisieren.“

200 Unterschriften anvisiert

Bei der Petition im Internet hatte sich die Initiative allerdings eher kleine Ziele gesetzt. 200 Unterschriften waren anvisiert worden – und die waren nach zehn Tagen erreicht. Diese Zahl sei auch „eher symbolisch“ zu verstehen, sagt Jan Maschek von der Initiative auf Nachfrage: „Hier ging es nicht darum, ein spezifisches Quorum zu erreichen, sondern dass die Politik wachgerüttelt wird.“

Die Stadt Regensburg teilt dazu mit, dass es aus ihrer Sicht grundsätzlich wünschenswert wäre, dass mehr Pendler die Bahn anstatt das Auto nutzen: „Auch vor dem Hintergrund der anstehenden Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels.“ Dafür müssten an wichtigen Knotenpunkten neue Umsteigemöglichkeiten angeboten werden. Eine Anpassung und Verbesserung des gesamten Angebotes beim Öffentlichen Personen-Nahverkehr seien auch „primäre Ziele“ der Stadt Regensburg.