Achtung, Falschparker: Auch in Regensburg ist ein Anzeigenhauptmeister unterwegs

Seit Wochen sorgt der Anzeigenhauptmeister für Furore im Internet. Sein Ziel ist es, in jeder deutschen Kommune einen Falschparker anzuzeigen. In Regensburg ist ihm da jemand zuvorgekommen.
Der selbst ernannte „Anzeigenhauptmeister“ ist das Internet-Phänomen der Stunde. Der 18-Jährige aus einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt schwingt sich in Warnweste auf sein Rad und zeigt jede Menge Falschparker an. Dank einer Dokumentation von „Spiegel TV“ mutierte der junge Mann zu einer viralen Berühmtheit – die durchaus polarisiert. Auch in Regensburg gibt es Menschen, die massenhaft Falschparker anzeigen. Die MZ hat mit einem gesprochen.
Es sei kein Hobby, betont der Regensburger, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Er gehe nicht gezielt auf die Jagd nach Parksündern, sagt der passionierte Radfahrer. „Nur wer mir im Weg steht, wird angezeigt.“ Häufig sehe er Autofahrer, die auf Radwegen parken, diese zeige er dann über die Internetseite „weg.li“ an. Seine Motivation? „Gerechtigkeitssinn“, sagt der Regensburger. „Ich finde es unfair, wenn Leute, die sich an gemeinschaftliche Regeln halten, gegenüber dreisten Leuten benachteiligt werden.“
Seit sechs Jahren unterwegs
Seit 2018 zeigt der Regensburger Menschen bei der Stadt an. „Ich mache das nach Lust und Laune. Es ist ja nicht mein Job, auch wenn es genug Arbeit gäbe.“ Wie oft er schon tätig wurde, will er nicht sagen. Bei Anzeigen habe er auch schon brenzlige Situationen erlebt. Ein Lieferant habe ihm schon mit Mord gedroht. „Er hat gesagt: Ich bringe dich um.“ Er habe den Mann angezeigt, da er mit seinem Transporter auf einem Fahrradweg geparkt habe.
Dabei sei unklar, wie viele seiner Anzeigen überhaupt verfolgt werden, sagt er. „Es gibt in Regensburg grundsätzlich keine Antwort, nur eine Eingangsbestätigung.“
Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra betont, dass jede Privatanzeige geprüft werde. Wenn die Anzeige verwertbar sei, werde sie in das reguläre Verfahren zur Verfolgung von Verkehrsordnungswidrigkeiten eingepflegt. „Die Verarbeitung erfolgt dann identisch zu den Anzeigen des eigenen Außendienstes.“ Solche Anzeigen seien als „Anregung an die Behörde zu sehen“, sagt Roenne-Styra. Für den Mindestinhalt einer verwertbaren Anzeige könne den Bürgern ein Merkblatt zur Verfügung gestellt werden. Wie viele Privatanzeigen bei der Stadt eingehen, kann Ronne-Styra nicht sagen. Der Verkehrsüberwachungsdienst führe keine Statistik dazu. Aber: „Es ist generell zu beobachten, dass die Anzahl der Privatanzeigen zunimmt.“ Ein Zusammenhang mit dem Internet-Phänomen Anzeigenhauptmeister scheint es allerdings nicht zu geben: „Ein besonderer Anstieg in den letzten Wochen ist nicht festzustellen. Es existiert ein Personenkreis, der regelmäßig Anzeigen einreicht.“
Zu diesem Kreis zählt auch der „Regensburger Anzeigenhauptmeister“. Dem Ordnungsamt wirft er vor, ineffizient zu arbeiten. Er kritisiert zum Beispiel, dass er die Mitarbeiter des Ordnungsamts nur zu Fuß sehe. Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra betont jedoch, dass dem nicht so ist. Die Mitarbeiter seien auch per Rad oder mit dem Auto unterwegs.
Der Regensburger hat noch einen weiteren Kritikpunkt: „Das Ordnungsamt schafft es offensichtlich nicht, Regeln flächendeckend durchzusetzen.“ Stadt-Sprecherin Roenne-Styra sagt, dass das Ordnungsamt insbesondere die Altstadt intensiver bestreife. „Das übrige Stadtgebiet kann nur stichpunktartig in Reaktion auf eingehende Beschwerden kontrolliert werden.“ Dafür seien Mitarbeiter des Ordnungsamts mit Autos unterwegs.
„Haltet euch an die Regeln“
Der Regensburger Anzeigenhauptmeister hat einen Vorschlag, um das Ordnungsamt zu entlasten. Personal der Stadt, das sowieso in Regensburg unterwegs ist, also das Gartenamt zum Beispiel, könnte auch Falschparker erfassen. Dem erteilt die Stadt auf Anfrage eine Absage. Der Verkehrsüberwachungsdienst des Ordnungsamtes sei im Normalfall alleine für die Verfolgung von Parkverstößen zuständig. „Andere städtische Stellen sind mit der Erfüllung ihrer Aufgaben ebenfalls ausgelastet, so dass keine Kapazitäten für Zusatzaufgaben frei bleiben.“
Der Anzeigenhauptmeister will weiter machen. Was er den Menschen sagt, die ihn dafür kritisieren? „Haltet euch an die Regeln, die wir uns selbst gegeben haben.“