Der Eiserne Steg ist in einem miserablen Zustand: Geht das ewige Provisorium in die Knie?

Von Philip Hell · 22. April 2024 um 17:00

Manchmal wackelt es ganz schön, das ewige Regensburger Provisorium. Hier und da reicht schon eine Gruppe Läufer, damit der Eiserne Steg ins Wanken gerät. Die Brücke scheint rund 80 Jahre nach ihrer Errichtung ein wenig schwach auf der Brust – in der vergangenen Silvesternacht musste sie sogar gesperrt werden. Droht das erneut?

Die Stadt hat kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres eine Allgemeinverfügung erlassen. Darin verkündete sie, dass der Eiserne Steg überprüft und benotet wurde. Die Brücke schnitt dabei denkbar schlecht ab. Sie erhielt die Note 3,8. Die schlechteste Note ist eine 4. Damit ist die Brücke in einem ungenügenden Zustand.

Die Stadt schrieb in der Allgemeinverfügung: „Die Standsicherheit des Bauwerks ist erheblich beeinträchtigt.“ Die Folge: Die Brücke war in der Silvesternacht teilweise gesperrt. Zu groß war die Furcht, etwas könnte passieren.

„Ergebnisse liegen noch nicht vor“

Die Stadt kündigte damals an, Nachforschungen anzustellen, um herauszufinden, wie marode die Brücke wirklich ist. Inzwischen habe man ein fachkundiges Büro beauftragt, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage. Aber: „Ergebnisse liegen noch nicht vor.“ Wann das Büro genaueres sagen kann, scheint ungewiss.

Die Sprecherin betont allerdings: „Die Brücke ist ja nach wie vor bestimmungsgemäß nutzbar.“ Nur Menschenmengen, die seien ein Problem. Apropos: Die Maidult steht vor der Tür. Eine Sperrung ist laut von Roenne-Styra nicht zu befürchten. Problematisch werde es erst, wenn eine größere Menschenmenge über längere Zeit auf dem Steg steht − wie eben in der Silvesternacht, um das Feuerwerk zu beobachten.

„So ist halt Regensburg“

Die Geschichte des Eisernen Stegs ist die Geschichte eines ewigen Provisoriums. Die erste Brücke an dieser Stelle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellt und wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten in die Luft gesprengt. 1948 wurde der Eiserne Steg in seiner heutigen Form errichtet. Es handelte sich dabei um eine LZ-Brücke aus Beständen der Wehrmacht. LZ steht dabei für „leicht zerlegbar.“ Gedacht war der Steg als Provisorium, er steht allerdings bis heute. Nun nagt an der Brücke, die seit 2011 ein Denkmal ist, der Zahn der Zeit.

Klaus Heilmeier blickt ein Leben lang auf den Eisernen Steg. „Und ich sehe ihn mein ganzes Leben lang schon als Provisorium.“ Der ehemalige Denkmalpfleger der Stadt Regensburg ist am Unteren Wöhrd aufgewachsen und hat 2015 einen Beitrag für den 14. Band der Reihe „Denkmalpflege in Regensburg“ über die Brücke geschrieben. „Man hat nach dem Krieg aus der Not eine Tugend gemacht – aber so ist halt Regensburg. Und Provisorien halten immer am längsten.“

Die Schäden müsse man unbedingt im Auge behalten, sagt Heilmeier. „Aber eigentlich geht es um die Frage: Was kommt danach?“ Eine gute Lösung wäre wünschenswert, behindertengerecht sollte ein neuer Steg beispielsweise sein. „Es stellen sich ganz viele Fragen.“

Peter Morsbach, Architektur-Professor und Vorsitzender der Altstadt-Freunde war 2011 maßgeblich daran beteiligt, den Steg unter Denkmalschutz zu stellen. „Damals gab es eigentlich keine negativen Wortmeldungen – vom damaligen Oberbürgermeister Hans Schaidinger mal abgesehen.“ Freilich sei der Steg keine bauliche Zierde. „Aber das spielt ja keine Rolle. Es ist ein originelles Denkmal – so wie das Schwammerl.“ Der Steg sei sperrig, er sträube sich. „Das macht den Charme aus.“

Er habe das Gefühl, die Stadt lasse den Steg verfallen, sagt Morsbach. „Wir Altstadtfreunde wollten bereits mehrfach einen Blick in das Brückenbuch werfen – das wurde uns immer verweigert.“ Der Steg werde von der Stadt offenbar bewusst vernachlässigt. „Obwohl täglich Tausende darüber gehen. Das ist nicht nur dem gegenüber dem Baudenkmal unverantwortlich.“

Zwilling besser in Schuss

Der Eiserne Steg hat eine Art Zwillingsbruder donauabwärts: den Grieser Steg. Auch der ist eigentlich eine „leicht zerlegbare“ Brücke aus Wehrmachtsbeständen. Um genau zu sein, handelt es sich sogar um ein und dieselbe Brücke, die einfach geteilt wurde. Dem Grieser Steg ist bereits widerfahren, was dem Eisernen Steg noch drohen könnte: Er ist so marode, dass er abgerissen werden muss.

Stadt-Sprecherin von Roenne-Styra dazu: „Sowohl sämtliche Genehmigungsverfahren als auch Bauvorbereitungen sind in vollem Gange.“ Der Stadtrat soll aller Voraussicht nach im Sommer über das Vorhaben abstimmen. „Derzeit wird von einem Baubeginn für den Ersatzneubau beziehungsweise den vorherigen Abbruch des jetzigen Steges erst nach dem Bürgerfest 2025 ausgegangen.“ Die Ironie an der Sache: „Der Grieser Steg hat eine geringfügig bessere Zustandsnote als der Eiserne Steg“, sagt Stadt-Sprecherin von Roenne-Styra. „Eine Sperrung ist auch hierfür derzeit nicht zu befürchten.“

Bis die beiden Brücken also tatsächlich erneut werden, fließt erst noch viel Wasser die Donau hinunter – und noch viele Läufer werden die Stege in Wallung bringen.

Im August 2023 wurde der Eiserne Steg überprüft.