Baustelle gibt „Bayrisch Wild“ Todesstoß: Was wird aus Moccabar und Café Rauscher?

Von Daniel Pfeifer · 24. Januar 2025 um 19:00

Im Sommer drängen sich zigtausende Touristen durch die Regensburger Brückstraße an der Steinernen Brücke mit ihren zahlreichen Geschäften. Diese sind seit 2023 aber von einer Baustelle stark belastet. Eines davon, „Bayrisch Wild“, steht vor dem Aus. Auch für Moccabar und Café Rauscher zeichnen sich Veränderungen ab.

An wohl keinem anderen Ort in Regensburg drängen sich im Sommer die Touristenströme dermaßen durch, wie in der Brückstraße auf der Altstadt-Seite der Steinernen Brücke. Souvenirläden, Boutiquen und Gastronomie findet man hier. Seit 2023 aber auch eine Baustelle: zwei Gebäude, darunter das „Wiedamannhaus“ werden saniert. Erst ein Kran und nun ein Gerüst engen die Gasse ein und belasten die Geschäfte. Eines davon, „Bayrisch Wild“, wird nun wohl Opfer dieser Baustelle.

Laden überstand Corona

Eine „Piratenflagge“ mit einer Brezn als Totenschädel und Weißwürsten als Knochen ziert das Logo des Geschäfts und der eigenen Kleidungslinie. Mit ihrem Mix aus modern-bayerischen Waren mit Mundart-Sprüchen und regionalen Produkten – von Seifen bis zu Gin aus dem Landkreis – zieht „Bayrisch Wild“ seit über acht Jahren in der Brückstraße Regensburger und Touristen an. Nun aber suchen Sandra Helgath und Rüdiger Hanl für die 160 Quadratmeter Ladenfläche Nachmieter – Einzelhändler, denn Gastro darf dort nicht rein.

„Es ist sehr schade, ich werde die Kunden sehr vermissen“, sagt Sandra Helgath. Jahrelang habe das Geschäft super funktioniert, trotz Krisen: „Wir haben gekämpft seit Corona und wir hätten’s gepackt. Die Baustelle war jetzt eins zu viel.“ Ein großes Schaufenster sei seit 2023 ständig zugestellt, Touristen seien nur noch durch die von der Baustelle verengten Gasse durchgeschoben worden, ohne innezuhalten.

Das Sommergeschäft habe ebenso wie das Weihnachtsgeschäft gelitten, jetzt wo ohnehin Konsumenten weniger Geld ausgeben. „Natürlich könnten wir billig produzierten Ramsch verkaufen. Aber das ist es mir nicht wert“, sagt Helgath. Die eigene Kleidungslinie wird in Portugal hergestellt, die andere Ware ist nachhaltig und regional. Als Wohnzimmergeschäft mit Online-Versand hat sie „Bayrisch Wild“ einst mit ihrem Mann aufgebaut. Vielleicht werde sie dorthin zurückkehren oder ganz aufhören. Der Laden in der Brückstraße aber werde, „wenn nicht noch ein Wunder geschieht“, in nicht allzu ferner Zukunft leider Geschichte sein, sagt Helgath.

Zukunft für Bar und Café

Sehr eingeschränkt hat die Baustelle auch die Moccabar mit ihren kleinen, aber im Sommer beliebten Freisitzen. Nun freue sich Geschäftsführer Maximilian Türk auf eine baustellenfreie Zeit vor seiner Haustüre, sagte er vor drei Wochen der MZ. Jedoch, auch wenn offiziell noch nichts kommuniziert wird, gilt es als offenes Geheimnis, dass aktuell eine Nachfolge für die Moccabar gesucht wird.

Ein frühes Opfer der Bauarbeiten wurde das Café Rauscher im Erdgeschoss des Baustellen-Gebäudes. Betreiber Sascha Almahmoud war dies aber klar, als er kurz zuvor das kleine Café eröffnete, erzählt er. Inzwischen hat er die Fackel weitergegeben: Noch in diesem Frühling soll es wieder öffnen – als Café-Bar „Atelier 1410“, wie der neue Betreiber Maximilian Hell erzählt. Er und sein Mitbetreiber wollen zügig eröffnen, „spätestens 1. Mai“, sagt Hell. Dazu hoffen sie auf eine Übergabe der Räumlichkeiten im März. Dann soll die Baustelle endlich beendet sein.

Die Brückstraße: rechts „Bayrisch Wild“, links die Moccabar, im Hintergrund die Baustelle