Traditionsreiches Café in Regensburg: In der Moccabar sind vorerst die Lichter aus

Von Rainer Wendl · 2. April 2025 um 19:00

Geöffnet war schon seit Anfang Februar nicht mehr, Ende März war nun Schluss für Maximilian Türk als Geschäftsführer der Moccabar in der Brückstraße in Regensburg. Wie es mit dem traditionsreichen Café zwischen Goliathhaus und Steinerner Brücke weitergeht, ist offen.

„Die Baustelle war natürlich entscheidend. Eigentlich gab es das gesamte letzte Jahr kein Geschäft mehr“, spricht Türk die mehr als unglücklichen Rahmenbedingungen an, die ein gewichtiger Grund für das jetzt besiegelte Aus waren.

Erst Corona, dann Mega-Baustelle

Wegen der beiden ebenso langwierigen wie raumgreifenden Haussanierungen in der Brückstraße war der eigentliche Freisitz der Moccabar deutlich geschrumpft und es war zunehmend unattraktiv geworden, sich an dieser Engstelle niederzulassen. Als Türk 2020 als Geschäftsführer begonnen hatte, tobte gerade Corona – eine „normale“ Ausgangssituation, um in der vermeintlichen Goldgrube erfolgreich sein zu können, hatte er also quasi zu keinem Zeitpunkt.

„Wir haben nie durchgehend wie geplant öffnen können“, fasst der Ex-Geschäftsführer die Misere zusammen, klingt dabei aber nicht verbittert. Ganz anders war der Ton eines in Englisch verfassten Schreibens, das am vergangenen Wochenende mit Tesafilm an die Eingangstür geklebt worden war.

Stammgäste-Protest an der Scheibe

Die Stammgäste „U“ und „B“ beweinten damit wortreich das Ende einer „fantastischen Bar“ und machten die Stadt für das Aus verantwortlich. Dieser sei es nämlich wichtiger gewesen, „Schlösser“ für Investoren zu schaffen, als die Türen der Bar während der jahrelangen Bauzeit offen zu halten. „Jetzt haben die normal arbeitenden Menschen Regensburgs keine Bar mehr“, lautete das Lamento.

Ganz so dramatisch ist es in Wirklichkeit nicht, die Kneipendichte Regensburgs bleibt auch ohne die Moccabar hoch. Und nach Lage der Dinge wird das Lokal in der Brückstraße keineswegs dauerhaft dem gastronomischen Portfolio der Stadt entzogen bleiben. Dem Vernehmen nach sucht die Eigentümer-Familie bereits nach Nachfolgern, es soll mehrere Interessenten geben. Maximilian Türk hat in diese Planungen keinen Einblick mehr.

Seit 50 Jahren Teil der Kneipenszene

„Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt er zur Zukunft der Moccabar. Seine eigene liegt derweil weiter in der Branche: „Ich werde Angestellter in einem neuen Restaurant.“ In der Brückstraße würde eine Neueröffnung eine mehr als 50-jährige Tradition fortsetzen. Unter dem Namen Ambrosius gehörte das Lokal seit den 70-ern zu den Urgesteinen der hiesigen Kneipenszene, bevor um die Jahrtausendwende die Moccabar daraus wurde.

Gut 20 Jahre war hier Isak Hajzeraj, der heutige Inhaber vom Kaffeehaus in der Wahlenstraße, tätig. Er sagt zum (vorläufigen) Aus der alten Wirkungsstätte: „Das ist sehr schade, da hängt immer noch viel Herzblut von mir dran.“ Zugleich hofft er wie viele Freunde der Moccabar auf ein Comeback.